Lektion 3 – Belichtung

29. Januar 2009

Was erwartet sie in Lektion 3?

Die ersten beiden Lektionen haben Sie mit der Komposition eines Bildes vertraut gemacht und wie Sie an die Motivsuche herangehen. Für die optimale Umsetzung in ein gelungenes Bild fehlt nur noch die korrekte Belichtung.

Wie viel Licht auf den Sensor gelangt, bestimmen Sie durch wenige Parameter, die ich ihnen hier vorstellen möchte und vor allem deren Zusammenhänge. Ihnen werden die Begriffe Blende, Verschluss oder auch Tiefenschärfe begegnen und noch viel besser – am Ende wissen sie was sich dahinter verbirgt. Mehr noch, sie werden das neu erworbene Wissen gezielt einsetzen können. Bestimmt!

Es ward Licht – doch sie kontrollieren es!

Eigentlich ist Fotografieren ganz, ganz einfach. Zumindest die Physik dahinter. Hat er wirklich Physik gesagt? Hat er, aber kein Grund feuchte Hände zu bekommen. Ich werde Sie nicht mit physikalischen Gesetzen foltern, aber einige grundlegende Zusammenhänge sollten Sie schon verinnerlichen.

In der ersten Grafik ist schematisch der Weg des Lichtes durch das Objektiv auf den Sensor dargestellt. Bevor das Licht aber auf den Sensor trifft, muss es zwei „Kontrollposten“ passieren: Die Blende und den Kameraverschluss.

Lichtweg

Die Blende (in der Grafik rot) ist ein aus Lamellen bestehender Ringverschluss und befindet sich oft am unteren Teil eines Objektivs. Die (meist) 8 Lamellen sind so angeordnet, dass sie eine runde Öffnung ergeben. Wie groß der Durchmesser dieser Öffnung ist, wird durch Drehen am Blendenring bestimmt.

HINWEIS: Einige Objektive, wie z.B. die „G“-Serie von Nikon, besitzen keinen Blendenring mehr und die Blende wird nur noch durch Drehräder am Kameragehäuse eingestellt!

Der Kameraverschluss (in der Grafik grün) ist das zweite Hindernis für das Licht. Dieser Verschluss besteht ebenfalls aus Lamellen und bildet einen kleinen Vorhang vor dem Sensor. Die Verschlusszeiten, also wie lange der Vorhang vor dem Sensor weggezogen bleibt, stellen sie am Kameragehäuse ein.

Durch die Blende und die Verschlusszeit haben Sie die volle Kontrolle über das einfallende Licht. Durch das Verstellen der Blende bestimmen sie die Lichtmenge, die durchgelassen wird. Machen sie die Blendenöffnung weit auf, kann viel Licht einfallen und umgekehrt.
Mit der Verschlusszeit legen sie nun auch noch fest, wie lange eine bestimmte Menge an Licht auf den Sensor treffen soll. Mehr steckt da nun wirklich nicht hinter. Ok, ein bisschen mehr schon, aber dazu kommen wir später noch mal.

Was sagen mir die Zahlen?

Ohne Zahlen geht es nun mal nicht und ehrlich gesagt, machen sie vieles ja auch einfacher. Nehmen wir einmal die Blendenzahlen, die entweder auf dem Objektiv stehen oder zumindest im Kameradisplay angezeigt werden. Wie ätzend wäre es, wenn sie jedes Mal, um die Blendenöffnung zu kontrollieren, das Objektiv abnehmen müssten? Klar, würde kein Mensch machen und wir haben ja die Zahlen.

Im Englischen spricht man auch von f-Stops, denn die Blendenzahl oder auch Blendenwert steht im direkten Verhältnis zur Brennweite des Objektivs (Psst – sollte der Physikunterricht auch Sie nicht beim Schlafen gestört haben: das kleine „f“ steht für Brennweite).

Der Blendenwert ist das Verhältnis zwischen der Brennweite (f) eines Objektivs und dem Durchmesser der Blendenöffnung. Ich mache es mal anschaulicher: Nehmen wir an Sie haben ein Objektiv auf dem 200 mm steht (die Brennweite). Dann ist das die Entfernung vom Sensor zur Linse, wenn auf Unendlich fokussiert wurde. Dabei gehe ich von einer Festbrennweite aus und nicht von einem Zoom-Objektiv. Und es gibt Ausnahmen, aber ich will hier nicht zu technisch werden, bevor Sie mir noch mit dem Kopf auf die Tastatur fallen.

Wenn jetzt der Durchmesser der Blendenöffnung z.B. 50 mm beträgt und Sie nicht in der Zwischenzeit das Objektiv gewechselt haben, dann ergibt 200 geteilt durch 50 gleich 4. Eine Blendenöffnung von 50 mm ist schon recht weit offen und lässt viel Licht durch. Der Blendenwert dazu ist f/4.

Blendenöffnungen im Vergleich

Blendenöffnungen im Vergleich


Anderes Beispiel gefällig? Dasselbe 200er-Objektiv, aber ein Durchmesser von nur noch 6,25 mm (wenig Licht wird durchgelassen). Die dazugehörige Blende ist also f/32.
Aus diesem Beispiel können sie sich auch gleich eine Faustregel ableiten und merken:

Je größer der Blendenwert, desto weniger Licht wird durchgelassen!

Eine typische Blendenwertreihe kann wie folgt aussehen: f/1.4, f/2, f/2.8, f/4, f/5.6, f/8, f/11, f/16, f/22, f/32, wobei diese Reihe so aufgebaut ist, dass sich die Menge des Lichts um das Zweifache ändert, wenn die Blende um einen Wert verstellt wird.

Stellen Sie also Ihre Blende an dem 200er-Objektiv von sagen wir f/4 (50 mm) auf f/5.6 (35.7 mm), so wird nur noch die Hälfte der ursprünglichen Lichtmenge durchgelassen. Hierbei spricht der Fotograf vom „Abblenden“, wenn die Blendenöffnung verkleinert wird.

Stellen sie ihre Blende allerdings von f/4 (50 mm) auf f/2.8 (71.4 mm) ein, dann wird die doppelte Lichtmenge durchgelassen.

Jetzt wird der aufmerksame Leser vielleicht bei sich denken – hä? Die Hälfte von 50mm ist doch 25 mm und nicht 35.7 mm. Sie haben ganz Recht. Hat mich anfänglich auch immer irritiert, aber die Lösung liegt in der Fläche der Öffnung und nicht in deren Durchmesser! Wollten wir die einfallenden Lichtmengen berechnen, müssten wir die Werte der Flächen der Blendenöffnungen berücksichtigen, welche sich zum Quadrat ändern. Ah, ja… Überlassen sie diese Tatsache einfach den Mathematikern, Sie wollen ja auch nicht Rechnen, sondern gute Fotos machen.

Es mag auch auf den ersten Blick verwirrend sein, dass größere Zahlen weniger Licht bedeuten, aber man gewöhnt sich schnell daran. Ich, als bekennender Rechenschwächling, konnte es, dann schaffen Sie es auch!
Blendenzahlen

Blendenzahlen
HINWEIS: Mittlerweile kann man an den Kameras auch Blendenwerte einstellen, die zwischen den oben genannten liegen (z.B. f/2.8, f/3.2, f/3.5, f/4, f/4.5, f/5, f/5.6, f/6.3, f/7.1, f/8, […], f/32). Dieses ermöglicht eine noch feinere Kontrolle über die Lichtmenge.

Vorhang auf!

Kommen wir zum Kameraverschluss bzw. den Verschlusszeiten. Hier gibt es zum Glück nicht viel zu verstehen. Stellen sie die Verschlusszeit auf eine Sekunde ein, dann wird sich der Vorhang für eine Sekunde nicht vor dem Sensor befinden und Licht trifft für diese Zeit ungehindert auf. Stellen sie eine Tausendstelsekunde (1/1000) ein, verkürzt sich die Zeit entsprechend.

Verstellen sie die Verschlusszeit z.B. von 1/2 Sekunde auf 1/4 Sekunde, wird die Lichtmenge halbiert. Stellen sie von 1/2 Sekunde auf 1 Sekunde, so wird die Lichtmenge verdoppelt. Fertig! Das war einfach.

Verschlusszeiten

Verschlusszeiten

Doppelte Lichtkontrolle

Jetzt haben Sie den spannenden Teil erreicht, denn nun folgt der Zusammenhang zwischen Blendenwert und Verschlusszeit.

Angenommen Sie haben die Blende f/4 und eine Verschlusszeit von 1/500 Sekunde eingestellt. Jetzt wollen sie aber viel lieber die Blende f/5.6 nutzen. Warum ist an dieser Stelle vollkommen egal, einfach mal mitspielen. Durch das Abblenden reduzieren sie ja nun die Lichtmenge. Was sollten sie tun, wenn sie aber weiterhin wollen, dass die gleiche Menge an Licht auf den Sensor trifft? Nein, keine weiteren Hilfsmittel oder sonstige Veränderungen der äußeren Parameter werden genehmigt. Genau, sie ändern die Verschlusszeit, so dass nun länger Licht auf den Sensor fallen kann. Da hier die Blende um einen Wert geändert wurde und daher nur noch die halbe Menge an Licht einfällt, verlängern sie entsprechend die Verschlusszeit von 1/500 Sekunde auf 1/250 Sekunde.

Ich denke, sie ahnen schon, worauf das hier hinausläuft. Die Grafik 3c verdeutlicht noch mal den Zusammenhang von Blende und Verschlusszeit.

Blende vs. Zeit
Blende vs. Zeit

Wo Licht, da Schärfe – Schärfentiefe

Mit verschiedenen Blenden-Zeit-Kombinationen können Sie jeweils die gleiche Menge Licht durchlassen. Wäre es dann aber nicht das Unkomplizierteste zu sagen, dass viel Licht immer gut ist und daher wählt man stets eine weit geöffnete Blende (f/2, f/2.8 oder eben die größtmöglichste Blende, die das Objektiv bietet)? Zudem dann auch die Verschlusszeiten sich verkürzen und die Gefahr vor Verwacklungen ebenfalls verringert wird. Leider funktioniert es so nicht.

Ich hatte ja schon weiter oben angedeutet, dass hinter der Blendenfunktion ein wenig mehr steckt, als nur die Lichtkontrolle. Über die Blende bestimmen Sie nämlich eine weitere sehr wichtige Sache: Die Tiefe der Schärfe.

Was soll das sein? Wenn sie mit ihrem Objektiv auf einen Gegenstand fokussieren – ihn „Scharfstellen“ – dann wird alles, was sich in selber Entfernung zum Objektiv befindet, ebenfalls scharf erscheinen. Gegenstände die sich jedoch näher oder weiter entfernt befinden, erscheinen zunehmend unschärfer. Dieser Bereich von Schärfe und dessen Größe bzw. Tiefe wird Schärfentiefe genannt.
grafik_3d

Schärfentiefebereich

Und das ist die Crux an der ganzen Geschichte: Wenn Sie mehr Licht haben wollen, können sie aufblenden, aber dabei geht gleichzeitig Schärfentiefe verloren und manchmal ist es sehr wichtig, diese Schärfentiefe zu haben.

Die Schärfentiefe kann man vorab schon überprüfen, indem man die Abblendtaste betätigt. Dann erscheint im Sucher das Bild genau so, wie es nachher auf dem Sensor festgehalten wird. Allerdings wird sich das Sucherbild verdunkeln, wenn man Blendenwerte größer als f/11 verwendet.

Schärfentiefeserie: Buchenblätter

Schärfentiefeserie: Buchenblätter

Schärfentiefe: Buchenblätter gering vs. groß

Schärfentiefe: Buchenblätter gering vs. groß

HINWEIS: Wenn sie nicht die maximale Schärfentiefe oder eine sehr schnelle Verschlusszeit benötigen, verwenden sie Blendenwerte um f/8 bzw. f/11. Denn die Physik von Objektiven besagt, dass bei den mittleren Blendenwerten die schärfsten Gesamtfotos entstehen.

Ja, natürlich, Sie nutzen schlichtweg längere Verschlusszeiten, um das zu kompensieren, aber oftmals erhalten Sie dann Zeiten, die viel zu lang sind, als das man sie verwacklungsfrei nutzen könnte. Darauf komme ich in einer späteren Lektion auch noch mal zurück. Versprochen.

Halt! Stehen bleiben!

Eine letzte Sache noch, bevor die Lektion endet. Sie schaffen das kleine Stück auch. Seien sie tapfer!

Die Verschlusszeiten lassen gewisse Gestaltungsmöglichkeiten zu, speziell wenn man Bewegungen bzw. Gegenstände in Bewegung fotografiert.

Einmal angenommen, sie besuchen eine Sportveranstaltung und möchten Fotos machen. Besonders die Läufer faszinieren sie. Alles ist eingestellt und sie beginnen, die ersten Fotos zu machen. Kurzer Blick auf das Display und müssen feststellen, dass alle Bilder unscharf sind, zumindest die Läufer. Woran liegt´s?

Sehr wahrscheinlich ist die Verschlusszeit nicht kurz genug. Wirklich schnelle Läufer schaffen über 30 km/h. Das ist sehr schnell. Wenn sie von so einem Läufer ein Bild möchten, auf dem der Läufer selbst scharf zu sehen ist, dann müssen sie seine Bewegung „einfrieren“. Verschlusszeiten kürzer als 1/250 Sekunde werden erforderlich.

Andererseits kann eine gewisse Bewegungsunschärfe aber eben genau dieses Gefühl von Geschwindigkeit vermitteln. Ob Sie nun eine scharfe Aufnahme eines flüchtigen Moments erstellen oder durch leichte Unschärfe Bewegung suggerieren wollen, hängt alleine von Ihrer Intention und Kreativität ab.

Bewegungseinfrierung
Bewegungseinfrierung: Wasserhahn
Bewegungseinfrierung: Wasserhahn

Bewegung: Sportler
Bewegung: Sportler

Jetzt Sie! – Aufgaben

Machen Sie ihre eigene Bildserie, bei der sie zunächst nur die Blende verändern und die Verschlusszeit konstant halten. Anschließend entscheiden Sie sich für eine Blende und verändern nur die Zeit. Achten Sie bei der Veränderung der Blendenwerte darauf, wie sich evtl. der Hintergrund verändert.

Machen Sie drei Fotos, bei denen Sie jeweils die Veränderung der Blende durch die entsprechende Verschlusszeit kompensieren. Wenn Sie also z.B. mit der Kombination f/2.0 und 1/500 Sekunde anfangen, könnten die nächsten beiden Fotos z.B. mit den Kombinationen f/4 und 1/125 Sekunde und f/11 und 1/15 Sekunde gemacht werden. Wichtig ist, dass die Werte möglichst weit auseinander liegen. Alle drei Bilder sollten aber die gleiche Belichtung haben. Ist die Bildwirkung aber immer dieselbe?

Versuchen Sie selbst einmal Bewegung festzuhalten. Ob Sie dabei die Bewegung ganz einfrieren oder sich für das Mitschwenken entscheiden, sei dabei Ihnen überlassen. Im Gegenzug dazu können Sie eine Aufnahme machen, bei der eine längere Verschlusszeit für einen kreativen Effekt sorgt.

Lektion 2 – Sehen lernen

Lektion 4 – Belichtung

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Lektion 2 – Sehen lernen

21. Januar 2009

Was erwartet sie in Lektion 2?

Die grundlegende Idee der Bildkomposition kennen sie aus der vorangegangenen Lektion. Allerdings ist das nur die halbe Miete, auf dem Weg zum guten Foto. Sie müssen natürlich noch ein Motiv finden, mit dem sie überhaupt anfangen können zu komponieren. Die erfolgreiche Suche dürfte das Schwierigste sein und trennt, gerade im Profibereich, die Spreu vom Weizen.

Diese Lektion steht voll und ganz im Zeichen der Frage: Wie finde ich ein interessantes Motiv?

Das Auge des Fotografen

Eine Bildkomposition beginnt bei dem Motiv. Aber eines zu finden, ist leichter gesagt als getan bzw. das gefundene Motiv so abzulichten, dass es den Betrachter anzieht.

Bei meinen ersten fotografischen Schritten war ich selbst auch noch sehr unbeholfen. Jedes mal, wenn die Dias aus dem Labor kamen, folgte eine Enttäuschung: Das war nicht so, wie ich es gesehen hatte. Was war hier falsch?

Ganz häufig, wenn wir irgendwo unterwegs sind, sehen wir etwas und denken spontan: Das sieht toll aus! Gesagt und weiter gegangen. Aber wenn sie festhalten möchten, was sie so angesprochen hat, dann bedarf es ein wenig Überlegung.

Meine Fotos wurden besser, als ich anfing, mir jedes Mal eine zentrale Frage zu stellen (habe ich mir von einem Naturfotografen abgeguckt):

Was macht den Gegenstand oder die Szene besonders? Was ist das Besondere?

Ich versuche das einmal an einem Beispiel zu verdeutlichen, aber glauben sie mir, das „Auge des Fotografen“ kommt nicht einfach über Nacht. Es ist – wieder einmal – ein Lernprozess.

Nehmen wir einmal Blumen. Blumen sind schön! Sie ziehen die Kameras magnetisch an und rufen durch ihr Aussehen förmlich: Los – fotografiere mich! Schaut man sich auch einmal in den diversen Fotoforen um, findet man immer wieder Blumen (gerade, wo ich diese Zeilen tippe, nehme ich ein aktuelles Fotomagazin und sehe mir die Gewinner eines Fotowettbewerbs an. Und, was glauben sie, welches war ein oft vertretenes Motiv?).

Anhand von einem Blumenmotiv möchte ich ihnen eine erste Regel für einen besseren fotografischen Blickwinkel nahe bringen:

Machen sie einfach(e) Bilder!

Eine gute Bildkomposition benötigt ein deutliches Motiv, ein klares Thema bzw. ein zentrales Objekt.

Ein nicht vorhandenes, herausgearbeitetes Motiv wirkt kaum auf den Betrachter und er wird sich fragen, warum dieses Foto überhaupt gemacht wurde. Wenn sie nicht wissen, was sie an einem Objekt interessiert hat, werden es sie es auch nicht vermitteln können. Aber ich wollte ja konkreter werden …

Bei mir um die Ecke gibt es eine kleine Parkanlage, wo sich auch ein noch kleiner Garten befindet. Ich hatte kein spezielles Thema im Kopf, sondern wollte mich einfach von dem überraschen lassen, was ich dort evtl. vorfinde.

Mir fielen bei meinem Rundgang schnell die rosa-lilafarbenen Blumen ins Auge. Durch den leicht bewölkten Himmel schienen ihre Farben noch intensiver. In der ersten Lektion ging es nur um den Unterschied zwischen Schnappschuss und Fotografie. Hier gehen wir jetzt einen Schritt weiter.

Lila Blumen
Lila Blumen: Schnappschuss vs. Fotografie

Zuerst ging es mir um die Blumen als Gruppe und habe sie auch als solche fotografiert. Als ich jedoch die Fotosachen wieder in den Rucksack packen wollte und ich am Boden kniete, sah ich diese einzelne Blüte, die nicht so hoch gewachsen war, wie die anderen. Auch wenn die Blumengruppe einen ersten netten Eindruck hinterließ, so wollte ich doch diese einzelne Blüte stärker betonen und ihre Isoliertheit hervorheben.

Daher habe ich bewusst einen Blickwinkel gewählt, der die Blüte umgeben von vielem anderen „Grünzeug“ zeigt.

Lila Blüte
Lila Blüte

Nehmen sie sich Zeit. Noch mehr …

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Oder, wie in diesem Beispiel, ein kleines Detail.

Verweilen wir noch ein wenig in diesem Garten und sehen als nächstes schöne weiße Rosen. Zuerst gefiel mir die Schlichtheit dieser weißen Rosen, deren Zentrum nur ein bisschen gelbe Blütennarben und –stempel zeigen. Ich machte mein Foto und betrachtete das Ergebnis. Zuerst war ich auch zufrieden, aber irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, etwas übersehen oder zumindest nicht gut dargestellt zu haben.

Daher ging ich am nächsten Tag wieder hin, betrachtete mir die einzelnen Blüten. Nah, ganz nah. Und dann fielen die Schuppen plötzlich von den Augen: Die Wassertropfen! Auf einigen der Blüten befanden sich Wassertropfen auf den Blütenblättern. Ich habe mir das Stativ so eingestellt, dass ich genau auf „Augenhöhe“ mit einer Blüte war und habe mich bei der Komposition auf die Tropfen konzentriert.

Weiße Blüte vs. Blütenblätter

Weiße Blüte vs. Blütenblätter

HINWEIS: Nehmen sie sich viel Zeit. Schauen sie sich ihr Motiv von allen Seiten und allen Winkeln an. Fokussieren sie – im wahrsten Sinne des Wortes – auf den Teil, den sie wirklich betont haben möchten.

Es ist nie zu spät!

Die Fotografie ist ein wunderbares Medium, wenn es darum geht um aus seinen Fehlern zu lernen. Heben sie ruhig Bilder auf, die ihnen nicht zusagen. Legen sie diese zur Seite und holen die Bilder bei Bedarf wieder vor. Seien sie kritisch und versuchen kann klar zu formulieren, warum ein Bild nicht gelungen erscheint (das ist sozusagen der umgekehrte Prozess einer Bildkomposition).

Sehen sie sich das Bild dieser Pilzgruppe an. Mir war diese Gruppe zuerst gar nicht aufgefallen, bis ich darauf hingewiesen wurde. So, wie sie dort auf dem moosbewachsenen Baumstamm wuchsen, das hatte was. Ich machte mich an die Bildkomposition und drückte ab.
Pilzgruppe

Pilzgruppe

Leider habe ich mir nicht wirklich viel Zeit gelassen, denn dann wäre mir es möglich gewesen, noch vor Ort das Foto optimaler zu gestalten. Was mich stört? Was würde sie an diesem Bild stören? Welches Bildelement gehört ihrer Meinung nach geändert?

Für mich ist es der Hintergrund. Zum einen habe ich dort diese hellen Grüntöne, durch Blätter, die in der Sonne stehen. Dann habe ich aber auch diesen langen dunklen Balken, der ein Baumstamm im Schatten ist, und der sich auch noch diagonal durch das Bild zieht. Dadurch sieht der Hintergrund nicht nur zu dunkel aus, er ist einfach vieeeeeel zu unruhig. Auch geht ein wenig von der Plastizität der Pilzgruppe verloren.

Viel ärgerlicher ist eigentlich die Tatsache, dass ich weiß, dass ich es hätte optimieren können. Dazu wäre nur nötig gewesen, das Stativ so aufzubauen, das wesentlich mehr bzw. nur noch Laub den Hintergrund ausgefüllt hätte.

Solche nachträglichen Bildbetrachtungen sind sehr hilfreich, wenn man es beim nächsten Mal besser machen will.

HINWEIS: Vereinfachen sie ihr Motiv bzw. die Komposition, wann immer es möglich ist. Viele Bilder verlieren ihre Aussagekraft durch zu viele störende Nebenelemente, die nur vom Hauptmotiv ablenken.

Aus einem anderen Winkel betrachten

Eine kleinere Sache, die aber zum Teil dramatische Veränderungen herbeiführen kann, ist die Wahl des Blickwinkels. Bei vielen Dingen des täglichen Lebens sind wir es gewohnt darauf zu schauen. Wir betrachten sie von oben herab. Daher kann alleine die Wahl eines „ungewöhnlichen“ Bildwinkels schon zu einer Interessensteigerung führen. Löse sie sich einfach von ihrem alltäglichen Sehen …

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Preiselbeeren: Aufsicht vs. Bodenansicht

Lieber hoch oder quer „schießen“?

Eine weitere Frage, die sich bei der Bildgestaltung stellt, ist die nach dem Format. Soll das Motiv besser als Quer- oder Hochformat abgebildet werden?

Auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Pauschalantwort. Der Jesus aus der ersten Lektion wurde hauptsächlich im Hochformat aufgenommen, da die aufrechte Form der Statue dieses schon ein wenig vorgibt. In den anderen Lektionen werden ihnen weitere Hochformatbilder begegnen, doch eigentlich ist es eine Frage des Geschmacks, für welches Format sie sich entscheiden. Wichtig ist zu beachten, welches Format dem Motiv einen stärken Ausdruck verleiht. Manchmal, ja manchmal, haben aber auch beide Formate für ein und dasselbe Motiv ihren Reiz …

Preiselbeeren: Hochformat

Preiselbeeren: Hochformat

Jetzt sie! – Aufgaben

Wählen sie ein Motiv und machen mehrere Aufnahmen aus verschiedenen Abständen und Blickwinkeln. Wählen sie drei Fotos aus, von denen sie meinen, dass diese besonders ansprechend sind und begründen es.

Kramen sie einmal ein älteres Foto, dass ihnen gut gefällt, wo sie aber sagen, dass noch der nötige Schliff fehlt, hervor und besprechen es unter Berücksichtigung der Regeln der Bildkomposition.

Fotografieren sie ein Motiv sowohl im Hoch- als auch Querformat und versuchen dabei den Bildaufbau jeweils optimal zu gestalten.

Lektion 1 – Bildkomposition

Lektion 3 – Belichtung

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