Lektion 11 – Portfolio

17. August 2009

Was erwartet Sie in Lektion 11 unserer Fotoschule?

Eigentlich ist die elfte Lektion keine Lektion mehr im eigentlichen Sinne. Vielmehr werde ich hier einige Gedanken zur Fotografie mit Ihnen teilen. Da es aber gut zu den folgenden Überlegungen und Tipps passt, werde ich Sie mit dem Portfolio bekannt machen.

Fotocollage (vier kleine Bilder)

Fotocollage (vier kleine Bilder)

Spielen Sie auf dem größten Spielplatz der Welt

Puh, in den vorangegangenen Lektionen haben Sie viel über technische Details, Komposition und Regeln erfahren. Sicherlich für den Anfang eine Menge, aber keiner verlangt ja auch von Ihnen, dass Sie alles sofort perfekt beherrschen. Wie viel Sie davon für sich umsetzen und dadurch bestimmen, wie schnell Sie sich in der Fotografie weiterentwickeln, hängt von Ihrem eigenen „Rhythmus“ ab. Aber je häufiger Sie die Kamera in die Hand nehmen und Ihre Umwelt ablichten, desto schneller werden Sie in Ihrer Entwicklung zum aufmerksameren Fotografen voranschreiten.

Spielen Sie ruhig mit der Kamera, in dem Sinne, dass Sie auch spontan Bilder machen sollten. Da draußen wartet ein Unmenge an Motiven, man muss Sie nur festhalten. Und zwingen Sie sich nicht zu sehr – sonst bleibt wohlmöglich noch der Spaß auf der Strecke!

„Nach“gedacht

Hier jetzt einige Gedanken, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte:

Dieser Kurs hat Ihnen Regeln beigebracht, die es auch zunächst zu befolgen gilt. Natürlich sind diese Regeln, wie so viele, auch dazu da, um sie gelegentlich zu biegen bzw. brechen.

Gibt es das richtige Motiv? Eindeutig NEIN! Das richtige Motiv ist das Motiv, welches Sie sich ausgesucht haben! Mann kann es vielleicht schlecht umsetzen, aber welches Motiv Sie wählen, sollte ganz allein Ihre Entscheidung sein.

Fotografie hat auch einen künstlerischen Anspruch und über Kunst kann man ja bekanntlich streiten. Sie können bei einem Foto alles richtig gemacht haben (Belichtung, Komposition, etc.) und doch wird es Leute geben, denen das Bild nicht gefallen wird. Zuallererst fotografieren Sie für sich und niemand anderen. Seien Sie daher stolz auf Ihre Fotos. Selbst wenn Sie lange an einem Foto gearbeitet haben und doch z.B. die Schärfenebene nicht optimal liegt… Dann machen Sie eben das nächste Mal besser. Streben Sie immer danach, noch besser zu werden.

Wann immer es geht, verwenden Sie ein Stativ! Entschuldigung, ich konnte aber nicht widerstehen.

Machen sie Fotos, Fotos, Fotos. Das tolle an der digitalen Fotografie ist doch, dass sie langfristig kostengünstiger ist und Sie sich erlauben können, auch viele Bilder wieder zu löschen. Es gibt einige Kameras, die bieten Ihnen ähnliche Kontrolle wie eine SLR, ohne aber gleich so wuchtig und sperrig daherzukommen. Sie sind zwar kein Ersatz für eine SLR, aber Sie werden diese kleinere Variante eher mitnehmen (zum Sportplatz, zum Konzert, zum Shopping, zum Wandertrip, etc.) und Sie werden Fotos machen.

In diesem Zusammenhang sollten Sie auch mit der Kamera „eins werden“. Sie sollten Ihre Kamera intuitiv bedienen können. Das fällt umso leichter, wenn die Kamera bedienerfreundlich ist. Darunter verstehe ich Folgendes: Ich möchte z.B. den ISO-Wert für ein Foto schnell wechseln. Wenn ich jetzt im Handbuch dazu aufgefordert werde, den Knopf A zu drücken, gleichzeitig Knopf B zu bedienen und dann noch mit dem Schneidezahn das Rädchen vorne an der Kamera auf die gewünschte ISO-Zahl zu stellen, dann ist das nicht anwenderfreundlich. Der Idealfall: Ich drücke einen Knopf und stelle an einem zweiten Knopf bzw. Rad den Wert ein. Von Vorteil ist es auch, bei möglichst einem Hersteller zu bleiben. Nicht nur wegen der Objektive, auch weil die Bedienungsfunktionen oftmals gleich oder zumindest sehr ähnlich sind. Dasselbe trifft dann auch oft auf verwendete Symbole und Bezeichnungen zu.

Seien Sie kreativ! Probieren Sie vieles für sich aus. Es gibt keine Grenzen. Dabei ist es legitim sich Anregungen bei anderen zu holen. Sie haben einen Lieblingsfotografen? Dann folgen Sie seinem Beispiel. Dabei sollen Sie ihn nicht kopieren (gleiches Motiv, gleiche Komposition, usw.), sondern sich von dessen Bildbänden etc. inspirieren lassen. Über die Zeit werden Sie wahrscheinlich für sich einen bevorzugten Bereich (Landschaft, Sport, Reisen, etc.), ein bevorzugtes Thema (Menschen, Akt, Tiere, Mode, etc.) und einen bevorzugten Stil (Tele, Makro, Weitwinkel) finden, wobei die Variations- und Kombinationsmöglichkeiten schier unendlich sind. Und wie bereits gesagt, die Motivwahl ist Ihrer Kreativität überlassen!

Sie haben eine kreativen Tiefpunkt erreicht oder glauben, dass Ihre Fotos nicht gut genug sind bzw. schön? Dann schauen Sie sich von Ihnen gemachte Fotos an, von denen Sie wissen, dass sie gelungen sind. Noch besser – hängen Sie diese auf. Machen Sie Abzüge, suchen einen schönen Rahmen aus und erfreuen sich so an Ihrem Werk. Was nützen die guten Fotos, wenn sie keiner betrachten kann? Und für Sie selbst kann es wie ein kleiner Motivationsschub sein.

Sie haben das Foto nicht gemacht, weil das Licht nicht „optimal“ gewesen ist oder sich im Hintergrund ein störendes Objekt befand? Schade, denn ich denke, dass man im Zweifelsfall immer abdrücken sollte. Vielleicht mag am Ende kein Adams, Newton oder Wolfe herausgekommen sein, aber es ist Ihre Szene und Ihr Moment. Wenn Sie nicht gerade Geld mit ihren Bildern verdienen müssen, dann darf man, nein, dann sollte man sich das auch erlauben. Darum geht es doch auch. Wir möchten besondere Momente für uns festhalten, um sie immer wieder erleben zu können. Daher meine Meinung: Abdrücken!

Bevor ich Sie jetzt endgültig ihrer eigenen Kreativität überlasse, eine letzte Sache zum Abschluss dieses Kurses: Das Portfolio. Ein Portfolio ist eigentlich eine Mappe oder ein Bildband voll mit Arbeiten eines Künstlers. Ein Portfolio kann aber auch eine Bilderstrecke sein, die aus Fotos zu einem Thema besteht. Das gibt dem Fotografen die Möglichkeit, sich besonders kreativ mit einer Sache auseinander zu setzen. Ich habe als Beispiel dieses kleine Portfolio zusammen getragen, dass unter dem Titel „Frühstück“ stehen könnte. Mit Portfolios lassen sich auch (Bilder-)Geschichten erzählen, wobei die einzelnen Fotos aufeinander aufbauen. Ich finde, dass das Erstellen eines Portfolios, die kreative Seite besonders fordert (und fördert). Der nervöse Bräutigam in den letzten Stunden vor dem Traualtar, der erste Schultag eines Kindes, der Einzug in ein neues Haus, die verbleibenden Tage eines Menschen vor seinem Tod oder die Restaurierung des Oldtimers, oder …

Portfolio: siehe oben, groß

Portfolio: siehe oben, groß

Jetzt Sie! – Aufgaben

Für den Abschluss dieses Kurses nun eine letzte Aufgabe, bevor ich Sie nun wirklich auf den Spielplatz entlasse. Fertigen Sie ein Portfolio an, dessen Thema in Ihrem unmittelbaren Umfeld zu finden ist. Das kann in ihrem Haus, Ihrer Wohnung oder bei der Ausübung eines Hobbys sein. Das Portfolio sollte mindestens aus drei, aber maximal aus fünf Fotos bestehen. Ich wünsche Ihnen viel Spaß!

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