Lektion 10 – Portraitfotografie

17. August 2009

Was erwartet Sie in Lektion 10?

Streng genommen ist ein Porträt das Bild (besonders ab Brust aufwärts) eines Menschen. Ziel ist es, das Wesen bzw. die Persönlichkeit einer oder mehrerer Personen darzustellen. Dabei kann man die Porträtfotografie aber auch problemlos auf Tiere und Skulpturen erweitern.

Die Grundlagen zur Porträtfotografie sind in dieser Lektion zusammengefasst.

Porträt: Mädchenstatue

Porträt: Mädchenstatue

Rembrandts Licht

Einmal abgesehen von der Landschaftsfotografie (oder den vielen schönen Blumen), gehen höchstwahrscheinlich die meisten Kameras jeglicher Art deswegen über den Verkaufstresen, damit Freunde oder Familie im Bild festgehalten werden können.

Wie auch schon zuvor, spielt Licht eine entscheidende Rolle. Der Begriff Fotografie bedeutet ja auch „Malen mit Licht“. Anders ausgedrückt, die Kontrolle über die Lichtführung ist ein Element, welches der Fotograf zu seinem Vorteil nutzen sollte.

Als Erstes ist das natürliche Umgebungslicht zu nennen, also das Licht, welches wir vorfinden, wenn wir uns nur auf die Sonne als Lichtquelle verlassen. Das Licht der Sonne kann sich im Tagesverlauf dramatisch verändern. Nicht ohne Grund sprechen Fotografen auch von der goldenen bzw. magischen Stunde. Das ist die letzte bzw. erste Stunde des Sonnenlichts an einem Tag. Das Licht ist besonders in diesen Stunden sehr warm und kräftig. Auch für Landschaftsfotografen sind diese Stunden sehr interessant.

Um die Mittagszeit ist das Licht der Sonne zu hart und Farben wirken schnell ausgeblichen. Es sei denn, der Himmel ist bewölkt, dann haben sie den besten Diffuser, den man sich vorstellen kann. Man könnte auch von der weltgrößten Softbox sprechen.

Eigentlich sind Softboxen eine Errungenschaft der Studiofotografie, denn durch sie soll das Blitz- oder Studiolicht weicher gemacht werden. Dazu steckt die Lichtquelle in einem Kasten (der Box) und das Licht wird durch den Einsatz eines Diffusers (z.B. Transparentpapier) weicher („softer“) gemacht.

Wolkengefiltertes Licht ist extrem schön und natürlich anzuschauen und durch kein Blitzlicht der Welt zu ersetzen.

Sollte aber so gar keine Wolke am Himmel sein, können sie in schattige Bereiche ausweichen und wenn nötig die zu porträtierende Person mit einem Reflektor aufhellen.

Eine besondere Form der Lichtführung, die bewusst Regeln bricht, ist bei vielen als Rembrandt-Licht bekannt.

Der niederländische Maler Rembrandt Harmenszoon van Rijn nutzte in vielen seiner Gemälde eine ganz besondere Art der Lichtführung, bei der sich die Lichtquelle weit links (oder rechts) vom Hauptmotiv befindet. Da es keine weiteren Lichtquellen oder reflektierende Oberflächen gibt, wird nur eine Seite der gemalten Person beleuchtet. Die andere Seite verschwindet nahezu im Dunkeln.

Porträt Rembrandt & Goldhelm

Porträt Rembrandt & Goldhelm

Diese Seitenbeleuchtung ist in der Porträtfotografie weit verbreitet und beliebt, denn sie kann dramatische Effekte erzeugen.

Zu der Verwendung von Blitzgeräten sind bereits in der vierten Lektion ein paar Zeilen geschrieben worden. Versuchen sie weitgehend den Einsatz eines Blitzgerätes zu vermeiden. Lernen sie zuerst mit dem vorhandenem Licht zu arbeiten! Ist meistens auch das schönere Licht.

Porträt: Mädchen mit Buch

Porträt: Mädchen mit Buch

Ruhig mal mehr als nur Brust

Ok, das klassische Porträt zeigt nur rund ein Drittel einer Person, wobei der Schwerpunkt natürlich auf dem Gesicht liegen sollte. Aber es gibt ein erweiterte Variante der Porträtaufnahme: Das „Umfeld-Porträt“.

Ein Umfeld-Porträt zeichnet sich dadurch aus, dass nicht nur die Einzelperson gezeigt wird, sondern auch ein charakteristischer Teil seines alltäglichen Umfelds. Das kann bei einem Arbeiter einer Whisky-Fabrik eine Halle mit Fässern oder ein Raum mit den kupfernen Brennblasen sein. Der Reiter im Stall, ein Leser in der Bibliothek oder der Winzer im Weinberg, oder… Es gibt unendliche Möglichkeiten. Der Vorteil dieser Umfeld-Porträts liegt in ihrer Aussagekraft, denn ein Umfeld kann sehr viel über die porträtierte Person erzählen.

HINWEIS: Machen Sie probeweise aus ihren Porträtaufnahmen schwarz/weiße Bilder. Nicht selten kann das Fehlen von Farbe einem Porträtfoto einen interessanten abstrakten Charakter geben und so die Bildwirkung zusätzlich verstärken.

Porträt: Hund mit Mädchen

Porträt: Hund mit Mädchen

Porträt: Hund in der Kutsche – Nah & Umfeld

Porträt: Hund in der Kutsche – Nah & Umfeld

Das optimale Objektiv

…für Porträtaufnahmen ist das Objektiv, mit dem Sie ein gutes Porträt machen können. Entschuldigung, ganz kleiner Scherz, denn es gibt kein explizites Porträt-Objektiv.

Wollen Sie gezielt nur klassische Porträts aufnehmen, dann empfiehlt sich ein mittleres und lichtstarkes Tele. Ich bevorzuge dabei Brennweiten zwischen 100 und 200 mm. Wunderbar um eine gewisse Distanz zu waren und um den Hintergrund wegen der geringeren Schärfentiefe auszublenden.

Haben Sie jedoch mehr Interesse an der Umfeld-Porträtfotografie kommt ein gemäßigtes Weitwinkel daher. Mein Vorschlag wären Brennweiten um die 35 mm (±10 mm). Selbstverständlich können Sie auch mit einem Tele Umfeld-Porträtfotos gestalten, Sie sollten nur ausreichend Platz zum Zurückgehen haben.

Aufs Korn genommen

Eine sehr reizvolle Form der Porträtfotografie ist das Fotografieren nur mit dem vorhandenen Umgebungslicht. Vielfach als available light photography bezeichnet. Um überhaupt noch Fotos machen zu können, greifen z.B. die Reporter-Fotografen auf sehr schnelle, meistens schwarz-weiße Filme zurück. Diese Filme haben (hatten) ISO-Werte von z.B. 1600, 3200 usw. und zeigen eine deutliche Körnung. Diese kann, wie ich finde, aber sehr zum Bildausdruck beitragen.

Wenn Sie ihre Digitalfotos körniger haben möchten, sollten Sie nicht die ISO-Werte an Ihrer Kamera raufschrauben. Sie erhalten mehr Rauschen, aber nicht unbedingt den erwünschten Körnungseffekt. Fotografieren Sie wie bisher bei kleinen ISO-Werten und fügen erst später den gewünschten Grad an Körnung hinzu.

Umfeldporträt: Fliegenfischer – farbig vs. b/w

Umfeldporträt: Fliegenfischer – farbig vs. b/w

Tierporträt: Wisente

Tierporträt: Wisente

Porträt: Jungenstatue

Porträt: Jungenstatue

Jetzt Sie! – Aufgaben

Zum Aufwärmen ein Porträt von einer Statue, die IIhnen besonders gefällt. Ob Sie sich dabei für ein klassisches Porträt oder für ein Umfeldfoto entscheiden sei Ihnen überlassen.

Für diese Lektion möchte ich Sie natürlich auch bitten, dass Sie ein Porträtfoto im Rembrandtstil machen. Wenn möglich ein lebendes Objekt.

Erstellen Sie ein farbiges Porträt und wandeln Sie es in ein s/w-Foto um. Es ist Ihnen freigestellt, ob Sie evtl. einen Tönung und / oder Körnung zufügen möchten.

Lektion 9 – Landschaftsfotografie

Lektion 11 – Portfolio

Fotokurs zum Download

Rauschen im Bild verhindern

8. Februar 2009

Bei der digitalen Fotografie bezeichnet man mit dem Bildrauschen Störsignale, die sich über den Bildinhalt legen. Dieses unerwünschte Rauschen kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. So rauscht ein kleiner Sensor mehr als ein großer. Auch die Pixeldichte kann bei kleinen Sensoren Probleme bereiten, wenn die Pixel nur einen geringen Abstand zueinander haben. Ebenso haben die Signalverarbeitung und Belichtungsdauer Einfluss auf das Bildrauschen.

Hier werden nun 6 Tipps gegeben, wie man das Bildrauschen vermeiden kann.

  1. Schon beim Kauf einer Digitalkamera sollte man sich überlegen, eventuell eine Digitale Spiegelreflexkamera anzuschaffen. Im Gegensatz zu Kompaktkameras haben sie einen wesentlich größeren Sensor und somit auch größere Pixel. Diese beiden Eigenschaften verringern das Bildrauschen schon im Vorfeld.
  2. Tipp 2 bezieht sich auf das Senken der ISO-Werte. Bei Freihand-Aufnahmen ist man zwar mit höheren ISO-Werten und kurzen Belichtungszeit auf der sicheren Seite. Aber wenn ISO 800 für eine Aufnahme ausreicht, benötigt man beispielsweise kein ISO 1.600. Je höher der ISO-Wert, um so stärker ist das Bildrauschen. ISO-Werte über 400 sollte man wenn möglich vermeiden.
  3. Das Motiv hell belichten ist ein nächster Tipp, um das Rauschen zu vermeiden. Das Histogramm kann dabei eine wertvolle Hilfe sein. Auf diesem sollte ein deutliches Übergewicht auf der rechten Seite vorhanden sein. Man mag denken, dass man ein zu dunkles Foto auch nachträglich am PC bearbeiten kann, doch beim Aufhellen zieht man unweigerlich auch den Rauschpegel mit nach oben. Anders als beim nachträglichen Abdunkeln mit einem Bildprogramm. Hierbei lässt sich sogar der Rauschpegel senken.
  4. Besonders im Sommer sollte man darauf achten, dass die Kamera nicht unnötig der direkten Sonne ausgesetzt ist. Innere Bauteile könnten sich dabei stark aufheizen und beim Fotografieren Bildrauschen verursachen. Im Auto ist Übrigens der kühlste Platz im Handschuhfach.
  5. Spezialsoftware kann ein Foto mit Rauschen noch nachträglich verbessern. Solche Software analysiert das Bildrauschen und sorgt mit Algorithmen dafür, dass das Rauschen nach einer Bearbeitung drastisch reduziert wird. Diese sollte man jedoch nur im „Notfall“ anwenden, da durch diese Behandlung Details verloren gehen.

Was hier noch nicht erwähnt wurde ist, dass das eigentlich unerwünschte Bildrauschen auch kreativ eingesetzt werden kann. Besonders in der Schwarzweiß-Fotografie ist es hin und wieder ein willkommenes Gestaltungsmittel, um Fotos einen dramatischen Touch zu verleihen.

Rauschen ist sehr gut in dunklen Bereichen zu erkennen (Aufnahme mit ISO 1600):

Spielzeugauto

Bildrauschen