Lektion 11 – Portfolio

17. August 2009

Was erwartet Sie in Lektion 11 unserer Fotoschule?

Eigentlich ist die elfte Lektion keine Lektion mehr im eigentlichen Sinne. Vielmehr werde ich hier einige Gedanken zur Fotografie mit Ihnen teilen. Da es aber gut zu den folgenden Überlegungen und Tipps passt, werde ich Sie mit dem Portfolio bekannt machen.

Fotocollage (vier kleine Bilder)

Fotocollage (vier kleine Bilder)

Spielen Sie auf dem größten Spielplatz der Welt

Puh, in den vorangegangenen Lektionen haben Sie viel über technische Details, Komposition und Regeln erfahren. Sicherlich für den Anfang eine Menge, aber keiner verlangt ja auch von Ihnen, dass Sie alles sofort perfekt beherrschen. Wie viel Sie davon für sich umsetzen und dadurch bestimmen, wie schnell Sie sich in der Fotografie weiterentwickeln, hängt von Ihrem eigenen „Rhythmus“ ab. Aber je häufiger Sie die Kamera in die Hand nehmen und Ihre Umwelt ablichten, desto schneller werden Sie in Ihrer Entwicklung zum aufmerksameren Fotografen voranschreiten.

Spielen Sie ruhig mit der Kamera, in dem Sinne, dass Sie auch spontan Bilder machen sollten. Da draußen wartet ein Unmenge an Motiven, man muss Sie nur festhalten. Und zwingen Sie sich nicht zu sehr – sonst bleibt wohlmöglich noch der Spaß auf der Strecke!

„Nach“gedacht

Hier jetzt einige Gedanken, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte:

Dieser Kurs hat Ihnen Regeln beigebracht, die es auch zunächst zu befolgen gilt. Natürlich sind diese Regeln, wie so viele, auch dazu da, um sie gelegentlich zu biegen bzw. brechen.

Gibt es das richtige Motiv? Eindeutig NEIN! Das richtige Motiv ist das Motiv, welches Sie sich ausgesucht haben! Mann kann es vielleicht schlecht umsetzen, aber welches Motiv Sie wählen, sollte ganz allein Ihre Entscheidung sein.

Fotografie hat auch einen künstlerischen Anspruch und über Kunst kann man ja bekanntlich streiten. Sie können bei einem Foto alles richtig gemacht haben (Belichtung, Komposition, etc.) und doch wird es Leute geben, denen das Bild nicht gefallen wird. Zuallererst fotografieren Sie für sich und niemand anderen. Seien Sie daher stolz auf Ihre Fotos. Selbst wenn Sie lange an einem Foto gearbeitet haben und doch z.B. die Schärfenebene nicht optimal liegt… Dann machen Sie eben das nächste Mal besser. Streben Sie immer danach, noch besser zu werden.

Wann immer es geht, verwenden Sie ein Stativ! Entschuldigung, ich konnte aber nicht widerstehen.

Machen sie Fotos, Fotos, Fotos. Das tolle an der digitalen Fotografie ist doch, dass sie langfristig kostengünstiger ist und Sie sich erlauben können, auch viele Bilder wieder zu löschen. Es gibt einige Kameras, die bieten Ihnen ähnliche Kontrolle wie eine SLR, ohne aber gleich so wuchtig und sperrig daherzukommen. Sie sind zwar kein Ersatz für eine SLR, aber Sie werden diese kleinere Variante eher mitnehmen (zum Sportplatz, zum Konzert, zum Shopping, zum Wandertrip, etc.) und Sie werden Fotos machen.

In diesem Zusammenhang sollten Sie auch mit der Kamera „eins werden“. Sie sollten Ihre Kamera intuitiv bedienen können. Das fällt umso leichter, wenn die Kamera bedienerfreundlich ist. Darunter verstehe ich Folgendes: Ich möchte z.B. den ISO-Wert für ein Foto schnell wechseln. Wenn ich jetzt im Handbuch dazu aufgefordert werde, den Knopf A zu drücken, gleichzeitig Knopf B zu bedienen und dann noch mit dem Schneidezahn das Rädchen vorne an der Kamera auf die gewünschte ISO-Zahl zu stellen, dann ist das nicht anwenderfreundlich. Der Idealfall: Ich drücke einen Knopf und stelle an einem zweiten Knopf bzw. Rad den Wert ein. Von Vorteil ist es auch, bei möglichst einem Hersteller zu bleiben. Nicht nur wegen der Objektive, auch weil die Bedienungsfunktionen oftmals gleich oder zumindest sehr ähnlich sind. Dasselbe trifft dann auch oft auf verwendete Symbole und Bezeichnungen zu.

Seien Sie kreativ! Probieren Sie vieles für sich aus. Es gibt keine Grenzen. Dabei ist es legitim sich Anregungen bei anderen zu holen. Sie haben einen Lieblingsfotografen? Dann folgen Sie seinem Beispiel. Dabei sollen Sie ihn nicht kopieren (gleiches Motiv, gleiche Komposition, usw.), sondern sich von dessen Bildbänden etc. inspirieren lassen. Über die Zeit werden Sie wahrscheinlich für sich einen bevorzugten Bereich (Landschaft, Sport, Reisen, etc.), ein bevorzugtes Thema (Menschen, Akt, Tiere, Mode, etc.) und einen bevorzugten Stil (Tele, Makro, Weitwinkel) finden, wobei die Variations- und Kombinationsmöglichkeiten schier unendlich sind. Und wie bereits gesagt, die Motivwahl ist Ihrer Kreativität überlassen!

Sie haben eine kreativen Tiefpunkt erreicht oder glauben, dass Ihre Fotos nicht gut genug sind bzw. schön? Dann schauen Sie sich von Ihnen gemachte Fotos an, von denen Sie wissen, dass sie gelungen sind. Noch besser – hängen Sie diese auf. Machen Sie Abzüge, suchen einen schönen Rahmen aus und erfreuen sich so an Ihrem Werk. Was nützen die guten Fotos, wenn sie keiner betrachten kann? Und für Sie selbst kann es wie ein kleiner Motivationsschub sein.

Sie haben das Foto nicht gemacht, weil das Licht nicht „optimal“ gewesen ist oder sich im Hintergrund ein störendes Objekt befand? Schade, denn ich denke, dass man im Zweifelsfall immer abdrücken sollte. Vielleicht mag am Ende kein Adams, Newton oder Wolfe herausgekommen sein, aber es ist Ihre Szene und Ihr Moment. Wenn Sie nicht gerade Geld mit ihren Bildern verdienen müssen, dann darf man, nein, dann sollte man sich das auch erlauben. Darum geht es doch auch. Wir möchten besondere Momente für uns festhalten, um sie immer wieder erleben zu können. Daher meine Meinung: Abdrücken!

Bevor ich Sie jetzt endgültig ihrer eigenen Kreativität überlasse, eine letzte Sache zum Abschluss dieses Kurses: Das Portfolio. Ein Portfolio ist eigentlich eine Mappe oder ein Bildband voll mit Arbeiten eines Künstlers. Ein Portfolio kann aber auch eine Bilderstrecke sein, die aus Fotos zu einem Thema besteht. Das gibt dem Fotografen die Möglichkeit, sich besonders kreativ mit einer Sache auseinander zu setzen. Ich habe als Beispiel dieses kleine Portfolio zusammen getragen, dass unter dem Titel „Frühstück“ stehen könnte. Mit Portfolios lassen sich auch (Bilder-)Geschichten erzählen, wobei die einzelnen Fotos aufeinander aufbauen. Ich finde, dass das Erstellen eines Portfolios, die kreative Seite besonders fordert (und fördert). Der nervöse Bräutigam in den letzten Stunden vor dem Traualtar, der erste Schultag eines Kindes, der Einzug in ein neues Haus, die verbleibenden Tage eines Menschen vor seinem Tod oder die Restaurierung des Oldtimers, oder …

Portfolio: siehe oben, groß

Portfolio: siehe oben, groß

Jetzt Sie! – Aufgaben

Für den Abschluss dieses Kurses nun eine letzte Aufgabe, bevor ich Sie nun wirklich auf den Spielplatz entlasse. Fertigen Sie ein Portfolio an, dessen Thema in Ihrem unmittelbaren Umfeld zu finden ist. Das kann in ihrem Haus, Ihrer Wohnung oder bei der Ausübung eines Hobbys sein. Das Portfolio sollte mindestens aus drei, aber maximal aus fünf Fotos bestehen. Ich wünsche Ihnen viel Spaß!

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Lektion 10 – Portraitfotografie

17. August 2009

Was erwartet Sie in Lektion 10?

Streng genommen ist ein Porträt das Bild (besonders ab Brust aufwärts) eines Menschen. Ziel ist es, das Wesen bzw. die Persönlichkeit einer oder mehrerer Personen darzustellen. Dabei kann man die Porträtfotografie aber auch problemlos auf Tiere und Skulpturen erweitern.

Die Grundlagen zur Porträtfotografie sind in dieser Lektion zusammengefasst.

Porträt: Mädchenstatue

Porträt: Mädchenstatue

Rembrandts Licht

Einmal abgesehen von der Landschaftsfotografie (oder den vielen schönen Blumen), gehen höchstwahrscheinlich die meisten Kameras jeglicher Art deswegen über den Verkaufstresen, damit Freunde oder Familie im Bild festgehalten werden können.

Wie auch schon zuvor, spielt Licht eine entscheidende Rolle. Der Begriff Fotografie bedeutet ja auch „Malen mit Licht“. Anders ausgedrückt, die Kontrolle über die Lichtführung ist ein Element, welches der Fotograf zu seinem Vorteil nutzen sollte.

Als Erstes ist das natürliche Umgebungslicht zu nennen, also das Licht, welches wir vorfinden, wenn wir uns nur auf die Sonne als Lichtquelle verlassen. Das Licht der Sonne kann sich im Tagesverlauf dramatisch verändern. Nicht ohne Grund sprechen Fotografen auch von der goldenen bzw. magischen Stunde. Das ist die letzte bzw. erste Stunde des Sonnenlichts an einem Tag. Das Licht ist besonders in diesen Stunden sehr warm und kräftig. Auch für Landschaftsfotografen sind diese Stunden sehr interessant.

Um die Mittagszeit ist das Licht der Sonne zu hart und Farben wirken schnell ausgeblichen. Es sei denn, der Himmel ist bewölkt, dann haben sie den besten Diffuser, den man sich vorstellen kann. Man könnte auch von der weltgrößten Softbox sprechen.

Eigentlich sind Softboxen eine Errungenschaft der Studiofotografie, denn durch sie soll das Blitz- oder Studiolicht weicher gemacht werden. Dazu steckt die Lichtquelle in einem Kasten (der Box) und das Licht wird durch den Einsatz eines Diffusers (z.B. Transparentpapier) weicher („softer“) gemacht.

Wolkengefiltertes Licht ist extrem schön und natürlich anzuschauen und durch kein Blitzlicht der Welt zu ersetzen.

Sollte aber so gar keine Wolke am Himmel sein, können sie in schattige Bereiche ausweichen und wenn nötig die zu porträtierende Person mit einem Reflektor aufhellen.

Eine besondere Form der Lichtführung, die bewusst Regeln bricht, ist bei vielen als Rembrandt-Licht bekannt.

Der niederländische Maler Rembrandt Harmenszoon van Rijn nutzte in vielen seiner Gemälde eine ganz besondere Art der Lichtführung, bei der sich die Lichtquelle weit links (oder rechts) vom Hauptmotiv befindet. Da es keine weiteren Lichtquellen oder reflektierende Oberflächen gibt, wird nur eine Seite der gemalten Person beleuchtet. Die andere Seite verschwindet nahezu im Dunkeln.

Porträt Rembrandt & Goldhelm

Porträt Rembrandt & Goldhelm

Diese Seitenbeleuchtung ist in der Porträtfotografie weit verbreitet und beliebt, denn sie kann dramatische Effekte erzeugen.

Zu der Verwendung von Blitzgeräten sind bereits in der vierten Lektion ein paar Zeilen geschrieben worden. Versuchen sie weitgehend den Einsatz eines Blitzgerätes zu vermeiden. Lernen sie zuerst mit dem vorhandenem Licht zu arbeiten! Ist meistens auch das schönere Licht.

Porträt: Mädchen mit Buch

Porträt: Mädchen mit Buch

Ruhig mal mehr als nur Brust

Ok, das klassische Porträt zeigt nur rund ein Drittel einer Person, wobei der Schwerpunkt natürlich auf dem Gesicht liegen sollte. Aber es gibt ein erweiterte Variante der Porträtaufnahme: Das „Umfeld-Porträt“.

Ein Umfeld-Porträt zeichnet sich dadurch aus, dass nicht nur die Einzelperson gezeigt wird, sondern auch ein charakteristischer Teil seines alltäglichen Umfelds. Das kann bei einem Arbeiter einer Whisky-Fabrik eine Halle mit Fässern oder ein Raum mit den kupfernen Brennblasen sein. Der Reiter im Stall, ein Leser in der Bibliothek oder der Winzer im Weinberg, oder… Es gibt unendliche Möglichkeiten. Der Vorteil dieser Umfeld-Porträts liegt in ihrer Aussagekraft, denn ein Umfeld kann sehr viel über die porträtierte Person erzählen.

HINWEIS: Machen Sie probeweise aus ihren Porträtaufnahmen schwarz/weiße Bilder. Nicht selten kann das Fehlen von Farbe einem Porträtfoto einen interessanten abstrakten Charakter geben und so die Bildwirkung zusätzlich verstärken.

Porträt: Hund mit Mädchen

Porträt: Hund mit Mädchen

Porträt: Hund in der Kutsche – Nah & Umfeld

Porträt: Hund in der Kutsche – Nah & Umfeld

Das optimale Objektiv

…für Porträtaufnahmen ist das Objektiv, mit dem Sie ein gutes Porträt machen können. Entschuldigung, ganz kleiner Scherz, denn es gibt kein explizites Porträt-Objektiv.

Wollen Sie gezielt nur klassische Porträts aufnehmen, dann empfiehlt sich ein mittleres und lichtstarkes Tele. Ich bevorzuge dabei Brennweiten zwischen 100 und 200 mm. Wunderbar um eine gewisse Distanz zu waren und um den Hintergrund wegen der geringeren Schärfentiefe auszublenden.

Haben Sie jedoch mehr Interesse an der Umfeld-Porträtfotografie kommt ein gemäßigtes Weitwinkel daher. Mein Vorschlag wären Brennweiten um die 35 mm (±10 mm). Selbstverständlich können Sie auch mit einem Tele Umfeld-Porträtfotos gestalten, Sie sollten nur ausreichend Platz zum Zurückgehen haben.

Aufs Korn genommen

Eine sehr reizvolle Form der Porträtfotografie ist das Fotografieren nur mit dem vorhandenen Umgebungslicht. Vielfach als available light photography bezeichnet. Um überhaupt noch Fotos machen zu können, greifen z.B. die Reporter-Fotografen auf sehr schnelle, meistens schwarz-weiße Filme zurück. Diese Filme haben (hatten) ISO-Werte von z.B. 1600, 3200 usw. und zeigen eine deutliche Körnung. Diese kann, wie ich finde, aber sehr zum Bildausdruck beitragen.

Wenn Sie ihre Digitalfotos körniger haben möchten, sollten Sie nicht die ISO-Werte an Ihrer Kamera raufschrauben. Sie erhalten mehr Rauschen, aber nicht unbedingt den erwünschten Körnungseffekt. Fotografieren Sie wie bisher bei kleinen ISO-Werten und fügen erst später den gewünschten Grad an Körnung hinzu.

Umfeldporträt: Fliegenfischer – farbig vs. b/w

Umfeldporträt: Fliegenfischer – farbig vs. b/w

Tierporträt: Wisente

Tierporträt: Wisente

Porträt: Jungenstatue

Porträt: Jungenstatue

Jetzt Sie! – Aufgaben

Zum Aufwärmen ein Porträt von einer Statue, die IIhnen besonders gefällt. Ob Sie sich dabei für ein klassisches Porträt oder für ein Umfeldfoto entscheiden sei Ihnen überlassen.

Für diese Lektion möchte ich Sie natürlich auch bitten, dass Sie ein Porträtfoto im Rembrandtstil machen. Wenn möglich ein lebendes Objekt.

Erstellen Sie ein farbiges Porträt und wandeln Sie es in ein s/w-Foto um. Es ist Ihnen freigestellt, ob Sie evtl. einen Tönung und / oder Körnung zufügen möchten.

Lektion 9 – Landschaftsfotografie

Lektion 11 – Portfolio

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Lektion 9 – Landschaftsfotografie

17. August 2009

Was erwartet Sie in Lektion 9?

Die Landschaftsfotografie zieht unter Fotografen sehr großes Interesse auf sich. Kein Wunder, denn da draußen warten wunderschöne Landstriche, Naturgebiete und Szenerien nur darauf, abgelichtet zu werden.

Mit wenigen Schritten werden Sie ihre Landschaftsfotos in Hingucker verwandeln. Die Tipps dazu gibt es hier oder kennen Sie z.B. schon die hyperfokale Entfernung?

Roter Busch vor Eiche

Roter Busch vor Eiche

Nicht nur unendliche Weiten

„…den entscheidenden Prüfstein für den Fotografen – und oft die entscheidende Enttäuschung.“ Das sind die Worte eines der berühmtesten Landschaftsfotografen aller Zeiten (genau, Ansel Adams seine Worte).

Die, die es noch nie versucht haben, denken sicherlich, dass Landschaftsfotografie der leichteste Bereich der allgemeinen Fotografie sei. Man richte nur seine Kamera auf die Bergkette, die Blumenwiese, den Sonnenaufgang und voilá – isch abe eine wunderschöne Bild. Leider ist es nicht so einfach.

Das Hauptproblem besteht darin, dass Kamera und Gehirn nicht dasselbe sehen. Wenn Sie eine Szenerie betrachten und lassen das Auge schweifen, setzt unser Gehirn daraus unwillkürlich einen visuellen Eindruck zusammen.

Besonders den Eindruck von Weite zu vermitteln, scheitert oft an der „Nüchternheit“ der Kamera. Wenn wir mit dem Auge eine Landschaft ansehen, wechseln wir unbewusst zwischen Objekten aus dem Vorder- und Hintergrund.

Wenn wir dem Bildbetrachter einen Bezugspunkt anbieten können, dann kann man ebenfalls räumliche Tiefe erzeugen.

HINWEIS: Besonders wenn Sie mit Weitwinkel-Objektiven fotografieren, versuchen Sie dem Betrachter einen interessanten Gegenstand im Vordergrund anzubieten.

Flusslandschaft mit Bezugspunkt im Vordergrund

Flusslandschaft mit Bezugspunkt im Vordergrund

Unendliche Schärfentiefe

Wie schon in der Makro-Fotografie, spielt die Schärfentiefe eine sehr wichtige Rolle, wenn es um den allgemeinen Bildeindruck geht. Jetzt mag man versucht sein und denken, dass für die größtmögliche Schärfe das Objektiv nur auf Blenden kleiner als f/16 und der Fokus auf unendlich eingestellt werden muss. Dachte ich lange, sehr lange auch, aber es ist nicht der optimale Weg.

Das mit der Blende stimmt bedingt, aber sobald Sie kürzere Verschlusszeiten benötigen, weil sich z.B. die Blätter im Vordergrund doch lieber nicht bewegen sollen, dann müssen Sie umdenken.

Es gibt aber eine sehr feine Sache, die, wenn man sie berücksichtigt, zu schärferen Landschaftsaufnahmen führt: Die hyperfokale Entfernung.

Grundsätzlich liegen vom Schärfentiefebereich bei der Fokussierung auf eine bestimmte Ebene ein Drittel vor und zwei Drittel hinter der Fokusebene. Stellen sie die Kamera auf ∞ ein, verlieren Sie die zwei Drittel hinter der scharf eingestellten Ebene. Die Lösung dafür sieht so aus:

Um den Schärfentiefebereich zu maximieren, fokussieren Sie auf die hyperfokale Entfernung. So erreichen Sie, dass alles, was sich von der Hälfte dieser Entfernung bis zur Unendlichkeit, scharf abgebildet wird.

Zugegeben, das klingt zunächst wie Voodoo, aber es funktioniert. Hier ein Beispiel, wie Sie auch die Tabelle für sich nutzen können.

Sie stehen mit ihrer Kamera und einem 28er Weitwinkel in der Wüste (hoffe, Sie haben genug Wasser) und möchten die Dünenlandschaft fotografieren. Vor Ihnen liegen die Knochen eines Kamels, die Sie unbedingt als Blickfang mit in das Bild integrieren sollten. Nachdem, was Sie oben gelesen haben, können Sie jetzt nicht das Skelett so platzieren, dass es bei der Einstellung auf ∞ scharf ist und hoffen, dass das auch auf den Hintergrund zutrifft.

Anhand der Tabelle sehen Sie, dass für das 28er und bei Blende f/16 ein Meterwert von 1,80 steht. Fokussieren Sie nun mit ihrem Objektiv auf eine Entfernung von 1 Meter 80, wird alles, was sich im Bereich von 90 Zentimetern und unendlich befindet, scharf abgebildet.

Oder ein 50er und Blendenwert von f/32. In der Tabelle nachgeschaut und eine Entfernung von 3 Meter 5 gefunden. Also wird jeder Gegenstand, der sich ab 1 Meter 50 im Bild befindet scharf sein. Natürlich nur, wenn Sie zuvor auf die hyperfokale Entfernung von 3 Meter 5 fokussiert haben. Das Einstellen der benötigten Entfernung ist nicht ganz einfach und erfordert Übung. Zum Glück gibt es (noch) an den Objektiven Skalierungen, die einem das Einstellen der Entfernungen erleichtert.

Drucken Sie sich die Tabelle mit den Werten für die hyperfokalen Entfernungen aus und stecken Sie diese zu Ihrer Fotoausrüstung. Das nächste Mal, wenn Sie dann wieder eine Landschaft fotografieren möchten, nehmen Sie die Tabelle zur Hilfe. Legen Sie erst die Blende fest, suchen Sie den entsprechenden Tabellenwert für die Entfernung und stellen diesen dann über den Fokussierring ein.

Sollte Ihr Objektiv keine Entfernungsangaben besitzen oder diese eher unbrauchbar sein (kommt auch vor), dann müssen Sie improvisieren. Abstände von bis zu 2 bis 3 Metern lassen sich noch gut abschätzen oder vermessen. Bauen Sie Ihr Stativ auf, legen die Blende fest, lesen den Tabellenwert ab und stellen dann auf einen Gegenstand scharf, der sich in der benötigten Entfernung befindet. Oder Sie legen einen Gegenstand (z.B. eine Jacke oder Rucksack) in die gewünschte Entfernung, fokussieren und bevor Sie auslösen, entfernen den Hilfsgegenstand.

Auf einigen Objektiven befindet sich sogar eine Skala für die Schärfentiefe. Das ist eine feine Sache, denn dann bestimmen Sie zuerst die Blende und drehen dann den Einstellring solange, bis das Symbol für Unendlich in Deckung mit der Blendenzahl auf der Schärfentiefenskala ist (unglücklicherweise verzichten offenbar immer mehr Objektivhersteller auf solch eine Skala…).

Hyperfokaldistanzen

Hyperfokaldistanzen

Farben satt

Zwei Sachen könne bei der Landschaftsfotografie wirklich sehr lästig werden: Starker Kontrast und Reflexionen.

Mit Kontrast ist gemeint, dass die Helligkeitsunterschiede zwischen Vor- und Hintergrund so ausgeprägt sind, dass entweder der Vordergrund korrekt, dafür aber der Hintergrund (meistens der Himmel) überbelichtet ist und umgekehrt.

So teuer Ihre Bildbearbeitungssoftware auch gewesen sein mag, auch die kann dort nichts hinzaubern, wo es keine Informationen gibt (starke Über- oder Unterbelichtung ist nun mal nur einfach weiß bzw. schwarz). Aus diesem Grund sollte jeder Landschaftsfotograf eine oder mehrere dieser ND Verlaufs-Graufilter bei sich führen, denn mit denen kann man zu harte Kontraste korrigieren.

Baum im Gegenlicht

Baum im Gegenlicht

Eine weitere Lästigkeit sind kraftlose, ausgewaschene erscheinende Himmel. Besonders um die Mittagszeit, wenn die Sonne hoch steht und der Himmel nicht sehr bewölkt ist, wirken Farben sehr schnell blass.

Um die Farben zu intensivieren, kann man einen Polfilter (zirkular) verwenden. Mit dem erreichen Sie ein Foto, das von dem Farben her auch Ihrem visuellem Eindruck entspricht.

Landschaft mit/ohne Polfilter

Landschaft mit/ohne Polfilter

Klarer Schnitt

Die Lage der Horizontlinie ist definitiv ein weiteres gestalterisches Element und es ist Ihrer Kreativität überlassen, wo Sie den Horizont in ihrem Bild platzieren (so lange Sie an die Grundregeln aus Lektion 1 denken). Aber um Himmelswillen (wie passend), wenn Sie ihre Bildkomposition aufteilen, tun Sie es ganz gerade. Der Schnitt muss einfach perfekt sein.

Der schönste und spektakulärste Sonnenuntergang an der Ostsee wird zur Seekrankheit, wenn der Horizont nicht ganz akkurat gerade ausgerichtet worden ist.

Sollte Ihre Kamera die bereits erwähnte Option von Gitterlinien im Sucherbild haben, dann ist gut. Wenn nicht, auch kein Grund zur Verzweiflung. Ich habe es zwar nicht bei den Ausrüstungsgegenständen in Lektion 6 aufgelistet, denn meine Kamera hat Gitterlinien, aber ist es doch ein sehr nützlich daher kommendes „Gimmick“: Die Wasserwaage. Sie müssen jetzt nicht denken, dass eine ein Meter lange Waage auf Ihre Kamera gebunden werden muss. Nein, es gibt extra kleine Wasserwaagen, die Sie in den Zubehörschuh (eigentlich für ein externes Blitzgerät) stecken können.

Diese Waagen sollten mit zwei Libellen (die mit einer Blase versehenen Flüssigkeiten) für Hoch- und Querformat versehen sein. Wahrscheinlich sogar genauer, gerade bei Situationen mit wenig Licht, als Gitterlinien im Sucher. Muss ich mal testen …

Wasserwaage

Wasserwaage

Sonne & Mond

Sonne & Mond

Leitlinien: Parkallee & Waldweg

Leitlinien: Parkallee & Waldweg

Jetzt Sie! – Aufgaben

Landschaftsaufnahmen setzen nicht nur Wüsten, Seen, Wälder und Gebirge in Szene. Ich bin mir sicher, dass es auch direkt vor Ihrer Haustür Landschaft zu entdecken gibt. Machen Sie eine Aufnahme davon.

Lektion 8 – Makro-Fotografie

Lektion 10 – Portraitfotografie

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Lektion 8 – Makro-Fotografie

17. August 2009

Was erwartet Sie in Lektion 8 zur Makro-Fotografie?

Kleines ganz groß – mit einem Makro-Objektiv an der Kamera kann man sich auf Entdeckerreise begeben. Obwohl schon kurz in Lektion 5 beschrieben, geht diese Lektion noch mal etwas tiefer ins Detail (im wahrsten Sinne des Wortes). Tipps und Hinweise sollen Sie für einen Einstieg in die schöne Welt der Nahaufnahmen begeistern.

Blattadern

Blattadern

Je größer das Kleinste, desto fantastischer

Sie interessieren sich also für die Makro-Fotografie, sonst hätten Sie wohl nicht so weit gelesen. Finde ich gut, denn mir persönlich macht das Fotografieren von Details am meisten Spaß. Die Suche nach neuen Motiven ist wie eine kleine Forschungsreise, bei der man nur die Augen offen halten sollte.

Um mit der Makro-Fotografie zu beginnen, bedarf es nicht gleich einer aufgeblasenen Ausrüstung. Ein Kameragehäuse, das eine Abblendfunktion hat, evtl. Spiegelvorauslösung (bei SLR-Kameras), Optionen der Fernauslösung und einen großen Sucher (nicht nur wichtig für Brillenträger), sollten vorhanden sein.

Bei der Brennweite können Sie frei wählen, wobei Sie die jeweiligen Vor- und Nachteile (siehe Lektion 5) für sich abwägen sollten. Wenn ich mich für nur ein einziges (Makro)-Objektiv entscheiden müsste, würde ich eine Brennweite um die 105 mm wählen. Ich finde, diese Brennweite lässt noch die meisten Variationen zu und es gibt sie noch in Lichtstärken von 2.8.

Auf die Gefahr hin penetrant zu wirken, aber Sie brauchen – na? – genau, ein Stativ! Und natürlich einen Stativkopf etc. Das Stativ sollte Ihren Bedürfnissen angepasst sein. Werden Sie viel im Wald oder grundsätzlich in der freien Natur unterwegs sein, wo sich viele interessante Motive bodennah befinden werden, dann sollte die Beine des Stativs sich entsprechend weit spreizen lassen (85°-90°).

Lassen Sie sich nicht auf umgedrehte Mittelsäulen oder ähnliche Spielereien ein, denn damit ist das Arbeiten sehr unbeholfen, es sei denn, Sie stammen aus einer Akrobatenfamilie.

Kurze Wege zu besseren Makros

Wie für jede andere Fotografie auch, gelten die „Regeln“, welche schon in den ersten beiden Lektionen behandelt worden sind.

Eine der größeren Herausforderungen in der Makro-Fotografie ist das Fokussieren und Einstellen des Schärfentiefebereichs. Denn ja näher Sie sich mit ihrer Kamera auf ein Motiv zu bewegen, desto schmaler wird der Bereich für die Schärfentiefe. Entweder legt man die Schärfe dann auf einen wichtigen Ausschnitt oder versucht die Schärfentiefe zu erweitern.

Um die Schärfentiefe zu maximieren, sollten Sie nicht Blenden größer als f/16 verwenden. Versuchen Sie zusätzlich die Sensorebene so auszurichten, dass diese parallel zur Motivebene steht. Bei den von mir verwendeten Gehäusen ist sogar markiert, auf welcher Höhe sich die Film- bzw. Sensorebene befindet. Ist sehr hilfreich, wenn man u.U. den genauen Abstand zwischen Sensorebene und Motiv benötigt.

Sollte es nicht möglich sein, das Objekt vollständig scharf darzustellen, konzentrieren Sie sich auf einen vorderen Teil, denn dieser wirkt dann plastischer, da er vor einem komplett unscharfen und verwischt wirkenden Hintergrund steht.

Rote Beeren

Rote Beeren

Licht auf die kleinen Dinge werfen

Die Makro-Fotografie setzt, da sie meistens mit sehr kleinen Blendenöffnungen arbeiten, viel Licht voraus. Wenn Sie sich mit Ihrer Kamera vor die Haustür wagen, dann können Sie auf die Unterstützung der Sonne hoffen.

Das Gute bei der Makro-Fotografie ist, dass Sie wirklich nur einen sehr kleinen Ausschnitt betrachten. Sollte sich das Motiv in sehr grellem Sonnenlicht befinden, können Sie mit einem Diffuser das Licht streuen und es wirkt dadurch weicher. Als Diffuser können Sie z.B. einem sehr dünnen weißen Stoff nehmen, den Sie zwischen Sonne und Objekt halten.

Ein „Streuvorsatz“ ist auch bei dem Einsart eines oder mehrerer Blitzgeräte hilfreich. Normalerweise ist das abgegebene Licht ganz gerade nach vorne raus. Das kann aber zu harten Schlagschatten führen. Um diesen Effekt zu minimieren können Sie entweder durch einen Diffuser hindurch fotografieren oder nutzen entsprechende Blitzaufsätze.

Ein Blitzgerät wird dann zwingend, wenn Sie z.B. kleine Tiere in ihrer Bewegung einfrieren wollen. Aus der Tabelle in Lektion 3 ist ersichtlich, dass Sie sehr kurze Verschlusszeiten für solche Aufnahmen brauchen. Bei Blenden kleiner als f/11 undenkbar. Also: Blitz her. Dieser, wenn es kein Ringblitz ist, sollte so weit wie möglich von der Kamera positioniert werden.

Da ein Foto wesentlich durch die Art der Lichtführung bestimmt wird. Großflächige Beleuchtung schafft diffuses und gleichmäßiges Licht, wohingegen eine punktförmige Ausleuchtung zu scharfen Kanten und deutliche Schatten.

Blitzbeleuchtung: Rinde

Blitzbeleuchtung: Rinde

Blitzbeleuchtung: Rinde optimiert

Blitzbeleuchtung: Rinde optimiert

In der Makro-Fotografie setzen viele Blitzhaltesysteme (Makro-Blitzschienen) ein, bei denen zwei Blitzgeräte ganz individuell positioniert werden können. So ein Set besteht aus einer Kameraplatte, an der entweder Stangen oder flexible Arme angebracht sind und auf die zwei kleine normale Blitzgeräte gesteckt werden. Die Kommunikation zwischen den Blitzgeräten und der Kamera wird dabei durch Spiralkabel sichergestellt.

Da man das Licht wesentlich besser „modulieren“ kann, für viele sicherlich die besser Alternative zum Ringblitz.

HINWEIS: Um eine plastische Ausleuchtung zu erreichen, sollte bei Einsatz von zwei Blitzgeräten, deren Blitzstärke unterschiedlich eingestellt sein.

Blitzbeleuchtung: Rinde optimiert

Veilchen abstrakt

Taschenuhr, Detailansicht

Taschenuhr, Detailansicht

Jetzt Sie! – Aufgaben

Für die Makro-Lektion habe ich zwei Aufgaben:

1. Machen Sie eine Makro-Aufnahme (Überraschung!). Aber setzen Sie einen Alltagsgegenstand in Szene. Rücken Sie einen Gegenstand des täglichen Lebens ins Blickfeld, wie man ihn so wahrscheinlich noch nie wahrgenommen hat.

2. Kreative vor! Machen Sie ein abstraktes Foto. Dabei sollte das Objekt nicht zwingend zu erkennen sein. Form und Farben zählen. Beachten Sie bitte nur die Regeln aus Lektion 1 und 2.

Lektion 7 – Pixel, Schärfe & Speicherformate

Lektion 9 – Landschaftsfotografie

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Lektion 7 – Pixel, Schärfe & Speicherformate

17. August 2009

Was erwartet Sie in Lektion 7 der Fotoschule?

Vor gar nicht allzu langer Zeit waren die Regale der Fotohändler mit Filmen jeglicher erdenklicher Art gefüllt. Heute sind die Filme durch die digitalen Speichermedien stark verdrängt worden. Doch gelten Prinzipien wie ISO oder ASA und „Körnigkeit“ auch bei Sensoren. Und wie die Fotos letztendlich abgelegt werden, ist auch nicht unrelevant …

Speicherkarte

Speicherkarte

Ein Punkt, zwei Punkte, Millionen Punkte!

Es wird ohne Ende gepunktet. Die Hersteller bringen ja schon fast im Halbjahresrhythmus neue Modelle raus, die ihr Vorgängermodell immer wieder um Millionen Punkte – Entschuldigung – natürlich Pixel übertreffen.

Wie Leistungsfähig ein Sensor ist, wird als Megapixel angegeben (Zahl der Bildpunkte). Grundsätzlich bedeuten mehr Pixel auch mehr Details. Dennoch gibt es auch hier eine sinnvolle Obergrenze, denn es gibt schlichtweg physikalische Grenzen. Tests in Fotomagazinen können das belegen!

Wichtig und offenbar auch vielfach unterschätzt, sind die Güte des Objektivs und der kamerainterne Prozessor.

Es gibt aber einfache Richtlinien, die Ihnen beim Auswählen einer für Sie geeigneten Kamera helfen sollen (gibt es überhaupt noch Kameras mit zu wenig Pixeln?) bzw. welche Pixelzahl für welchen Zweck am besten geeignet ist.

Bildformatgrößen

Bildformatgrößen

1 Film = 36 Bilder, 1 Speicherkarte = über 1000 Bilder!

Der Wechsel des Speichermediums, von 36er-Film auf kleinste Speicherkarten, den die digitale Fotografie mit sich brachte, ist für mich persönlich einer der größten Vorteile, bei der Verwendung einer Digitalkamera. Es ist Platz sparend und die häufigen Filmwechsel entfallen. Ich finde es klasse!

Wie viele Bilder am Ende auf ihrer Speicherkarte Platz finden, hängt stark davon ab, in welchem Format Sie die Bilder abspeichern. Zumindest die besseren Kameras lassen sie zwischen den folgenden Optionen wählen:

JPEG

Das am häufigsten verwendete Bildformat (bei vielen Kompaktkameras auch das einzige) ist sicherlich JPEG (Joint Photographic Experts Group). Es ist ein Format, das immer dann Anwendung findet, wenn die Fotos für das Internet genutzt werden sollen.

HINWEIS: Sie tun es ja doch – die Nachbearbeitung von Bildern mit irgendeiner Software. Aber bitte beachten Sie, dass jedes Mal, wenn ein JPEG-Bild von Ihnen verändert und anschließend gespeichert wird, es immer wieder neu gerechnet werden muss (komprimiert). Das kann zu Qualitätsverlust führen. Speichern Sie daher die Originale ab und arbeiten nur mit Kopien!

RAW

RAW ist ein Rohdatenformat (engl. raw = dtsch. roh), das besonders viele Informationen für ein Bild speichert. Dementsprechend sind Dateien im RAW-Format wesentlich größer als z.B. die o.g. JPEG-Formate.

Viele Hersteller haben ihr, obwohl alle sehr ähnlich sind, eigenes RAW-Format (z.B. Nikon = NEF, Leica = DNG, Canon = CRW etc.). Für eine Weiterbearbeitung müssen diese Rohdaten mit einem RAW-Konvertierer, der eigentlich den Kameras als freie Software beiliegt, ausgelesen werden. Anschließend können sie als JPEG oder TIFF gespeichert werden.

TIFF

Tagged Image File Format“ ist dem RAW-Format ähnlich. Eigentlich ist es der Vorläufer des RAW-Formats. TIFF-Bilder speichern ebenfalls eine große Menge an Informationen und sind daher auch sehr groß.

Wenn Sie Ausdrucke in bester Qualität benötigen, dann sollte TIFF vor JPEG gewählt werden. Allerdings stehen bei TIFF die eigentlichen Rohdaten nicht mehr zur Verfügung!

Speicherplatz

Speicherplatz

Die Karten sind gemischt

CF, Memory Stick, SD oder xD – welchen Speicherkartentyp Sie verwenden müssen, hängt von Ihrer Kamera ab.

Sie haben aber die freie Wahl bei der Speichergröße, der Qualität (z.B. stoßgetestet oder spritzwassergeschützt!) und der Geschwindigkeit (wie schnell werden Daten geschrieben bzw. gelesen).

HINWEIS: Auch wenn die Karten immer mehr Speicherplatz bieten (letzter Stand im Herbst 2007: bis zu 16 Gigabyte), sollte man sich gut überlegen, ob man wirklich eine ganz große oder wenige große Karten haben möchte oder doch lieber mehrere kleinere Karten.

Die Überlegung ist diese: Wenn ein Problem auftritt und die Karte geschädigt bzw. ruiniert wird, ist es dann besser alle Fotos auf einmal zu verlieren oder nur einen Teil?

Grobes Korn oder große Pixel?

Der ISO- oder auch ASA-Wert bezeichnete bei den Diafilmen die Filmempfindlichkeit. Eine kleine ASA-Zahl (z.B. 25) bedeutete, das der Film extrem scharfe Bilder zulässt, aber viel Licht benötigt. Mit einem Film der z.B. 800 ASA hat, können Sie im Gegensatz zum 25er wesentlich schnellere Verschlusszeiten wählen, bei gleicher Beleuchtung, aber die Bilder besitzen dann eine körnigere Struktur (Ein Nebeneffekt, den ich z.B. bei der Schwarz-Weiß-Fotografie und bei Einsatz von 3200er Filmen, sehr schätze).

Diese ISO-/ASA-Werte gelten auch für die digitalen Formate. Allerdings geht es hier nicht mehr um „Korn“, sondern um die Pixel. Sie können auch zwischen den verschiedenen Werten wählen. Dabei steht Ihnen meistens ein Spektrum zwischen 64 bis 3200 ISO zur Verfügung. Wie gesagt, je kleiner die Zahl, desto höhere Bildqualität und umgekehrt.

Die Erhöhung der Empfindlichkeit führt zwangsweise zu dem so genannten Rauschen. Das sind zufällige Unterschiede in Farbe und Helligkeit, die sich dann als deutliche Pixel zu erkennen geben.

Im Gegensatz zu den Filmen (egal ob Dia oder Negativ) kann ein stark „pixelndes“ digitales Foto stark an Charme verlieren, denn die kleinen Vierecke sehen zu unnatürlich aus. Aus diesem Grund sollten sie auch Bildstabilisatoren meiden, die nur die ISO-Zahl raufsetzen.

HINWEIS: Ein einmal ausgewählter ISO-Wert ist nicht zwingend für alle Bilder zu nutzen. Das Geniale an der digitalen Fotografie ist es, dass sie (ohne wie früher den Film zu wechseln), für jedes Bild den ISO-Wert individuell festlegen können. Da – hören Sie auch die Jubelschreie?!

ISO-Einstellungen

ISO-Einstellungen

Jetzt Sie! – Aufgaben

Es ist ein wenig schwierig hierfür sich Übungen einfallen zu lassen, was Sie aber auf jeden Fall für sich ausprobieren sollten, ist das Fotografieren mit Digitalkameras und hohen ISO-Werten. Hier verabschiedet sich dann die Kompakt-Klasse und in der SLR-Klasse trennt sich die Spreu vom Weizen. Der Effekt des Rauschens nimmt mit steigendem ISO-Wert zu. Wie ein Bild letztendlich aussieht, hängt sehr von der firmenabhängigen Rechenleistung ab. Vergleichen Sie also Fotos mit ISO 100 mit Fotos aufgenommen bei ISO 800 und größer.

Lektion 6 – Elementares & Nützliches

Lektion 8 – Makro-Fotografie

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Lektion 6 – Elementares & Nützliches

17. August 2009

Was erwartet Sie in Lektion 6?

Zubehör gibt es für die Fotografie mehr als reichlich. Vieles davon ist überflüssig, einiges ist brauchbar und bestimmte Sachen sind unabdingbar, wenn man Fotos hoher Qualität machen möchte.

Einige wichtige Dinge sind in dieser Lektion zusammengestellt. Die essentiellen Zubehörteile sind rot und die nützlichen Dinge orange gekennzeichnet.

Wenn sie mit der Kamera arbeiten wollen, benötigen Sie …

…ein Stativ.

Auch in Zeiten von VR, OS, IS, OIS oder wie die Firmen ihre Bildstabilisierungen nennen, ist eine vernünftige Stütze für die Kamera unabdingbar. Besonders die Makro-Fotografie oder das Arbeiten mit Tele-Objektiven schreit förmlich nach einem Stativ.

HINWEIS: Um die Verwacklung bei dem Arbeiten ohne Stativ zu minimieren, stellen Sie die Verschlusszeit auf mindestens 1/f ein. Wenn sie also mit einem 105er Objektiv arbeiten, sollte die Verschlusszeit nicht 1/125 Sekunde unterschreiten (200er = 1/200 Sekunde, 50er = 1/50 Sekunde usw.)!

Bei einigen Kameras ist auch Vorsicht geboten und man sollte ganz genau in der Betriebsanleitung schauen, wie eine „Bildstabilisierung“ realisiert wird. Denn nicht selten erreicht die Kamera kürzere Verschlusszeiten durch das Verändern der ASA- bzw. ISO-Werte – oftmals mit dem Ergebnis, dass die Bilder stärker „rauschen“ (pixeliger wirken).

Stativ

Stativ

Stativkopf

Ganz klar, wer mit dem Stativ arbeitet, der benötigt einen Stativkopf. Ob es sich dabei um einen Kugelkopf oder einen Dreiwegeneiger handelt, ist eine Frage der hauptsächlichen Anwendung. Prinzipiell sind Kugelköpfe eine schnelle und feine Sachen. Doch gerade in der Makro-Fotografie trumpfen die Dreiwegeneiger auf, denn dann kann man in jeder Ebene Einstellungen vornehmen, ohne gleich die ganze Komposition zu versauen.

HINWEIS: Sollte der Stativkopf ohne Schnellwechselmechanismus daher kommen, dann legen Sie sich besser einen zu. Sie werden es mir danken.

Kugelkopf

Kugelkopf

Schnellwechselsystem

Schnellwechselsystem

Winkelsucher

Nein, ich will ihn nicht mehr missen! Eine so feine Sache und ich frage mich im Nachhinein, warum ich nicht schon viel eher einen angeschafft habe.

Ein Winkelsucher erleichtert den Blick durch den Sucher ungemein, besonders wenn man bodennah arbeitet. Zusätzlich kann man von einfacher auf doppelte Vergrößerung stellen und hat gerade bei Makros bessere Kontrolle.

Vielleicht nicht für jeden essentiell, aber für mich schon.

Winkelsucher

Winkelsucher

Nahlinse

Wie ein Filter werden Nahlinsen in das dafür vorgesehene Gewinde vorne am Objektiv eingeschraubt. Sie bilden eine preiswerte und leichte Methode, um die Naheinstellgrenze eines Objektivs zu verkürzen.

Nahlinse

Nahlinse

Nahlinse: Wassertropfen

Nahlinse: Wassertropfen

Zirkular-Polfilter

Dieser Filter hilft Reflexionen zu minimieren, wie sie z.B. auf Wasser oder nass-feuchten Oberflächen auftreten können. Zudem reduziert er Dunst, grelles Licht und kräftigt Farben. Besonders der letzte Aspekt findet in der Landschaftsfotografie breite Anwendung (siehe dazu auch Lektion zur Landschaftsfotografie).

Polfilter

Polfilter

Polfiltereffekt: Eichenblatt

Polfiltereffekt: Eichenblatt

HINWEIS: Legen sie sich nur einen Zirkular-Polfilter zu, denn dieser lässt sich unkompliziert am Objektiv drehen, bis der erwünschte Effekt erreicht ist. Finger weg von Folien oder ähnlichem.

ND-Graufilter

Das „ND“ steht für Neutral-Density und bedeutet, dass keinerlei Farbveränderungen bei Einsatz dieser Filter auftritt. Jedoch reduzieren sie die Lichtmenge und in einigen Situationen benötigt man dieses.

Ein kompletter ND-Graufilter kommt dann zum Einsatz, wenn es erwünscht ist, längere Verschlusszeiten zu nutzen, ohne dass z.B. komplett abgeblendet wird.

ND-Filter

ND-Filter

Ein ND-Grauverlaufsfilter ist dann sinnvoll, wenn in dem Bild starke Helligkeitsunterschiede auftreten und die es auszugleichen gilt.

ND-Verlauffilter: Baumlandschaft

ND-Verlauffilter: Baumlandschaft

Fernauslöser

Die Digitalkameras bieten die Optionen für Kabel-Fernauslöser oder Funk-Fernauslöser. Welchen Sie bevorzugen, ist davon abhängig, wofür Sie den Abstand zur Kamera benötigen. In der Makro-Fotografie ist es eigentlich egal, aber wenn Sie sich doch mehr als einen Meter entfernen wollen, sollten Sie „funken“. Allerdings haben viele Funk-Fernauslöser nur eine Auslösefunktion und sind daher für Langzeitaufnahmen („B“ / „Bulb“; der Verschluss bleibt so lange geöffnet, so lange Sie den Auslöser drücken) ungeeignet.

HINWEIS: Anstelle eines Fernauslösers, ist es manchmal auch möglich, den Selbstauslöser vieler Kameras einzusetzen. Dabei ist die kürzeste einstellbare Zeit 2 Sekunden.

Egal, ob Kabel oder Funk, Ziel ist es in jedem Fall die Kamera so wenig zu erschüttern, wie möglich!

Fernauslöser

Fernauslöser

Blitz & TTL-Verbindungskabel

Nur „Orange“, denn ein Blitz sollte nicht überbewertet werden. Sollte jedoch ein Blitzgerät der Ausrüstung hinzugefügt werden, dann aber bitte mit einem TTL-Verbindungskabel. Letzteres ermöglicht es ihnen, den Blitz weit von der Kamera zu positionieren (was fast immer eine gute Sache ist) und behalten doch die Kamera-Blitz-Kommunikation bei.

Bei der Wahl des Blitzes kommt es darauf an, wofür Sie ihn hauptsächlich nutzen wollen. Als Stichwort seien an dieser Stelle nur der Ring-Blitz (wird vorne am Objektiv befestigt) und der Standard-Blitz (der, der üblicherweise auf der Kamera angesetzt wird) genannt.

Ein Ring-Blitz wird hauptsächlich in der Makro-Fotografie zum Einsatz kommen, wobei man den Standard-Blitz dann doch vielseitiger einsetzen kann.

Blitzgerät

Blitzgerät

Gegenlichtblende

Einige werde sich vielleicht wundern, warum ich einer Gegenlichtblende den Status von „essentiell“ verpasse. Nun gut, sie ist eben! Nicht nur werden Reflexionen auf der Frontlinse vermindert, sie schützt auch zu einem gewissen Grad ihr Objektiv.

Die Verkäufer wollen dem Kunden viel zu oft (ich habe es unzählige Male beobachtet) einen dieser UV-Filter andrehen. Dieser Filter dürfte der überschätzte Filter überhaupt sein.

Als permanenter Objektivschutz gedacht, fügen sie nur ein weiteres Stück Glas, in den meisten Fällen auch noch minderwertig, Ihrem Linsensystem hinzu und erhöhen gleichzeitig das Risiko von Flimmererscheinungen. Das wollen Sie doch nicht wirklich, oder?

Es gibt ganz wenige Situationen, in denen ich so einen Schutz nachvollziehen könnte: Ein Sandsturm. Aber was zur Hölle wollen sie da noch fotografieren? Überraschen Sie mich!

Gegenlichtblende

Gegenlichtblende

Reflektoren

Mit der Hilfe ohne eines Blitzgerätes und mit Reflektoren, schaffen Sie es schnell und einfach schattige Partien ihres Motivs aufzuhellen. Üblicherweise gibt es Reflektoren in den Farben Gold, Silber und Weiß. Zwischentöne, mit den schönen Namen „Sunfire“ oder „Sunlite“, gibt es auch noch.

Reflektoren

Reflektoren

Reflektorenvergleich: Holzfigur

Reflektorenvergleich: Holzfigur

HINWEIS: Für den Hausgebrauch kann man sich Reflektoren jeder Größe selbst basteln, indem man z.B. dünne Rettungsfolie (eine Seite gold-, die andere Seite silberfarben; Outdoor-Laden) auf festen Karton oder Kapa-Platten (Bastelladen) glatt aufklebt. Die Kapa-Platten selbst dienen auch gut als Weiß-Reflektor.

Blasebalg & Reinigungstuch

Das A und O einer guten Bildqualität bedeutet auch, dass man sein Werkzeug sauber hält. Gute Dienste verrichten dabei ein Blasebalg (ist nie leer…) und ein hochwertiges Mikrofasertuch. Sollte bei keiner Ausrüstung fehlen.

Blasebalg & Tuch

Blasebalg & Tuch

Graukarte

In Lektion 4 schon besprochen, sollte sie – zumindest am Anfang – nicht fehlen. Wenn man später geübter ist, kann die Graukarte ersetzt bzw. ganz weg gelassen werden.

Graukarte

Graukarte

Stativ

Wie? Das hatte ich schon erwähnt. Egal, ein Stativ ist sooooo wichtig, dass eine zweite Erwähnung nicht schadet.

Es muss nicht das superschwere (oder extrem leichte) und superteure Profi-Stativ sein, aber auch nicht billiger Plastikschrott, der schon bei einem bösen Blick anfängt zu wackeln.

Gute Stative gibt es ab 120 Euro. Wichtig ist auch hier, was Sie in der Fotografie zu ihrem Schwerpunkt anfänglich machen möchten. Muss ich mit dem Stativ bodennah arbeiten können, soll es eine Tele sicher halten etc.

Stativreihe

Stativreihe

HINWEIS: Eine lange Mittelsäule ersetzt kein Dreibeinstativ entsprechender Höhe. In ungünstigen Situationen ist eine Mittelsäule nur ein Einbeinstativ auf einem Dreibeinstativ, welches wackelanfällig ist.

Jetzt Sie! – Aufgaben

Mmh, viele technische Sachen zum „Spielen“. Da es mir so wichtig ist und ihnen wichtig werden soll: Bitte zwei Fotos, bei denen Sie einmal freihändig und das andere Mal mit einem Stativ fotografieren. Zu diesem Zweck nehmen Sie am Besten ein Motiv, welches sich nicht bewegt bzw. bewegen kann. Besonders bei Brennweiten größer als 60 mm wird es so richtig interessant.

Als nächstes fotografieren Sie ein (kleines) Stillleben. Es kann im Zweifelsfall auch nur ein Gegenstand sein, den Sie mal mit und mal ohne die verschiedenen Reflektoren ablichten. Vielleicht probieren Sie auch mehrere Reflektoren, um neue Effekte zu erzielen?!

Lektion 5 – Objektive

Lektion 7 – Pixel, Schärfe & Speicherformate

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Lektion 5 – Objektive

17. August 2009

Was erwartet Sie in Lektion 5?

Diese Lektion verschafft Ihnen einen Überblick über die Flut von Objektiven und erläutert die Unterschiede. Weitwinkel-, Tele-, Makro- und Zoom-Objektive werden beschrieben und Beispiele für ihren optimalen Einsatz gegeben.

Ich sehe was, was du nicht …

Auch wenn manche vielleicht es anders sehen, aber das Objektiv ist der wichtigste Ausrüstungsgegenstand eines Fotografen. Ein gut funktionierendes Objektiv, das zugleich eine hervorragende Schärfe liefert, werden sie spätestens dann zu schätzen wissen, wenn die Qualität ihrer Bilder (Komposition!) sich verbessert, aber nicht die optische Bildqualität.

Ein wirklich gutes Objektiv zeichnet sich durch eine robuste und spielfreie Mechanik aus. Hinzu kommt, dass bei den hochwertigen Objektiven zudem noch spezielle Linsen zum Einsatz kommen, die besonders oberflächenvergütet sind.

Sicher, die Anschaffung eines oder gleich mehrerer Objektive ist kostspielig, aber sind es doch wert, wenn man daran ernsthaft interessiert ist, die bestmöglichen Fotos zu machen.

Ein Blick in einen regulären Händlerkatalog verdeutlicht die heutige Vielfalt: 32 verschiedene Objektive. Für jeden etwas dabei. Für welches sie sich letztendlich entscheiden, hängt davon ab, was sie bevorzugt fotografieren möchten. Ich stelle ihnen nachfolgend die Objektivtypen vor. Nachher kaufen sie noch alle 32 Objektive …

Weitwinkel-Objektiv

Das menschliche Auge sieht wie mit einem 50er Objektiv, also einem Objektiv der Brennweite 50 mm. In der Tat entsprechen Fotos, die mit solch einer Brennweite aufgenommen wurden, dem eigenen Sehempfinden.

Alle Objektive, deren Brennweite darunter liegen, werden als Weitwinkel-Objektive bezeichnet. Eine ganz klassische Brennweite ist z.B. 24 mm.

Weitwinkel-Objektive werden bevorzugt in der Landschaftsfotografie eingesetzt. Aber auch Gruppenaufnahmen lassen sich damit umsetzen.

Weitwinkel eignen sich besonders dann, wenn Sie möglichst viel einer Umgebung mit ins Bild einbeziehen möchten. Allerdings gibt es einen kleinen Nachteil: Je größer der Bildwinkel wird, desto mehr werden in den Randbereichen Linien gekrümmt. Besonders extrem ist dieser Effekt bei den so genannten „Fisheye“-Objektiven (um die 10 mm). Allerdings setzen viele Fotografen diese Verzeichnung auch gerne als gestalterisches Mittel ein. Ein Fisheye sollte aber nicht zwingend auf ihrer Liste ganz oben stehen.

Weitwinkelaufnahme: Flusslandschaft

Weitwinkelaufnahme: Flusslandschaft

Tele-Objektive

Um ein Tier besonders formatfüllend abzulichten oder die Distanz zu einem Sportler zu überbrücken, ohne gleich auf das Spielfeld zu rennen, setzt man ein Tele-Objektiv ein. Die Brennweiten reichen dabei in der Regel von 70 bis 800 mm. Wobei letztere Brennweite Objektive hervorbringt, die fast 5 Kilogramm wiegen und mehrere tausend Euro kosten.

Mit einem „Tele“ holt man sich nicht nur sein Motiv nah ran, man eliminiert auch gleichzeitig störende Elemente links, rechts, vor und hinter dem Hauptmotiv. Denn der Bildwinkel verkleinert sich, je größer die Brennweite wird.

Den Effekt der Verzeichnung, der so typisch für die Weitwinkel-Objektive ist, kann durch ein Tele eliminiert werden. Sollte man vielleicht im Hinterkopf behalten, wenn man sein Hauptaugenmerk auf Architektur gelegt hat. Wer noch einen Schritt weitergehen will, dem seien die PC-Objektive ans Herz gelegt, wenn es gilt, stürzende Linien zu beseitigen. „PC“ steht für das englische Perspective Control (Perspektivenkontrolle) und weist darauf hin, dass mit diesen speziellen Objektiven, die man in sich quer verschieben kann, Linien nahezu parallel dargestellt werden können.

Tele: Uhu

Tele: Uhu

Makro-Objektiv

Der Teufel, nein, die Schönheit steckt oft im Detail. Um kleine Dinge groß raus zu bringen, dafür benötigen sie ein Objektiv, mit dem sie gaaaaanz nah an das Motiv können. Ein echtes Makro-Objektiv lässt sie einen Gegenstand in seiner natürlichen Größe auf den Sensor bannen.

Mittlerweile reichen die Brennweiten bei den „Makros“ von 50 mm bis 200 mm. Auch hier gilt, dass der Bildwinkel umso größer ist, umso kleiner die Brennweite wird. Mit einem 50er Makro können sie z.B. einen Frosch ganz groß fotografieren und haben gleichzeitig noch die Möglichkeit, sein natürliches Umfeld mit ins Bild mit einzubeziehen. Mit einem 200er Makro machen sie die gleiche Aufnahme vom Frosch, aber jetzt würden sie ihn durch den kleineren Bildwinkel freistellen.

Ach ja, bei dem 200er können sie auch mehr Abstand halten. Nicht unwichtig wenn es um Fluchtdistanzen (ab wann z.B. flieht ein Tier) oder gefährlichere Tiere als ein Frosch geht.

Sicherlich eine Frage des Geschmacks, aber auch die des Geldbeutels, denn das 200er Makro wird rund dreimal mehr kosten, als das 50er Makro.

Spinnennetz mit Wassertropfen

Spinnennetz mit Wassertropfen

HINWEIS: Objektive mit einer kleineren bzw. kürzeren Brennweite haben eine größere Schärfentiefe, als Objektive mit größeren bzw. längeren Brennweiten.

Zoom-Objektiv

Die steigende Zahl an Zoom-Objektiven beweist es, sie sind beliebter als je zuvor. Ein Zoom vereint schlichtweg mehrere Festbrennweiten in einem Objektiv. Anstelle eines 24ers, eines 50ers, eines 180ers Makro und eines 300ers (das volle Programm: Weitwinkel, Standard, Makro und Tele), nehmen sie nur noch ein 28-300 Makro-Zoom-Objektiv mit. Ist das nicht fantastisch? Ja und Nein.

Die Vorteile „wiegen“ auf der Hand, denn sie tragen definitiv weniger Gewicht mit sich (4 Objektive = 3200 g oder 1 Objektiv = 400 g). Und die Anschaffungskosten sind auch viel geringer.

Jetzt zum ABER. Obwohl die Qualität der Zoom-Objektive über die letzten 20 Jahre (So lange fotografiere ich schon? – ich muss wohl alt sein…) kontinuierlich verbessert hat, stellen sie doch nur einen Kompromiss dar. Es mag verständlich sein, dass, wenn man noch mehr Linsen hintereinander packt, die Qualität darunter leiden muss. Außerdem steckt noch mehr Mechanik in den Objektiven, die Probleme bereiten kann.

Sie merken schon, ich bin kein allzu großer Fan von Zooms. Die Zoom-Objektive, die wirklich gute Qualität bieten, kosten auch gleich wieder ein Sch*****geld.

Und noch etwas: Wie zuvor schon bei den Blendenwerten, gibt es auch bei den Zooms einen optimalen Einstellbereich – die mittleren Zoombereiche! Das heißt, dass z.B. bei einem 70-300er Zoom die beste Schärfe um die 180 mm zu erwarten ist. Schade eigentlich, es hätte alles so schön sein können.

Ein allerletztes Wort – ganz ehrlich – zum Thema Zoom. Viele Digitalkameras bieten einen „digitalen Zoom“. Dabei ist das Zoomen aber ein rein softwaregesteuerter Prozess. Da dabei keine neuen Pixel hinzugeführt werden, ist die Auflösung der Vergrößerung, nun ja, bescheiden. Netter Werbetrick, aber in der Praxis nicht brauchbar.

Bildwinkel

Bildwinkel

Bildwinkel: Ansitz im Wald

Bildwinkel: Ansitz im Wald

HINWEIS: Die Hersteller bieten unterschiedliche Serien von Objektiven an. Dabei gibt es einmal die Objektive, die sowohl für den Einsatz an einem analogen (35 mm SLR), als auch an digitalen Gehäuse geeignet sind.

Der zweite Typ von Objektiven ist jedoch so berechnet, dass er optimal auf die Sensorgröße abgestimmt ist. Diese Objektive können nur an digitalen SLR angesetzt werden.

Seien Sie gut …

… zu Ihren Objektiven (und Mitmenschen). Befolgen Sie auf das Genauste die Herstellerangaben zu Pflege IIhrer Objektive. Vermeiden Sie starke Verschmutzung (wie z.B. Schlamm – glauben Sie mir, ein Objektiv davon zu befreien ist mehr als lästig…) und reinigen Sie es – wenn nötig – sofort. Blasebalg und Mikrofasertücher sind die erste Wahl. Wenn der Blasebalg versagt, versuchen Sie es mit einer antistatischen Bürste.

Schmierflecken beseitigen Sie mit dem Mikrofasertuch. Beginnen Sie immer in der Mitte der Linse und arbeiten sich in kreisenden Putzbewegungen zum Rand hin vor. Bei hartnäckigeren Flecken hilft manchmal vorheriges Anhauchen (nicht Anspucken, pfui!). Vermeiden Sie aggressive Lösungsmittel.

Wenn gar nichts mehr geht, hilft immer noch der Kundenservice vieler Hersteller.

In der kalten Jahreszeit sollten Sie darauf achten, dass ihre Kamera nicht beschlägt, wenn Sie vom Kalten ins Warme wechseln. Die Feuchtigkeit schadet sonst der Elektronik. Sie können z.B. ihre Objektive und die Kamera in einen von diesen Zip-Lock-Beuteln stecken. Die Feuchtigkeit schlägt sich dann außen am Beutel nieder.

Jetzt Sie! – Aufgaben

Da nicht erwartet werden kann, dass Sie zu Beginn gleich eine vollständige Ausrüstung haben, folgende Übung: Nehmen Sie ein Objektiv bzw. das Objektiv welches Ihnen zur Verfügung steht und versuchen Sie jeweils unterschiedliche Themen damit zu realisieren. Das kann z.B. wie folgt aussehen: Sie besitzen ein Makro-Objektiv. Damit können Sie – genau – einmal Makro-Fotos machen. Aber Sie können sich auch an Landschafts- und Porträtmotiven probieren. Mit einem Standard-Objektiv lässt sich auch noch so einiges umsetzen. Mit einem Tele ist es schwieriger, aber auch nicht unmöglich. Makro-Fotografie wird vielleicht nicht gelingen, aber dafür der Rest …

Lektion 4 – Belichtung

Lektion 6 – Elementares & Nützliches

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Lektion 4 – Belichtung

2. Februar 2009

Was erwartet sie in Lektion 4?

Lektion 3 hat Ihnen gezeigt, wie Sie über die Blende, die Verschlusszeit und deren Zusammenspiel, die Lichtmenge kontrollieren. Die entscheidende Frage ist aber doch, woher weiß man eigentlich die korrekte Lichtmenge?

Ziel dieser Lektion ist es daher, ihnen das Ermitteln der geeigneten Belichtung zu vermitteln. Sie werden eine Ihrer Hände benötigen (keine Angst, sie bleibt dran), eine Graukarte, vielleicht auch mal ein Histogramm und eventuell ein Blitzgerät.

Auch tagsüber sind alle Katzen grau!

Wenn es darum geht, die Lichtintensität zu messen, dann können Sie dafür natürlich ihre Kamera nutzen. Leider gibt es bei der Belichtungsmessung mittels Kamera ein ganz großes Problem, denn die liegt oft ganz falsch. Ein Herstellerfehler? Sollten Sie die Kamera umtauschen? Nein, die haben sich schon etwas dabei gedacht. Sie werden sehen- und verstehen!

Üblicherweise messen Kameras Licht, das von einer Szene oder Gegenstand reflektiert wird, durch die Linse (im englischen ist es TTL „Through The Lense). Allerdings benötigt der Lichtsensor, auf den das Licht, nachdem es durch das Objektiv gelangt ist, einen Referenzwert. Sonst fehlt die Information, ob das einfallende Licht hell bzw. dunkel bedeutet.

Dieser Referenzwert bezieht sich auf einen Grauton, der zwischen ganz weiß und schwarz liegt und der exakt 18 Prozent einer auffallenden Lichtmenge reflektiert.

Da das nun für die Kamera das Maß aller Dinge ist, diesen Mittelwert anzugeben, wird alles dazu in Relation gesetzt – mit drastischen Auswirkungen.

Betrachten Sie bitte einmal die beiden Fotos.
Karton: schwarz vs. weiß
Karton: schwarz vs. weiß

Können Sie mir sagen, welches davon das Foto von einem weißen bzw. schwarzen Karton ist? Verstehen Sie jetzt das Problem. Aufgrund der Eichung, wird jede, wirklich jede Kamera versuchen, ein Motiv auf diesen Mittelwert zu bringen und entsprechend eine Belichtung (Kombination aus Blende und Verschlusszeit) vorgeben.

Wenn man es weiß, kann man damit wunderbar arbeiten. Sie können sich, nein, Sie sollten sich eine Graukarte zulegen. Eine Graukarte ist meistens ein Karton, der mit einem Grauton beschichtet wurde, der eben genau die erwähnten 18% Licht reflektiert.

Bevor Sie nun den Auslöser betätigen, halten sie die Graukarte zwischen Motiv und Kamera und achten Sie darauf, dass die Karte im selben Lichtverhältnis wie das Motiv ist. Sie erhalten so eine Belichtungsmessung, mit der Sie optimal arbeiten können.

Alternativ geht auch Ihre Hand. Genauer gesagt die Handinnenfläche. Unabhängig von Hautfarbe oder Geschlecht, ist die Handinnenfläche der meisten Menschen cirka eine Blende heller als Grauton-Mittelwert. Messen Sie mit Ihrer Handinnenfläche und korrigieren Sie dann um eine Blende (Sie brauchen mehr Licht, denn die Hand macht der Kamera vor, es sei auch mehr Licht vorhanden).
Hand als Graukarte

Hand als Graukarte

HINWEIS: Wenn Sie bei der Belichtung ganz sicher gehen wollen, dann verwenden Sie Belichtungsreihen. Viele Kameras bieten diese Funktion, bei der die Kamera zusätzlich die nächsten Fotos über- bzw. unterbelichtet (je nachdem, was Sie vorgeben).

Es sollte keine Routine werden, aber bevor Sie eine schlecht belichtete Aufnahme von dem Ungeheuer von Loch Ness bei GEO einreichen, sicherlich eine gestattete Vorgehensweise.

Eigentlich können Sie alles als „Graukarte“ verwenden, Sie müssen sich lediglich merken, um wie viele Blenden Sie anschließend korrigieren müssen.

Blendenkorrektur

Blendenkorrektur

Anvisieren und Abdrücken!

Die überwiegende Zahl der Kameras bietet dem Fotografen drei Optionen, um die Belichtungsmessung vorzunehmen: Matrix, Mittenbetont, Spot. Schauen wir einmal, was sich dahinter verbirgt und warum es diese Drei gibt.

Matrix:

In dieser Einstellung berücksichtigt die Kamera nahezu das ganze Bildfeld.

Zu verwenden, wenn sich die Lichtbedingungen schnell ändern, die Farben sehr gemischt sind oder Sie ein Blitzgerät verwenden wollen.

Mittenbetont:

Auch hier wird das ganze Bildfeld vermessen, aber der Schwerpunkt wird auf den zentralen Bereich des Bildfeldes gelegt.

Am besten wird diese Variante verwendet, wenn das Motiv in diesem Messfeld liegt. Oft bei Porträtaufnahmen mit Blitzgerät. Aber ganz offen gesagt, finde ich das mittenbetonte Messen überflüssig und bevorzuge dann doch die Messung mit

Spot:

Die Kamera hat dabei einen zentralen kreisrunden Messbereich, der etwa 2-3% der Bildfläche ausmacht.

Wenn Sie nur einen ganz bestimmten Bereich Ihres Bildfeldes vermessen wollen, sollten Sie diese Variante wählen. Ideal, wenn Sie eine Graukarte messen oder einen sonstigen Mittelton, egal ob nah oder fern.

Messfelder im Vergleich

Messfelder im Vergleich

Messfelder im Foto

Messfelder im Foto

Histogramm oder schneller sein?

An für sich sind Histogramme, die nahezu schon ein Standard bei digitalen Kameras sind, eine feine Sache, denn sie zeigen die Belichtung eines Fotos.

Es gibt i.d.R. drei Bereiche und je nachdem, wie sich das Balkenhistogramm darstellt, kann man daraus ersehen, ob ein Bild über- oder unterbelichtet ist. Ein korrekt belichtetes Bild zeichnet sich dann dadurch aus, dass sich der „Hügel“ mittig des Histogramms, also zwischen den Schatten- und Lichterbereichen befindet. Sollte sich dieser Hügel zu sehr auf der Schattenseite (links) befinden, ist das Bild unterbelichtet. Bei einer Überbelichtung rückt der Hügel stark nach rechts, zur Lichterseite hin.

Die andere, traditionellere Variante, ist die Belichtungsskala. Striche und Plus-/Minuszeichen helfen einem, den richtigen Belichtungswert zu finden.

Histogramm

Histogramm

Bevor Sie sich aber mit den Balkenhistogrammen beschäftigen, lernen Sie lieber den sicheren Umgang mit der Belichtungsskala, denn diese hat mehrere Vorteile: Sie wird im Sucher eingeblendet, sie erkennen gleich, wie viel Blendenwerte sie vom Mittelton abweichen (können dann schnell korrigieren) und sie verbraucht weniger Strom, da Sie nicht, wie beim Histogramm, auf den LCD-Monitor angewiesen sind.

Zudem ist jedes Histogramm anders und für den Anfänger zu viel an Information. Nachher, für eine eventuelle Nachbearbeitung besser, aber eigentlich wollen wir ja nicht nur hinter dem Rechner sitzen …

Manchmal gibt es mehr als nur ein Weiß

Wer schon einmal versucht hat, eine Wand mit weißer Farbe unterschiedlicher Hersteller zu streichen, weiß, dass es nicht nur einen Weißton gibt. Um Farben realistischer darzustellen, bieten Digitalkameras eine Korrekturmöglichkeit durch den Weißabgleich.

Tageslicht, Kunstlicht und Blitz lassen jeweils Farben unterschiedlich wirken. So gab es z.B. spezielle Diafilme, die extra für Kunstlicht entwickelt worden waren, sonst hätten bei einem normalen Diafilm die Dias alle einen bräunlichen Farbstich gehabt.

Heute können Sie in ihrem Kameramenü die entsprechende Auswahl (Automatisch, Kunstlicht, Leuchtstofflampe, Direktes Sonnenlicht, Blitz, Bewölkter Himmel, Schatten) treffen.

Weißabgleiche

Weißabgleiche

HINWEIS: Mit einer Graukarte können Sie auch einen Weißabgleich vornehmen. Die Farbtemperaturen werden dabei exakter ermittelt, als z.B. mit einem weißen Blatt Papier, denn die enthalten oft Aufheller.

Segen und Fluch zugleich: Der Blitz

Einige Fotografen lehnen es kategorisch ab, andere wiederum möchten nicht mehr darauf verzichten. Die Rede ist von einem Blitzgerät.

Ich selbst versuche den Blitz so selten wie möglich einzusetzen, daher werde ich das Thema auch nur anschneiden. Ansonsten müsste ich wohl einen komplett neuen Kurs nur rund ums Blitzen entwickeln …

Der Segen ist sicherlich, dass Sie Ihre eigene Lichtquelle mit sich führen können (viele Kameramodelle haben ja sogar einen eingebauten Blitz). Sie sind sozusagen unabhängiger von dem natürlichen Licht. Aber der Fluch ist ganz häufig, dass Fotos, die mit einem Blitz aufgenommen wurden, nicht mehr natürlich wirken. Grelles Licht und zu starke Schlagschatten wirken nun mal nicht schön.

Die Kunst der Blitzfotografie ist es, ein Foto zu machen, auf dem der Blitzeinsatz nicht offensichtlich ist.

Jetzt muss man allerdings den führenden Herstellern von Blitzgeräten einräumen, dass sich sehr viel auf dem Sektor getan hat. Die eingebauten Blitze, als auch die externen Blitze sind so gut auf die Kameras abgestimmt, dass die lästige Rechnerei aus früheren Zeiten wegfällt.

Fliegenfischerporträt: mit/ohne Blitz

Fliegenfischerporträt: mit/ohne Blitz

HINWEIS: Wenn möglich, blitzen Sie ihr Motiv nie direkt von vorne an. Das Blitzlicht sollte das Umgebungslicht in seiner Helligkeit nicht übertreffen. Um harte Schatten zu vermeiden, versuchen Sie mit Diffusern zu arbeiten (Kunststoffabdeckungen, die auf den Blitzreflektor gesteckt werden) oder indirekt zu belichten (z.B. den Blitzreflektor so neigen, dass er erst gegen eine größere Fläche blitzt).

Holzfiguren: Belichtungsvarianten

Holzfiguren: Belichtungsvarianten

Holzfiguren: Belichtungsvarianten

Holzfiguren: Belichtungsvarianten

Jetzt Sie! – Aufgaben

Machen Sie mehrere Aufnahmen von einem Motiv, wobei Sie sich zuerst auf die Matrix-, Integral- und Spotmessung verlassen. Anschließend nutzen sie eine Graukarte oder ihre Hand, um die korrekte Belichtung zu ermitteln.

Erstellen Sie eine Belichtungsreihe, bei der Sie von der eigentlichen Messung (mit Graukarte o.ä.) um 0.5 Blendenwerte nach oben und unten abweichen. Gefallen Ihnen die unter- bzw. überbelichteten Fotos evtl. besser?

Um ein wenig mit der „Weiß-Balance“ vertrauter zu werden, nehmen Sie ein weißes Objekt und fotografieren es unter den verschiedensten Lichtbedingungen (Glühlampe, Neonlicht, Tageslicht, Schatten etc.). Probieren Sie auch die Einstellungen für den Weißabgleich ihrer Kamera aus, indem Sie bei gegebener Lichtquelle die WB-Einstellungen an ihrer Kamera ändern (siehe Beispiel mit der Gummiente).

Lektion 3 – Belichtung

Lektion 5 – Objektive

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Lektion 3 – Belichtung

29. Januar 2009

Was erwartet sie in Lektion 3?

Die ersten beiden Lektionen haben Sie mit der Komposition eines Bildes vertraut gemacht und wie Sie an die Motivsuche herangehen. Für die optimale Umsetzung in ein gelungenes Bild fehlt nur noch die korrekte Belichtung.

Wie viel Licht auf den Sensor gelangt, bestimmen Sie durch wenige Parameter, die ich ihnen hier vorstellen möchte und vor allem deren Zusammenhänge. Ihnen werden die Begriffe Blende, Verschluss oder auch Tiefenschärfe begegnen und noch viel besser – am Ende wissen sie was sich dahinter verbirgt. Mehr noch, sie werden das neu erworbene Wissen gezielt einsetzen können. Bestimmt!

Es ward Licht – doch sie kontrollieren es!

Eigentlich ist Fotografieren ganz, ganz einfach. Zumindest die Physik dahinter. Hat er wirklich Physik gesagt? Hat er, aber kein Grund feuchte Hände zu bekommen. Ich werde Sie nicht mit physikalischen Gesetzen foltern, aber einige grundlegende Zusammenhänge sollten Sie schon verinnerlichen.

In der ersten Grafik ist schematisch der Weg des Lichtes durch das Objektiv auf den Sensor dargestellt. Bevor das Licht aber auf den Sensor trifft, muss es zwei „Kontrollposten“ passieren: Die Blende und den Kameraverschluss.

Lichtweg

Die Blende (in der Grafik rot) ist ein aus Lamellen bestehender Ringverschluss und befindet sich oft am unteren Teil eines Objektivs. Die (meist) 8 Lamellen sind so angeordnet, dass sie eine runde Öffnung ergeben. Wie groß der Durchmesser dieser Öffnung ist, wird durch Drehen am Blendenring bestimmt.

HINWEIS: Einige Objektive, wie z.B. die „G“-Serie von Nikon, besitzen keinen Blendenring mehr und die Blende wird nur noch durch Drehräder am Kameragehäuse eingestellt!

Der Kameraverschluss (in der Grafik grün) ist das zweite Hindernis für das Licht. Dieser Verschluss besteht ebenfalls aus Lamellen und bildet einen kleinen Vorhang vor dem Sensor. Die Verschlusszeiten, also wie lange der Vorhang vor dem Sensor weggezogen bleibt, stellen sie am Kameragehäuse ein.

Durch die Blende und die Verschlusszeit haben Sie die volle Kontrolle über das einfallende Licht. Durch das Verstellen der Blende bestimmen sie die Lichtmenge, die durchgelassen wird. Machen sie die Blendenöffnung weit auf, kann viel Licht einfallen und umgekehrt.
Mit der Verschlusszeit legen sie nun auch noch fest, wie lange eine bestimmte Menge an Licht auf den Sensor treffen soll. Mehr steckt da nun wirklich nicht hinter. Ok, ein bisschen mehr schon, aber dazu kommen wir später noch mal.

Was sagen mir die Zahlen?

Ohne Zahlen geht es nun mal nicht und ehrlich gesagt, machen sie vieles ja auch einfacher. Nehmen wir einmal die Blendenzahlen, die entweder auf dem Objektiv stehen oder zumindest im Kameradisplay angezeigt werden. Wie ätzend wäre es, wenn sie jedes Mal, um die Blendenöffnung zu kontrollieren, das Objektiv abnehmen müssten? Klar, würde kein Mensch machen und wir haben ja die Zahlen.

Im Englischen spricht man auch von f-Stops, denn die Blendenzahl oder auch Blendenwert steht im direkten Verhältnis zur Brennweite des Objektivs (Psst – sollte der Physikunterricht auch Sie nicht beim Schlafen gestört haben: das kleine „f“ steht für Brennweite).

Der Blendenwert ist das Verhältnis zwischen der Brennweite (f) eines Objektivs und dem Durchmesser der Blendenöffnung. Ich mache es mal anschaulicher: Nehmen wir an Sie haben ein Objektiv auf dem 200 mm steht (die Brennweite). Dann ist das die Entfernung vom Sensor zur Linse, wenn auf Unendlich fokussiert wurde. Dabei gehe ich von einer Festbrennweite aus und nicht von einem Zoom-Objektiv. Und es gibt Ausnahmen, aber ich will hier nicht zu technisch werden, bevor Sie mir noch mit dem Kopf auf die Tastatur fallen.

Wenn jetzt der Durchmesser der Blendenöffnung z.B. 50 mm beträgt und Sie nicht in der Zwischenzeit das Objektiv gewechselt haben, dann ergibt 200 geteilt durch 50 gleich 4. Eine Blendenöffnung von 50 mm ist schon recht weit offen und lässt viel Licht durch. Der Blendenwert dazu ist f/4.

Blendenöffnungen im Vergleich

Blendenöffnungen im Vergleich


Anderes Beispiel gefällig? Dasselbe 200er-Objektiv, aber ein Durchmesser von nur noch 6,25 mm (wenig Licht wird durchgelassen). Die dazugehörige Blende ist also f/32.
Aus diesem Beispiel können sie sich auch gleich eine Faustregel ableiten und merken:

Je größer der Blendenwert, desto weniger Licht wird durchgelassen!

Eine typische Blendenwertreihe kann wie folgt aussehen: f/1.4, f/2, f/2.8, f/4, f/5.6, f/8, f/11, f/16, f/22, f/32, wobei diese Reihe so aufgebaut ist, dass sich die Menge des Lichts um das Zweifache ändert, wenn die Blende um einen Wert verstellt wird.

Stellen Sie also Ihre Blende an dem 200er-Objektiv von sagen wir f/4 (50 mm) auf f/5.6 (35.7 mm), so wird nur noch die Hälfte der ursprünglichen Lichtmenge durchgelassen. Hierbei spricht der Fotograf vom „Abblenden“, wenn die Blendenöffnung verkleinert wird.

Stellen sie ihre Blende allerdings von f/4 (50 mm) auf f/2.8 (71.4 mm) ein, dann wird die doppelte Lichtmenge durchgelassen.

Jetzt wird der aufmerksame Leser vielleicht bei sich denken – hä? Die Hälfte von 50mm ist doch 25 mm und nicht 35.7 mm. Sie haben ganz Recht. Hat mich anfänglich auch immer irritiert, aber die Lösung liegt in der Fläche der Öffnung und nicht in deren Durchmesser! Wollten wir die einfallenden Lichtmengen berechnen, müssten wir die Werte der Flächen der Blendenöffnungen berücksichtigen, welche sich zum Quadrat ändern. Ah, ja… Überlassen sie diese Tatsache einfach den Mathematikern, Sie wollen ja auch nicht Rechnen, sondern gute Fotos machen.

Es mag auch auf den ersten Blick verwirrend sein, dass größere Zahlen weniger Licht bedeuten, aber man gewöhnt sich schnell daran. Ich, als bekennender Rechenschwächling, konnte es, dann schaffen Sie es auch!
Blendenzahlen

Blendenzahlen
HINWEIS: Mittlerweile kann man an den Kameras auch Blendenwerte einstellen, die zwischen den oben genannten liegen (z.B. f/2.8, f/3.2, f/3.5, f/4, f/4.5, f/5, f/5.6, f/6.3, f/7.1, f/8, […], f/32). Dieses ermöglicht eine noch feinere Kontrolle über die Lichtmenge.

Vorhang auf!

Kommen wir zum Kameraverschluss bzw. den Verschlusszeiten. Hier gibt es zum Glück nicht viel zu verstehen. Stellen sie die Verschlusszeit auf eine Sekunde ein, dann wird sich der Vorhang für eine Sekunde nicht vor dem Sensor befinden und Licht trifft für diese Zeit ungehindert auf. Stellen sie eine Tausendstelsekunde (1/1000) ein, verkürzt sich die Zeit entsprechend.

Verstellen sie die Verschlusszeit z.B. von 1/2 Sekunde auf 1/4 Sekunde, wird die Lichtmenge halbiert. Stellen sie von 1/2 Sekunde auf 1 Sekunde, so wird die Lichtmenge verdoppelt. Fertig! Das war einfach.

Verschlusszeiten

Verschlusszeiten

Doppelte Lichtkontrolle

Jetzt haben Sie den spannenden Teil erreicht, denn nun folgt der Zusammenhang zwischen Blendenwert und Verschlusszeit.

Angenommen Sie haben die Blende f/4 und eine Verschlusszeit von 1/500 Sekunde eingestellt. Jetzt wollen sie aber viel lieber die Blende f/5.6 nutzen. Warum ist an dieser Stelle vollkommen egal, einfach mal mitspielen. Durch das Abblenden reduzieren sie ja nun die Lichtmenge. Was sollten sie tun, wenn sie aber weiterhin wollen, dass die gleiche Menge an Licht auf den Sensor trifft? Nein, keine weiteren Hilfsmittel oder sonstige Veränderungen der äußeren Parameter werden genehmigt. Genau, sie ändern die Verschlusszeit, so dass nun länger Licht auf den Sensor fallen kann. Da hier die Blende um einen Wert geändert wurde und daher nur noch die halbe Menge an Licht einfällt, verlängern sie entsprechend die Verschlusszeit von 1/500 Sekunde auf 1/250 Sekunde.

Ich denke, sie ahnen schon, worauf das hier hinausläuft. Die Grafik 3c verdeutlicht noch mal den Zusammenhang von Blende und Verschlusszeit.

Blende vs. Zeit
Blende vs. Zeit

Wo Licht, da Schärfe – Schärfentiefe

Mit verschiedenen Blenden-Zeit-Kombinationen können Sie jeweils die gleiche Menge Licht durchlassen. Wäre es dann aber nicht das Unkomplizierteste zu sagen, dass viel Licht immer gut ist und daher wählt man stets eine weit geöffnete Blende (f/2, f/2.8 oder eben die größtmöglichste Blende, die das Objektiv bietet)? Zudem dann auch die Verschlusszeiten sich verkürzen und die Gefahr vor Verwacklungen ebenfalls verringert wird. Leider funktioniert es so nicht.

Ich hatte ja schon weiter oben angedeutet, dass hinter der Blendenfunktion ein wenig mehr steckt, als nur die Lichtkontrolle. Über die Blende bestimmen Sie nämlich eine weitere sehr wichtige Sache: Die Tiefe der Schärfe.

Was soll das sein? Wenn sie mit ihrem Objektiv auf einen Gegenstand fokussieren – ihn „Scharfstellen“ – dann wird alles, was sich in selber Entfernung zum Objektiv befindet, ebenfalls scharf erscheinen. Gegenstände die sich jedoch näher oder weiter entfernt befinden, erscheinen zunehmend unschärfer. Dieser Bereich von Schärfe und dessen Größe bzw. Tiefe wird Schärfentiefe genannt.
grafik_3d

Schärfentiefebereich

Und das ist die Crux an der ganzen Geschichte: Wenn Sie mehr Licht haben wollen, können sie aufblenden, aber dabei geht gleichzeitig Schärfentiefe verloren und manchmal ist es sehr wichtig, diese Schärfentiefe zu haben.

Die Schärfentiefe kann man vorab schon überprüfen, indem man die Abblendtaste betätigt. Dann erscheint im Sucher das Bild genau so, wie es nachher auf dem Sensor festgehalten wird. Allerdings wird sich das Sucherbild verdunkeln, wenn man Blendenwerte größer als f/11 verwendet.

Schärfentiefeserie: Buchenblätter

Schärfentiefeserie: Buchenblätter

Schärfentiefe: Buchenblätter gering vs. groß

Schärfentiefe: Buchenblätter gering vs. groß

HINWEIS: Wenn sie nicht die maximale Schärfentiefe oder eine sehr schnelle Verschlusszeit benötigen, verwenden sie Blendenwerte um f/8 bzw. f/11. Denn die Physik von Objektiven besagt, dass bei den mittleren Blendenwerten die schärfsten Gesamtfotos entstehen.

Ja, natürlich, Sie nutzen schlichtweg längere Verschlusszeiten, um das zu kompensieren, aber oftmals erhalten Sie dann Zeiten, die viel zu lang sind, als das man sie verwacklungsfrei nutzen könnte. Darauf komme ich in einer späteren Lektion auch noch mal zurück. Versprochen.

Halt! Stehen bleiben!

Eine letzte Sache noch, bevor die Lektion endet. Sie schaffen das kleine Stück auch. Seien sie tapfer!

Die Verschlusszeiten lassen gewisse Gestaltungsmöglichkeiten zu, speziell wenn man Bewegungen bzw. Gegenstände in Bewegung fotografiert.

Einmal angenommen, sie besuchen eine Sportveranstaltung und möchten Fotos machen. Besonders die Läufer faszinieren sie. Alles ist eingestellt und sie beginnen, die ersten Fotos zu machen. Kurzer Blick auf das Display und müssen feststellen, dass alle Bilder unscharf sind, zumindest die Läufer. Woran liegt´s?

Sehr wahrscheinlich ist die Verschlusszeit nicht kurz genug. Wirklich schnelle Läufer schaffen über 30 km/h. Das ist sehr schnell. Wenn sie von so einem Läufer ein Bild möchten, auf dem der Läufer selbst scharf zu sehen ist, dann müssen sie seine Bewegung „einfrieren“. Verschlusszeiten kürzer als 1/250 Sekunde werden erforderlich.

Andererseits kann eine gewisse Bewegungsunschärfe aber eben genau dieses Gefühl von Geschwindigkeit vermitteln. Ob Sie nun eine scharfe Aufnahme eines flüchtigen Moments erstellen oder durch leichte Unschärfe Bewegung suggerieren wollen, hängt alleine von Ihrer Intention und Kreativität ab.

Bewegungseinfrierung
Bewegungseinfrierung: Wasserhahn
Bewegungseinfrierung: Wasserhahn

Bewegung: Sportler
Bewegung: Sportler

Jetzt Sie! – Aufgaben

Machen Sie ihre eigene Bildserie, bei der sie zunächst nur die Blende verändern und die Verschlusszeit konstant halten. Anschließend entscheiden Sie sich für eine Blende und verändern nur die Zeit. Achten Sie bei der Veränderung der Blendenwerte darauf, wie sich evtl. der Hintergrund verändert.

Machen Sie drei Fotos, bei denen Sie jeweils die Veränderung der Blende durch die entsprechende Verschlusszeit kompensieren. Wenn Sie also z.B. mit der Kombination f/2.0 und 1/500 Sekunde anfangen, könnten die nächsten beiden Fotos z.B. mit den Kombinationen f/4 und 1/125 Sekunde und f/11 und 1/15 Sekunde gemacht werden. Wichtig ist, dass die Werte möglichst weit auseinander liegen. Alle drei Bilder sollten aber die gleiche Belichtung haben. Ist die Bildwirkung aber immer dieselbe?

Versuchen Sie selbst einmal Bewegung festzuhalten. Ob Sie dabei die Bewegung ganz einfrieren oder sich für das Mitschwenken entscheiden, sei dabei Ihnen überlassen. Im Gegenzug dazu können Sie eine Aufnahme machen, bei der eine längere Verschlusszeit für einen kreativen Effekt sorgt.

Lektion 2 – Sehen lernen

Lektion 4 – Belichtung

Fotokurs zum Download

Lektion 2 – Sehen lernen

21. Januar 2009

Was erwartet sie in Lektion 2?

Die grundlegende Idee der Bildkomposition kennen sie aus der vorangegangenen Lektion. Allerdings ist das nur die halbe Miete, auf dem Weg zum guten Foto. Sie müssen natürlich noch ein Motiv finden, mit dem sie überhaupt anfangen können zu komponieren. Die erfolgreiche Suche dürfte das Schwierigste sein und trennt, gerade im Profibereich, die Spreu vom Weizen.

Diese Lektion steht voll und ganz im Zeichen der Frage: Wie finde ich ein interessantes Motiv?

Das Auge des Fotografen

Eine Bildkomposition beginnt bei dem Motiv. Aber eines zu finden, ist leichter gesagt als getan bzw. das gefundene Motiv so abzulichten, dass es den Betrachter anzieht.

Bei meinen ersten fotografischen Schritten war ich selbst auch noch sehr unbeholfen. Jedes mal, wenn die Dias aus dem Labor kamen, folgte eine Enttäuschung: Das war nicht so, wie ich es gesehen hatte. Was war hier falsch?

Ganz häufig, wenn wir irgendwo unterwegs sind, sehen wir etwas und denken spontan: Das sieht toll aus! Gesagt und weiter gegangen. Aber wenn sie festhalten möchten, was sie so angesprochen hat, dann bedarf es ein wenig Überlegung.

Meine Fotos wurden besser, als ich anfing, mir jedes Mal eine zentrale Frage zu stellen (habe ich mir von einem Naturfotografen abgeguckt):

Was macht den Gegenstand oder die Szene besonders? Was ist das Besondere?

Ich versuche das einmal an einem Beispiel zu verdeutlichen, aber glauben sie mir, das „Auge des Fotografen“ kommt nicht einfach über Nacht. Es ist – wieder einmal – ein Lernprozess.

Nehmen wir einmal Blumen. Blumen sind schön! Sie ziehen die Kameras magnetisch an und rufen durch ihr Aussehen förmlich: Los – fotografiere mich! Schaut man sich auch einmal in den diversen Fotoforen um, findet man immer wieder Blumen (gerade, wo ich diese Zeilen tippe, nehme ich ein aktuelles Fotomagazin und sehe mir die Gewinner eines Fotowettbewerbs an. Und, was glauben sie, welches war ein oft vertretenes Motiv?).

Anhand von einem Blumenmotiv möchte ich ihnen eine erste Regel für einen besseren fotografischen Blickwinkel nahe bringen:

Machen sie einfach(e) Bilder!

Eine gute Bildkomposition benötigt ein deutliches Motiv, ein klares Thema bzw. ein zentrales Objekt.

Ein nicht vorhandenes, herausgearbeitetes Motiv wirkt kaum auf den Betrachter und er wird sich fragen, warum dieses Foto überhaupt gemacht wurde. Wenn sie nicht wissen, was sie an einem Objekt interessiert hat, werden es sie es auch nicht vermitteln können. Aber ich wollte ja konkreter werden …

Bei mir um die Ecke gibt es eine kleine Parkanlage, wo sich auch ein noch kleiner Garten befindet. Ich hatte kein spezielles Thema im Kopf, sondern wollte mich einfach von dem überraschen lassen, was ich dort evtl. vorfinde.

Mir fielen bei meinem Rundgang schnell die rosa-lilafarbenen Blumen ins Auge. Durch den leicht bewölkten Himmel schienen ihre Farben noch intensiver. In der ersten Lektion ging es nur um den Unterschied zwischen Schnappschuss und Fotografie. Hier gehen wir jetzt einen Schritt weiter.

Lila Blumen
Lila Blumen: Schnappschuss vs. Fotografie

Zuerst ging es mir um die Blumen als Gruppe und habe sie auch als solche fotografiert. Als ich jedoch die Fotosachen wieder in den Rucksack packen wollte und ich am Boden kniete, sah ich diese einzelne Blüte, die nicht so hoch gewachsen war, wie die anderen. Auch wenn die Blumengruppe einen ersten netten Eindruck hinterließ, so wollte ich doch diese einzelne Blüte stärker betonen und ihre Isoliertheit hervorheben.

Daher habe ich bewusst einen Blickwinkel gewählt, der die Blüte umgeben von vielem anderen „Grünzeug“ zeigt.

Lila Blüte
Lila Blüte

Nehmen sie sich Zeit. Noch mehr …

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Oder, wie in diesem Beispiel, ein kleines Detail.

Verweilen wir noch ein wenig in diesem Garten und sehen als nächstes schöne weiße Rosen. Zuerst gefiel mir die Schlichtheit dieser weißen Rosen, deren Zentrum nur ein bisschen gelbe Blütennarben und –stempel zeigen. Ich machte mein Foto und betrachtete das Ergebnis. Zuerst war ich auch zufrieden, aber irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, etwas übersehen oder zumindest nicht gut dargestellt zu haben.

Daher ging ich am nächsten Tag wieder hin, betrachtete mir die einzelnen Blüten. Nah, ganz nah. Und dann fielen die Schuppen plötzlich von den Augen: Die Wassertropfen! Auf einigen der Blüten befanden sich Wassertropfen auf den Blütenblättern. Ich habe mir das Stativ so eingestellt, dass ich genau auf „Augenhöhe“ mit einer Blüte war und habe mich bei der Komposition auf die Tropfen konzentriert.

Weiße Blüte vs. Blütenblätter

Weiße Blüte vs. Blütenblätter

HINWEIS: Nehmen sie sich viel Zeit. Schauen sie sich ihr Motiv von allen Seiten und allen Winkeln an. Fokussieren sie – im wahrsten Sinne des Wortes – auf den Teil, den sie wirklich betont haben möchten.

Es ist nie zu spät!

Die Fotografie ist ein wunderbares Medium, wenn es darum geht um aus seinen Fehlern zu lernen. Heben sie ruhig Bilder auf, die ihnen nicht zusagen. Legen sie diese zur Seite und holen die Bilder bei Bedarf wieder vor. Seien sie kritisch und versuchen kann klar zu formulieren, warum ein Bild nicht gelungen erscheint (das ist sozusagen der umgekehrte Prozess einer Bildkomposition).

Sehen sie sich das Bild dieser Pilzgruppe an. Mir war diese Gruppe zuerst gar nicht aufgefallen, bis ich darauf hingewiesen wurde. So, wie sie dort auf dem moosbewachsenen Baumstamm wuchsen, das hatte was. Ich machte mich an die Bildkomposition und drückte ab.
Pilzgruppe

Pilzgruppe

Leider habe ich mir nicht wirklich viel Zeit gelassen, denn dann wäre mir es möglich gewesen, noch vor Ort das Foto optimaler zu gestalten. Was mich stört? Was würde sie an diesem Bild stören? Welches Bildelement gehört ihrer Meinung nach geändert?

Für mich ist es der Hintergrund. Zum einen habe ich dort diese hellen Grüntöne, durch Blätter, die in der Sonne stehen. Dann habe ich aber auch diesen langen dunklen Balken, der ein Baumstamm im Schatten ist, und der sich auch noch diagonal durch das Bild zieht. Dadurch sieht der Hintergrund nicht nur zu dunkel aus, er ist einfach vieeeeeel zu unruhig. Auch geht ein wenig von der Plastizität der Pilzgruppe verloren.

Viel ärgerlicher ist eigentlich die Tatsache, dass ich weiß, dass ich es hätte optimieren können. Dazu wäre nur nötig gewesen, das Stativ so aufzubauen, das wesentlich mehr bzw. nur noch Laub den Hintergrund ausgefüllt hätte.

Solche nachträglichen Bildbetrachtungen sind sehr hilfreich, wenn man es beim nächsten Mal besser machen will.

HINWEIS: Vereinfachen sie ihr Motiv bzw. die Komposition, wann immer es möglich ist. Viele Bilder verlieren ihre Aussagekraft durch zu viele störende Nebenelemente, die nur vom Hauptmotiv ablenken.

Aus einem anderen Winkel betrachten

Eine kleinere Sache, die aber zum Teil dramatische Veränderungen herbeiführen kann, ist die Wahl des Blickwinkels. Bei vielen Dingen des täglichen Lebens sind wir es gewohnt darauf zu schauen. Wir betrachten sie von oben herab. Daher kann alleine die Wahl eines „ungewöhnlichen“ Bildwinkels schon zu einer Interessensteigerung führen. Löse sie sich einfach von ihrem alltäglichen Sehen …

foto_2e
Preiselbeeren: Aufsicht vs. Bodenansicht

Lieber hoch oder quer „schießen“?

Eine weitere Frage, die sich bei der Bildgestaltung stellt, ist die nach dem Format. Soll das Motiv besser als Quer- oder Hochformat abgebildet werden?

Auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Pauschalantwort. Der Jesus aus der ersten Lektion wurde hauptsächlich im Hochformat aufgenommen, da die aufrechte Form der Statue dieses schon ein wenig vorgibt. In den anderen Lektionen werden ihnen weitere Hochformatbilder begegnen, doch eigentlich ist es eine Frage des Geschmacks, für welches Format sie sich entscheiden. Wichtig ist zu beachten, welches Format dem Motiv einen stärken Ausdruck verleiht. Manchmal, ja manchmal, haben aber auch beide Formate für ein und dasselbe Motiv ihren Reiz …

Preiselbeeren: Hochformat

Preiselbeeren: Hochformat

Jetzt sie! – Aufgaben

Wählen sie ein Motiv und machen mehrere Aufnahmen aus verschiedenen Abständen und Blickwinkeln. Wählen sie drei Fotos aus, von denen sie meinen, dass diese besonders ansprechend sind und begründen es.

Kramen sie einmal ein älteres Foto, dass ihnen gut gefällt, wo sie aber sagen, dass noch der nötige Schliff fehlt, hervor und besprechen es unter Berücksichtigung der Regeln der Bildkomposition.

Fotografieren sie ein Motiv sowohl im Hoch- als auch Querformat und versuchen dabei den Bildaufbau jeweils optimal zu gestalten.

Lektion 1 – Bildkomposition

Lektion 3 – Belichtung

Fotokurs zum Download

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