Fotografieren von Schmuck

7. August 2009

Ring mit Diamanten

Ring mit Diamanten

Die Schmuckfotografie stellt den Fotografen vor eine ganz besondere Herausforderung. Der Sinn für Ästhetik und Erfahrung ist hier von Vorteil. Die besonderen Schwierigkeiten ergeben sich aus dem Umstand, dass die meisten Schmuckstücke wie Spiegel reflektieren und was zunächst einmal nicht auffällt, wird nach der Entwicklung erst deutlich. Nichts ist unschöner, als wenn sich in einem Hochglanzring die Zimmerdecke oder der eigene Pullover spiegelt. Die Kunst besteht darin, das Funkeln und die richtigen Lichtreflexe einzufangen, ohne dabei das gesamte Bild bei einer geringen Belichtung zu dunkel werden zu lassen, denn diese Reflexe sind oftmals heller als weiß und lassen sich auf Papier, Film oder aber auf dem Monitor nicht darstellen.

Die Kamera spielt hier eine Bedeutende Rolle, da ausschließlich im Makro-Bereich gearbeitet wird. Dazu muss der Blitz abschaltbar sein, daher eignen sich vollautomatische Kameras für ein gutes Schmuckfoto nicht. Leider ist das Problem der Makrofotografie die Tiefenschärfe. Um dem entgegen zu wirken, muss man die Blendenöffnung sehr gering halten.  Bei ausreichendem Licht ist eine Belichtungszeit von 1/100 Sekunde und einer Blende von 16 optimal. Um mehr Schärfe zu bekommen, kann man auch bis 25 abblenden, sofern man auch das geeignete Makro- Objektiv dafür hat. Bei vollautomatischen Kameras kommt das Problem hinzu, dass der Autofokus unzureichend ist. Die Schärfe muss per Hand einstellbar sein. Das Arbeiten im RAW- Modus hat den Vorteil, dass man noch Bildkorrekturen vornehmen kann, ohne mit einem Qualitätsverlust rechnen zu müssen. Die Kamera wird sich allerdings fast immer in dem Objekt spiegeln und das kann man dann später mit einem Retusche- Verfahren erfolgreich beseitigen.

Strahlend blauer Himmel erscheint auf dem Foto grau

23. März 2009

So manches Urlaubsfoto ist später ein trauriger Anblick, wenn es die eigentliche Sommerstimmung gar nicht wieder gibt, sondern einen verwaschenen grauen Himmel zeigt. Dabei war die Ausgangssituation scheinbar perfekt. Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel – einfach ein toller Sommertag.

Um dies zu vermeiden, sollte man folgendes beachten:

  • Nicht um die Mittagszeit fotografieren, denn dann ist das Licht am härtesten. Besser das Fotografieren in die Morgen- oder Nachmittagstunden verlegen.
  • Die Lichtmessung nicht in schattigen Bereichen ausführen, dass führt zur Überbelichtung der helleren Bereiche, besonders des Himmels. Stattdessen die Kamera in einem Mittelwert einmessen lassen.
  • Die Verwendung eines Polfilters lässt die Farben kräftiger erscheinen. Ein blauer Himmel bleibt blau und das Grün der Pflanzen erhält ein frisches sattes Grün, statt eine graugrüne Färbung, wie es oft beim Fotografieren an hellen Tagen vorkommen kann.
  • Statt eines Polfilters kann auch ein blauer Farbverlaufsfilter zum Einsatz kommen. Ein Farbverlaufsfilter ist nicht komplett farbig eingefärbt, sondern wird von oben nach unten hin heller, so dass nur der obere Motivausschnitt, also der Himmel, blau eingefärbt wird.
  • Das was mit dem Farbverlaufsfilter möglich ist, kann auch nachträglich mit einem Bildbearbeitungsprogramm durchgeführt werden. Viele Bildbearbeitungsprogramme haben den Farbverlaufsfilter als Effekt-Tool.

Blätter

Lektion 4 – Belichtung

2. Februar 2009

Was erwartet sie in Lektion 4?

Lektion 3 hat Ihnen gezeigt, wie Sie über die Blende, die Verschlusszeit und deren Zusammenspiel, die Lichtmenge kontrollieren. Die entscheidende Frage ist aber doch, woher weiß man eigentlich die korrekte Lichtmenge?

Ziel dieser Lektion ist es daher, ihnen das Ermitteln der geeigneten Belichtung zu vermitteln. Sie werden eine Ihrer Hände benötigen (keine Angst, sie bleibt dran), eine Graukarte, vielleicht auch mal ein Histogramm und eventuell ein Blitzgerät.

Auch tagsüber sind alle Katzen grau!

Wenn es darum geht, die Lichtintensität zu messen, dann können Sie dafür natürlich ihre Kamera nutzen. Leider gibt es bei der Belichtungsmessung mittels Kamera ein ganz großes Problem, denn die liegt oft ganz falsch. Ein Herstellerfehler? Sollten Sie die Kamera umtauschen? Nein, die haben sich schon etwas dabei gedacht. Sie werden sehen- und verstehen!

Üblicherweise messen Kameras Licht, das von einer Szene oder Gegenstand reflektiert wird, durch die Linse (im englischen ist es TTL „Through The Lense). Allerdings benötigt der Lichtsensor, auf den das Licht, nachdem es durch das Objektiv gelangt ist, einen Referenzwert. Sonst fehlt die Information, ob das einfallende Licht hell bzw. dunkel bedeutet.

Dieser Referenzwert bezieht sich auf einen Grauton, der zwischen ganz weiß und schwarz liegt und der exakt 18 Prozent einer auffallenden Lichtmenge reflektiert.

Da das nun für die Kamera das Maß aller Dinge ist, diesen Mittelwert anzugeben, wird alles dazu in Relation gesetzt – mit drastischen Auswirkungen.

Betrachten Sie bitte einmal die beiden Fotos.
Karton: schwarz vs. weiß
Karton: schwarz vs. weiß

Können Sie mir sagen, welches davon das Foto von einem weißen bzw. schwarzen Karton ist? Verstehen Sie jetzt das Problem. Aufgrund der Eichung, wird jede, wirklich jede Kamera versuchen, ein Motiv auf diesen Mittelwert zu bringen und entsprechend eine Belichtung (Kombination aus Blende und Verschlusszeit) vorgeben.

Wenn man es weiß, kann man damit wunderbar arbeiten. Sie können sich, nein, Sie sollten sich eine Graukarte zulegen. Eine Graukarte ist meistens ein Karton, der mit einem Grauton beschichtet wurde, der eben genau die erwähnten 18% Licht reflektiert.

Bevor Sie nun den Auslöser betätigen, halten sie die Graukarte zwischen Motiv und Kamera und achten Sie darauf, dass die Karte im selben Lichtverhältnis wie das Motiv ist. Sie erhalten so eine Belichtungsmessung, mit der Sie optimal arbeiten können.

Alternativ geht auch Ihre Hand. Genauer gesagt die Handinnenfläche. Unabhängig von Hautfarbe oder Geschlecht, ist die Handinnenfläche der meisten Menschen cirka eine Blende heller als Grauton-Mittelwert. Messen Sie mit Ihrer Handinnenfläche und korrigieren Sie dann um eine Blende (Sie brauchen mehr Licht, denn die Hand macht der Kamera vor, es sei auch mehr Licht vorhanden).
Hand als Graukarte

Hand als Graukarte

HINWEIS: Wenn Sie bei der Belichtung ganz sicher gehen wollen, dann verwenden Sie Belichtungsreihen. Viele Kameras bieten diese Funktion, bei der die Kamera zusätzlich die nächsten Fotos über- bzw. unterbelichtet (je nachdem, was Sie vorgeben).

Es sollte keine Routine werden, aber bevor Sie eine schlecht belichtete Aufnahme von dem Ungeheuer von Loch Ness bei GEO einreichen, sicherlich eine gestattete Vorgehensweise.

Eigentlich können Sie alles als „Graukarte“ verwenden, Sie müssen sich lediglich merken, um wie viele Blenden Sie anschließend korrigieren müssen.

Blendenkorrektur

Blendenkorrektur

Anvisieren und Abdrücken!

Die überwiegende Zahl der Kameras bietet dem Fotografen drei Optionen, um die Belichtungsmessung vorzunehmen: Matrix, Mittenbetont, Spot. Schauen wir einmal, was sich dahinter verbirgt und warum es diese Drei gibt.

Matrix:

In dieser Einstellung berücksichtigt die Kamera nahezu das ganze Bildfeld.

Zu verwenden, wenn sich die Lichtbedingungen schnell ändern, die Farben sehr gemischt sind oder Sie ein Blitzgerät verwenden wollen.

Mittenbetont:

Auch hier wird das ganze Bildfeld vermessen, aber der Schwerpunkt wird auf den zentralen Bereich des Bildfeldes gelegt.

Am besten wird diese Variante verwendet, wenn das Motiv in diesem Messfeld liegt. Oft bei Porträtaufnahmen mit Blitzgerät. Aber ganz offen gesagt, finde ich das mittenbetonte Messen überflüssig und bevorzuge dann doch die Messung mit

Spot:

Die Kamera hat dabei einen zentralen kreisrunden Messbereich, der etwa 2-3% der Bildfläche ausmacht.

Wenn Sie nur einen ganz bestimmten Bereich Ihres Bildfeldes vermessen wollen, sollten Sie diese Variante wählen. Ideal, wenn Sie eine Graukarte messen oder einen sonstigen Mittelton, egal ob nah oder fern.

Messfelder im Vergleich

Messfelder im Vergleich

Messfelder im Foto

Messfelder im Foto

Histogramm oder schneller sein?

An für sich sind Histogramme, die nahezu schon ein Standard bei digitalen Kameras sind, eine feine Sache, denn sie zeigen die Belichtung eines Fotos.

Es gibt i.d.R. drei Bereiche und je nachdem, wie sich das Balkenhistogramm darstellt, kann man daraus ersehen, ob ein Bild über- oder unterbelichtet ist. Ein korrekt belichtetes Bild zeichnet sich dann dadurch aus, dass sich der „Hügel“ mittig des Histogramms, also zwischen den Schatten- und Lichterbereichen befindet. Sollte sich dieser Hügel zu sehr auf der Schattenseite (links) befinden, ist das Bild unterbelichtet. Bei einer Überbelichtung rückt der Hügel stark nach rechts, zur Lichterseite hin.

Die andere, traditionellere Variante, ist die Belichtungsskala. Striche und Plus-/Minuszeichen helfen einem, den richtigen Belichtungswert zu finden.

Histogramm

Histogramm

Bevor Sie sich aber mit den Balkenhistogrammen beschäftigen, lernen Sie lieber den sicheren Umgang mit der Belichtungsskala, denn diese hat mehrere Vorteile: Sie wird im Sucher eingeblendet, sie erkennen gleich, wie viel Blendenwerte sie vom Mittelton abweichen (können dann schnell korrigieren) und sie verbraucht weniger Strom, da Sie nicht, wie beim Histogramm, auf den LCD-Monitor angewiesen sind.

Zudem ist jedes Histogramm anders und für den Anfänger zu viel an Information. Nachher, für eine eventuelle Nachbearbeitung besser, aber eigentlich wollen wir ja nicht nur hinter dem Rechner sitzen …

Manchmal gibt es mehr als nur ein Weiß

Wer schon einmal versucht hat, eine Wand mit weißer Farbe unterschiedlicher Hersteller zu streichen, weiß, dass es nicht nur einen Weißton gibt. Um Farben realistischer darzustellen, bieten Digitalkameras eine Korrekturmöglichkeit durch den Weißabgleich.

Tageslicht, Kunstlicht und Blitz lassen jeweils Farben unterschiedlich wirken. So gab es z.B. spezielle Diafilme, die extra für Kunstlicht entwickelt worden waren, sonst hätten bei einem normalen Diafilm die Dias alle einen bräunlichen Farbstich gehabt.

Heute können Sie in ihrem Kameramenü die entsprechende Auswahl (Automatisch, Kunstlicht, Leuchtstofflampe, Direktes Sonnenlicht, Blitz, Bewölkter Himmel, Schatten) treffen.

Weißabgleiche

Weißabgleiche

HINWEIS: Mit einer Graukarte können Sie auch einen Weißabgleich vornehmen. Die Farbtemperaturen werden dabei exakter ermittelt, als z.B. mit einem weißen Blatt Papier, denn die enthalten oft Aufheller.

Segen und Fluch zugleich: Der Blitz

Einige Fotografen lehnen es kategorisch ab, andere wiederum möchten nicht mehr darauf verzichten. Die Rede ist von einem Blitzgerät.

Ich selbst versuche den Blitz so selten wie möglich einzusetzen, daher werde ich das Thema auch nur anschneiden. Ansonsten müsste ich wohl einen komplett neuen Kurs nur rund ums Blitzen entwickeln …

Der Segen ist sicherlich, dass Sie Ihre eigene Lichtquelle mit sich führen können (viele Kameramodelle haben ja sogar einen eingebauten Blitz). Sie sind sozusagen unabhängiger von dem natürlichen Licht. Aber der Fluch ist ganz häufig, dass Fotos, die mit einem Blitz aufgenommen wurden, nicht mehr natürlich wirken. Grelles Licht und zu starke Schlagschatten wirken nun mal nicht schön.

Die Kunst der Blitzfotografie ist es, ein Foto zu machen, auf dem der Blitzeinsatz nicht offensichtlich ist.

Jetzt muss man allerdings den führenden Herstellern von Blitzgeräten einräumen, dass sich sehr viel auf dem Sektor getan hat. Die eingebauten Blitze, als auch die externen Blitze sind so gut auf die Kameras abgestimmt, dass die lästige Rechnerei aus früheren Zeiten wegfällt.

Fliegenfischerporträt: mit/ohne Blitz

Fliegenfischerporträt: mit/ohne Blitz

HINWEIS: Wenn möglich, blitzen Sie ihr Motiv nie direkt von vorne an. Das Blitzlicht sollte das Umgebungslicht in seiner Helligkeit nicht übertreffen. Um harte Schatten zu vermeiden, versuchen Sie mit Diffusern zu arbeiten (Kunststoffabdeckungen, die auf den Blitzreflektor gesteckt werden) oder indirekt zu belichten (z.B. den Blitzreflektor so neigen, dass er erst gegen eine größere Fläche blitzt).

Holzfiguren: Belichtungsvarianten

Holzfiguren: Belichtungsvarianten

Holzfiguren: Belichtungsvarianten

Holzfiguren: Belichtungsvarianten

Jetzt Sie! – Aufgaben

Machen Sie mehrere Aufnahmen von einem Motiv, wobei Sie sich zuerst auf die Matrix-, Integral- und Spotmessung verlassen. Anschließend nutzen sie eine Graukarte oder ihre Hand, um die korrekte Belichtung zu ermitteln.

Erstellen Sie eine Belichtungsreihe, bei der Sie von der eigentlichen Messung (mit Graukarte o.ä.) um 0.5 Blendenwerte nach oben und unten abweichen. Gefallen Ihnen die unter- bzw. überbelichteten Fotos evtl. besser?

Um ein wenig mit der „Weiß-Balance“ vertrauter zu werden, nehmen Sie ein weißes Objekt und fotografieren es unter den verschiedensten Lichtbedingungen (Glühlampe, Neonlicht, Tageslicht, Schatten etc.). Probieren Sie auch die Einstellungen für den Weißabgleich ihrer Kamera aus, indem Sie bei gegebener Lichtquelle die WB-Einstellungen an ihrer Kamera ändern (siehe Beispiel mit der Gummiente).

Lektion 3 – Belichtung

Lektion 5 – Objektive

Fotokurs zum Download

Lektion 3 – Belichtung

29. Januar 2009

Was erwartet sie in Lektion 3?

Die ersten beiden Lektionen haben Sie mit der Komposition eines Bildes vertraut gemacht und wie Sie an die Motivsuche herangehen. Für die optimale Umsetzung in ein gelungenes Bild fehlt nur noch die korrekte Belichtung.

Wie viel Licht auf den Sensor gelangt, bestimmen Sie durch wenige Parameter, die ich ihnen hier vorstellen möchte und vor allem deren Zusammenhänge. Ihnen werden die Begriffe Blende, Verschluss oder auch Tiefenschärfe begegnen und noch viel besser – am Ende wissen sie was sich dahinter verbirgt. Mehr noch, sie werden das neu erworbene Wissen gezielt einsetzen können. Bestimmt!

Es ward Licht – doch sie kontrollieren es!

Eigentlich ist Fotografieren ganz, ganz einfach. Zumindest die Physik dahinter. Hat er wirklich Physik gesagt? Hat er, aber kein Grund feuchte Hände zu bekommen. Ich werde Sie nicht mit physikalischen Gesetzen foltern, aber einige grundlegende Zusammenhänge sollten Sie schon verinnerlichen.

In der ersten Grafik ist schematisch der Weg des Lichtes durch das Objektiv auf den Sensor dargestellt. Bevor das Licht aber auf den Sensor trifft, muss es zwei „Kontrollposten“ passieren: Die Blende und den Kameraverschluss.

Lichtweg

Die Blende (in der Grafik rot) ist ein aus Lamellen bestehender Ringverschluss und befindet sich oft am unteren Teil eines Objektivs. Die (meist) 8 Lamellen sind so angeordnet, dass sie eine runde Öffnung ergeben. Wie groß der Durchmesser dieser Öffnung ist, wird durch Drehen am Blendenring bestimmt.

HINWEIS: Einige Objektive, wie z.B. die „G“-Serie von Nikon, besitzen keinen Blendenring mehr und die Blende wird nur noch durch Drehräder am Kameragehäuse eingestellt!

Der Kameraverschluss (in der Grafik grün) ist das zweite Hindernis für das Licht. Dieser Verschluss besteht ebenfalls aus Lamellen und bildet einen kleinen Vorhang vor dem Sensor. Die Verschlusszeiten, also wie lange der Vorhang vor dem Sensor weggezogen bleibt, stellen sie am Kameragehäuse ein.

Durch die Blende und die Verschlusszeit haben Sie die volle Kontrolle über das einfallende Licht. Durch das Verstellen der Blende bestimmen sie die Lichtmenge, die durchgelassen wird. Machen sie die Blendenöffnung weit auf, kann viel Licht einfallen und umgekehrt.
Mit der Verschlusszeit legen sie nun auch noch fest, wie lange eine bestimmte Menge an Licht auf den Sensor treffen soll. Mehr steckt da nun wirklich nicht hinter. Ok, ein bisschen mehr schon, aber dazu kommen wir später noch mal.

Was sagen mir die Zahlen?

Ohne Zahlen geht es nun mal nicht und ehrlich gesagt, machen sie vieles ja auch einfacher. Nehmen wir einmal die Blendenzahlen, die entweder auf dem Objektiv stehen oder zumindest im Kameradisplay angezeigt werden. Wie ätzend wäre es, wenn sie jedes Mal, um die Blendenöffnung zu kontrollieren, das Objektiv abnehmen müssten? Klar, würde kein Mensch machen und wir haben ja die Zahlen.

Im Englischen spricht man auch von f-Stops, denn die Blendenzahl oder auch Blendenwert steht im direkten Verhältnis zur Brennweite des Objektivs (Psst – sollte der Physikunterricht auch Sie nicht beim Schlafen gestört haben: das kleine „f“ steht für Brennweite).

Der Blendenwert ist das Verhältnis zwischen der Brennweite (f) eines Objektivs und dem Durchmesser der Blendenöffnung. Ich mache es mal anschaulicher: Nehmen wir an Sie haben ein Objektiv auf dem 200 mm steht (die Brennweite). Dann ist das die Entfernung vom Sensor zur Linse, wenn auf Unendlich fokussiert wurde. Dabei gehe ich von einer Festbrennweite aus und nicht von einem Zoom-Objektiv. Und es gibt Ausnahmen, aber ich will hier nicht zu technisch werden, bevor Sie mir noch mit dem Kopf auf die Tastatur fallen.

Wenn jetzt der Durchmesser der Blendenöffnung z.B. 50 mm beträgt und Sie nicht in der Zwischenzeit das Objektiv gewechselt haben, dann ergibt 200 geteilt durch 50 gleich 4. Eine Blendenöffnung von 50 mm ist schon recht weit offen und lässt viel Licht durch. Der Blendenwert dazu ist f/4.

Blendenöffnungen im Vergleich

Blendenöffnungen im Vergleich


Anderes Beispiel gefällig? Dasselbe 200er-Objektiv, aber ein Durchmesser von nur noch 6,25 mm (wenig Licht wird durchgelassen). Die dazugehörige Blende ist also f/32.
Aus diesem Beispiel können sie sich auch gleich eine Faustregel ableiten und merken:

Je größer der Blendenwert, desto weniger Licht wird durchgelassen!

Eine typische Blendenwertreihe kann wie folgt aussehen: f/1.4, f/2, f/2.8, f/4, f/5.6, f/8, f/11, f/16, f/22, f/32, wobei diese Reihe so aufgebaut ist, dass sich die Menge des Lichts um das Zweifache ändert, wenn die Blende um einen Wert verstellt wird.

Stellen Sie also Ihre Blende an dem 200er-Objektiv von sagen wir f/4 (50 mm) auf f/5.6 (35.7 mm), so wird nur noch die Hälfte der ursprünglichen Lichtmenge durchgelassen. Hierbei spricht der Fotograf vom „Abblenden“, wenn die Blendenöffnung verkleinert wird.

Stellen sie ihre Blende allerdings von f/4 (50 mm) auf f/2.8 (71.4 mm) ein, dann wird die doppelte Lichtmenge durchgelassen.

Jetzt wird der aufmerksame Leser vielleicht bei sich denken – hä? Die Hälfte von 50mm ist doch 25 mm und nicht 35.7 mm. Sie haben ganz Recht. Hat mich anfänglich auch immer irritiert, aber die Lösung liegt in der Fläche der Öffnung und nicht in deren Durchmesser! Wollten wir die einfallenden Lichtmengen berechnen, müssten wir die Werte der Flächen der Blendenöffnungen berücksichtigen, welche sich zum Quadrat ändern. Ah, ja… Überlassen sie diese Tatsache einfach den Mathematikern, Sie wollen ja auch nicht Rechnen, sondern gute Fotos machen.

Es mag auch auf den ersten Blick verwirrend sein, dass größere Zahlen weniger Licht bedeuten, aber man gewöhnt sich schnell daran. Ich, als bekennender Rechenschwächling, konnte es, dann schaffen Sie es auch!
Blendenzahlen

Blendenzahlen
HINWEIS: Mittlerweile kann man an den Kameras auch Blendenwerte einstellen, die zwischen den oben genannten liegen (z.B. f/2.8, f/3.2, f/3.5, f/4, f/4.5, f/5, f/5.6, f/6.3, f/7.1, f/8, […], f/32). Dieses ermöglicht eine noch feinere Kontrolle über die Lichtmenge.

Vorhang auf!

Kommen wir zum Kameraverschluss bzw. den Verschlusszeiten. Hier gibt es zum Glück nicht viel zu verstehen. Stellen sie die Verschlusszeit auf eine Sekunde ein, dann wird sich der Vorhang für eine Sekunde nicht vor dem Sensor befinden und Licht trifft für diese Zeit ungehindert auf. Stellen sie eine Tausendstelsekunde (1/1000) ein, verkürzt sich die Zeit entsprechend.

Verstellen sie die Verschlusszeit z.B. von 1/2 Sekunde auf 1/4 Sekunde, wird die Lichtmenge halbiert. Stellen sie von 1/2 Sekunde auf 1 Sekunde, so wird die Lichtmenge verdoppelt. Fertig! Das war einfach.

Verschlusszeiten

Verschlusszeiten

Doppelte Lichtkontrolle

Jetzt haben Sie den spannenden Teil erreicht, denn nun folgt der Zusammenhang zwischen Blendenwert und Verschlusszeit.

Angenommen Sie haben die Blende f/4 und eine Verschlusszeit von 1/500 Sekunde eingestellt. Jetzt wollen sie aber viel lieber die Blende f/5.6 nutzen. Warum ist an dieser Stelle vollkommen egal, einfach mal mitspielen. Durch das Abblenden reduzieren sie ja nun die Lichtmenge. Was sollten sie tun, wenn sie aber weiterhin wollen, dass die gleiche Menge an Licht auf den Sensor trifft? Nein, keine weiteren Hilfsmittel oder sonstige Veränderungen der äußeren Parameter werden genehmigt. Genau, sie ändern die Verschlusszeit, so dass nun länger Licht auf den Sensor fallen kann. Da hier die Blende um einen Wert geändert wurde und daher nur noch die halbe Menge an Licht einfällt, verlängern sie entsprechend die Verschlusszeit von 1/500 Sekunde auf 1/250 Sekunde.

Ich denke, sie ahnen schon, worauf das hier hinausläuft. Die Grafik 3c verdeutlicht noch mal den Zusammenhang von Blende und Verschlusszeit.

Blende vs. Zeit
Blende vs. Zeit

Wo Licht, da Schärfe – Schärfentiefe

Mit verschiedenen Blenden-Zeit-Kombinationen können Sie jeweils die gleiche Menge Licht durchlassen. Wäre es dann aber nicht das Unkomplizierteste zu sagen, dass viel Licht immer gut ist und daher wählt man stets eine weit geöffnete Blende (f/2, f/2.8 oder eben die größtmöglichste Blende, die das Objektiv bietet)? Zudem dann auch die Verschlusszeiten sich verkürzen und die Gefahr vor Verwacklungen ebenfalls verringert wird. Leider funktioniert es so nicht.

Ich hatte ja schon weiter oben angedeutet, dass hinter der Blendenfunktion ein wenig mehr steckt, als nur die Lichtkontrolle. Über die Blende bestimmen Sie nämlich eine weitere sehr wichtige Sache: Die Tiefe der Schärfe.

Was soll das sein? Wenn sie mit ihrem Objektiv auf einen Gegenstand fokussieren – ihn „Scharfstellen“ – dann wird alles, was sich in selber Entfernung zum Objektiv befindet, ebenfalls scharf erscheinen. Gegenstände die sich jedoch näher oder weiter entfernt befinden, erscheinen zunehmend unschärfer. Dieser Bereich von Schärfe und dessen Größe bzw. Tiefe wird Schärfentiefe genannt.
grafik_3d

Schärfentiefebereich

Und das ist die Crux an der ganzen Geschichte: Wenn Sie mehr Licht haben wollen, können sie aufblenden, aber dabei geht gleichzeitig Schärfentiefe verloren und manchmal ist es sehr wichtig, diese Schärfentiefe zu haben.

Die Schärfentiefe kann man vorab schon überprüfen, indem man die Abblendtaste betätigt. Dann erscheint im Sucher das Bild genau so, wie es nachher auf dem Sensor festgehalten wird. Allerdings wird sich das Sucherbild verdunkeln, wenn man Blendenwerte größer als f/11 verwendet.

Schärfentiefeserie: Buchenblätter

Schärfentiefeserie: Buchenblätter

Schärfentiefe: Buchenblätter gering vs. groß

Schärfentiefe: Buchenblätter gering vs. groß

HINWEIS: Wenn sie nicht die maximale Schärfentiefe oder eine sehr schnelle Verschlusszeit benötigen, verwenden sie Blendenwerte um f/8 bzw. f/11. Denn die Physik von Objektiven besagt, dass bei den mittleren Blendenwerten die schärfsten Gesamtfotos entstehen.

Ja, natürlich, Sie nutzen schlichtweg längere Verschlusszeiten, um das zu kompensieren, aber oftmals erhalten Sie dann Zeiten, die viel zu lang sind, als das man sie verwacklungsfrei nutzen könnte. Darauf komme ich in einer späteren Lektion auch noch mal zurück. Versprochen.

Halt! Stehen bleiben!

Eine letzte Sache noch, bevor die Lektion endet. Sie schaffen das kleine Stück auch. Seien sie tapfer!

Die Verschlusszeiten lassen gewisse Gestaltungsmöglichkeiten zu, speziell wenn man Bewegungen bzw. Gegenstände in Bewegung fotografiert.

Einmal angenommen, sie besuchen eine Sportveranstaltung und möchten Fotos machen. Besonders die Läufer faszinieren sie. Alles ist eingestellt und sie beginnen, die ersten Fotos zu machen. Kurzer Blick auf das Display und müssen feststellen, dass alle Bilder unscharf sind, zumindest die Läufer. Woran liegt´s?

Sehr wahrscheinlich ist die Verschlusszeit nicht kurz genug. Wirklich schnelle Läufer schaffen über 30 km/h. Das ist sehr schnell. Wenn sie von so einem Läufer ein Bild möchten, auf dem der Läufer selbst scharf zu sehen ist, dann müssen sie seine Bewegung „einfrieren“. Verschlusszeiten kürzer als 1/250 Sekunde werden erforderlich.

Andererseits kann eine gewisse Bewegungsunschärfe aber eben genau dieses Gefühl von Geschwindigkeit vermitteln. Ob Sie nun eine scharfe Aufnahme eines flüchtigen Moments erstellen oder durch leichte Unschärfe Bewegung suggerieren wollen, hängt alleine von Ihrer Intention und Kreativität ab.

Bewegungseinfrierung
Bewegungseinfrierung: Wasserhahn
Bewegungseinfrierung: Wasserhahn

Bewegung: Sportler
Bewegung: Sportler

Jetzt Sie! – Aufgaben

Machen Sie ihre eigene Bildserie, bei der sie zunächst nur die Blende verändern und die Verschlusszeit konstant halten. Anschließend entscheiden Sie sich für eine Blende und verändern nur die Zeit. Achten Sie bei der Veränderung der Blendenwerte darauf, wie sich evtl. der Hintergrund verändert.

Machen Sie drei Fotos, bei denen Sie jeweils die Veränderung der Blende durch die entsprechende Verschlusszeit kompensieren. Wenn Sie also z.B. mit der Kombination f/2.0 und 1/500 Sekunde anfangen, könnten die nächsten beiden Fotos z.B. mit den Kombinationen f/4 und 1/125 Sekunde und f/11 und 1/15 Sekunde gemacht werden. Wichtig ist, dass die Werte möglichst weit auseinander liegen. Alle drei Bilder sollten aber die gleiche Belichtung haben. Ist die Bildwirkung aber immer dieselbe?

Versuchen Sie selbst einmal Bewegung festzuhalten. Ob Sie dabei die Bewegung ganz einfrieren oder sich für das Mitschwenken entscheiden, sei dabei Ihnen überlassen. Im Gegenzug dazu können Sie eine Aufnahme machen, bei der eine längere Verschlusszeit für einen kreativen Effekt sorgt.

Lektion 2 – Sehen lernen

Lektion 4 – Belichtung

Fotokurs zum Download