Bildaufbau – das Einzelmotiv und Detailaufnahmen

2. November 2011

Eine Blumenwiese ist in der freien Natur beeindruckend und schön anzusehen. Auf dem Foto erscheint das Motiv jedoch meist nicht so, wie man es selbst gesehen hat. Zu sehen ist dann oftmals nur ein buntes, aber recht flaches Bild, das den Betrachter eher langweilt. Daher ist es sinnvoller, sich auf ein einzelnes Motiv/Objekt zu konzentrieren.

Die folgenden Fotos sind gute Beispiele dafür. Die Schwan-Familie ist zwar in der freien Natur interessant – das Foto selbst wirkt unruhig und lässt keinen bewussten Bildaufbau erkennen. Das zweite Foto zeigt hingegen einen einzelnen Schwan aus der Nähe. Dieses Foto wirkt schon wesentlich runder und ruhiger.

schwan
schwaene

Detailaufnahmen

Üblicherweise wird das komplette Motiv abgebildet. Dazu knipsen die meisten Menschen aus dem Stand heraus – also auf ein kleineres Objekt herunter. Bei Kindern und Tieren sind solche Aufnahmen recht unvorteilhaft. Das folgende Foto wurde aus der Hocke aufgenommen und ist daher schon besser, als wenn der Fotograf aus dem Stand fotografiert hätte. Allerdings wirkt der Hintergrund unruhig und lenkt vom Motiv ab. Auch die Spiegelungen auf dem Panzer stören. Mit einem Stativ und abblendbaren Blitzlicht oder durch die Verwendung eines Diffuser hätten diese vermieden werden können.

schildkroete1

Die nächste Abbildung zeigt nur eine Detailaufnahme vom Kopf der Schildkröte. Da sich kaum einer auf den Boden legt, um sich eine Schildkröte genauer anzusehen, wirkt diese Aufnahme sehr viel spannender. Der Blick bleibt vor allem am Auge des Tieres hängen. Es lohnt sich also, die Dinge einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

schildkroete2

Bildaufbau in der Malerei – Tiefe erzeugen

2. November 2011

Ob in der Malerei oder Fotografie – für die Erzeugung von Tiefe gibt es einfache Grundregeln für den Bildaufbau. Ein Bild sollte dafür in vier Ebenen aufgeteilt sein – in Vordergrund, Mittelgrund, hinteren Mittelgrund und Hintergrund.

Je nach Motiv könnte der Vordergrund durch Personen, einen Baum oder ein Haus herausgearbeitet werden. Ein Weg, eine Wiese oder ähnliches könnte den Mittelgrund bilden. Dem sich ein hinterer Mittelgrund mit Wald, Berge oder eine Landschaft anschließt. Der abschließende Hintergrund ist oftmals der Himmel.

landschaft

Wichtig ist darauf zu achten, dass Gegenstände, die sich im Mittel- oder Hintergrund befinden, stets proportional kleiner gemalt werden müssen, als die, die sich im Vordergrund befinden. Wir erinnern uns an die Würfelzeichnung, die jeder einmal in der Geometriestunde gezeichnet hat. Auch wenn ein realer Würfel gleichlange Seiten hat, so werden die hinten liegenden Seiten auf einer Zeichnung schräg und verkürzt gemalt, um den optischen Eindruck eines dreidimensionalen Würfels zu erzeugen. Nicht anders ist es bei Zeichnungen von Häusern, Straßen und anderen Gegenständen.

Auch wenn es Grundregeln gibt, so kann davon auch abgewichen werden. Statt vier Ebenen, können bei manchen Motiven auch drei ausreichend sein.

Die Diagonale

Neben dem Goldenen Schnitt sollte die Wirkung der diagonalen Linie nicht vernachlässigt werden. Wird ein Bach fotografiert oder gemalt, dann könnte dieser beispielsweise in der linken unteren Bildecke beginnen und sich nach rechts oben durch das Bild schlängeln. Dieser Bildaufbau führt den Blick des Betrachters in das Bild hinein.

Diagonalen

Diagonalen

Auch einzelne Blumen wirken auf Bildern interessanter, wenn der Stil in einer Ecke endet und die Blüte diagonal auf der gegenüberliegenden Seite.

Diagonale Linie

Diagonale Linie

Die folgenden Fotos zeigen ein Motiv, allerdings einmal spontan fotografiert und ohne Beachtung der diagonalen Linie und einmal mit. Daran ist gut zu erkennen, wie ein bewusster Bildaufbau ein Motiv verändert. Auch ist zu sehen, dass die diagonale Linie nicht zwangsläufig bis zur gegenüberliegenden Seite führen muss.

Ohne Diagonale

Ohne Diagonale

Mit Diagonale

Mit Diagonale

Der Goldene Schnitt

Der Goldene Schnitt ist im Grunde eine mathematische Formel. Diese lässt sich in vielen Quellen nachlesen. Hier soll der Goldene Schnitt einmal ganz einfach erklärt werden – denn die meisten wollen malen und nicht rechnen. Dazu stellen wir uns vor, dass wir den Malgrund horizontal in drei gleiche Teile aufteilen und entsprechend Linien ziehen. Danach wird mit der vertikalen Seite ebenso verfahren. Damit sollten nun auf dem Malgrund neun Felder zu sehen sein.

Motivbeispiel: Die oberen drei horizontalen Felder könnten für den Himmel genutzt werden, die mittleren für die Landschaft und die unteren für den Vordergrund. Das Hauptmotiv kann in der Mitte positioniert werden. Allerdings wirkt das Motiv dann weniger spannend, es sei denn, man möchte ein absolutes symmetrisches Bild erreichen, wie es oftmals bei Architekturaufnahmen gemacht wird.

Spannend wird ein Motiv, wenn das Hauptmotiv oder dessen wichtigste Bereich vertikal in den ersten oder letzten Feldern positioniert wird. Die nachfolgende Aufnahme verdeutlicht dieses recht gut. Durch den bewussten Aufbau wird der Eindruck von Bewegung erweckt – das Kind läuft den Strand entlang. Mittig platziert hätte das Foto wesentlich weniger Ausdruck.

Zentriert

Zentriert

Drittel-Lehre

Drittel-Lehre

Nebenverdienst durch den Verkauf von Fotos

19. Oktober 2011

Für Webseiten, Blogs, Broschüren und Drucksachen werden ständig Fotos gesucht. Unternehmen beziehen ihre benötigten Fotos fast nur noch von Bilddatenbanken aus dem Internet. Daher sind diese auch ständig auf der Suche nach frischem Fotomaterial. Professionelle Fotografen haben die Bilddatenbanken längst als zweites Standbein entdeckt, aber auch so mancher Hobbyfotograf verdient mit seinen Fotos etwas Geld nebenbei.

Im Prinzip kann sich jeder als Fotograf in einer Bilddatenbank registrieren, ob die eingereichten Fotos den Qualitätskriterien entsprechen ist eine andere Sache. Es ist von Vorteil, wenn die Fotos eine hohe Auflösung haben, beispielsweise 8 Mio Pixel, damit diese auch für ein DinA 4 Prospekt vergrößert werden können. Die Ansprüche der Bilddatenbanken sind sehr hoch, verwackelte oder „verrauschte“ Fotos sollten erst gar nicht eingereicht werden.

Besonders gern werden sogenannte Businessmotive angenommen. Menschen am Arbeitsplatz oder im Büro. Auch freigestellte Produktfotos werden ständig benötigt oder Aufnahmen von Sehenswürdigkeiten, Urlaubsregionen oder aus der Tier- und Pflanzenwelt. Allerdings dürfen mit den Fotos keine Rechte Dritter verletzt werden. Welche Motive nicht kommerziell vermarktet werden dürfen, lässt sich in den Bilddatenbanken nachlesen.

Beispiel für Stockfotografie

Beispiel für Stockfotografie

Die Verkaufspreise werden in der Regel von den Bilddatenbanken vorgegeben. Der Fotograf erhält nach dem Verkauf einen prozentualen Anteil. Oft sind es 50 Prozent, die der Fotograf erhält. Das klingt im ersten Augenblick wenig, aber wenn man bedenkt, dass die Bilddatenbanken sich um die Vermarktung kümmern, wird klar, warum die Provision so hoch ist. Die Eigenvermarktung von Fotos macht bei der Masse der Konkurrenz wenig Sinn. Wer die Fotografie als Nebenjob in einer Bildagentur ausüben möchte, sollte sich besonders mit den Suchwörtern (Tags) auseinandersetzen. Neben der Fotografie an sich, sind sie das wichtigste Mittel für den erfolgreichen Verkauf. Ein Foto, das beispielsweise einen grünen Apfel zeigt, sollte mit den Tags „Obst, Apfel, grün“ versehen werden. Eine Aufnahme von einem Lavendelfeld in der Provence könnte folgende Suchwörter haben: Frankreich, Lavendel, Provence, Lavendelfeld, lila, violett, Lavendelblüten. Es ist hilfreich, wenn man sich vorstellt, mit welchen Begriffen man selbst nach einem solchen Motiv suchen würde.

Blitzgeräte

5. April 2011

Digitale Kameras, speziell die digitalen Spiegelreflexkameras DSLRs verbreiten sich immer mehr. Die Technik ist immer preiswerter geworden, so dass sich ach ambitionierte Amateure diese hochwertigen Geräte leisten können. Damit gelingen die tollsten Bilder und viele Amateurfotografen wollen diese auch ausdrucken. Doch manchmal fehlt dem Foto am Ende noch der letzte Schliff. Was stimmt nicht? Hat der eingebaute Kamerablitz das Objekt zu flach erscheinen lassen, oder ist eine Langzeitbelichtung verwackelt weil kein Stativ benutzt wurde? Was kann der Fotograf tun, um in einen Foto an verschiedenen Stellen unterschiedliche Lichtsituationen zu erschaffen? Kann ich meine Kamera über Funk auf eine Entfernung von ca. 100 Meter auslösen? Wie versorge ich meinen externen Blitz mit ausreichend Strom für ein längeres Shooting?

Damit sind wir dort angelangt, wo die meisten fortgeschrittenen Fotografen nach Lösungen suchen, das Fotozubehör um einige Geräte oder Teile zu erweitern. Was braucht man, um ein Foto aussehen zu lassen, als sei es vom Profi gemacht worden? Man braucht Profigeräte, wie z.B. einen Studioblitz oder teurer Fotoleuchten. Falsch! Es muss nicht immer teures Fotozubehör sein, um sein Ziel zu erreichen. Aufsteckblitze für DSLR-Kameras sind ein Mittel, um die Lichtsituation seinen Wünschen entsprechend anzupassen. Wenn man diese externen Blitze nun noch mit einen Empfänger versieht, dann kann man den Blitz oder auch mehrere Blitzgeräte auch in einen anderen Winkel zum Objekt aufstellen und von der Seite, von hinten oder oben blitzen. Der oder die Blitze wird dabei über einen auf der Kamera befindlichen Funksender ausgelöst und schaffen eine Lichtstimmung, die man mit auf der Kamera installierten Blitzgeräten nicht erreichen kann. Ein zusätzlicher Akkupack versorgt dabei den Blitz mit ausreichend Strom, damit es bei langen Fotosessions nicht dunkel wird. Diese Geräte kosten am Ende nur einen Bruchteil der teuren Studioausrüstung, sind wegen Ihrer Größe und den Einsatz normaler Batterien bzw. Akkus sehr transportabel und lassen sich somit auch bequem im Outdoor-Betrieb einsetzen.

Adapterringe für DSLR

29. September 2009

Vermutlich geht es anderen auch so. Die Anschaffung einer digitalen SLR ist nicht einmal mehr so kostspielig wie vor Jahren, aber will man sein Equipment erweitern, geht es mächtig ins Geld. Wenn man sich anschaut, was Objektive kosten, dann kann das vom Kauf ganz schön abschrecken. Nun gibt es Objektive vom Kamerahersteller, wie Nikon oder Canon, aber auch von Herstellern wie Tamron oder M42 Objektive. Letztere sind recht günstig, meist nicht so qualitativ hochwertig, aber für Hobbyfotografen durchaus geeignet.

Solche Objektive besitzen einen sogenannten M42 Anschluss. Hierfür gibt es wiederum Adapterringe mit denen man diese Objektive verwenden kann. Vielleicht hat der eine oder andere noch von seiner analogen SLR solche Objektive übrig und kann sie somit wieder nutzen. Mit entsprechenden Adapterringen können aber auch Objektive anderer Hersteller auf beliebige Kameratypen verwendet werden. Bevor man also neue Objektive kauft, könnte man zunächst schauen, ob man vorhandene oder günstige M42 Objektive mit einem Adapter einsetzen kann. Jedoch gibt es auch einen Nachteil, denn mit einem Adapter verlieren die Objektive ihren Autofokus, heißt, man muss sie per Hand einstellen.

Vogelfotografie

4. September 2009

Das Besondere an einer Vogelfotografie ist der Umstand, dass sich  lebende Objekte halt nicht immer gerade dort aufhalten, wo man sie bequemer Weise gerne hätte, sie oftmals sehr klein sind und auch selten still halten. Es ist sehr schwer mit einer Amateurausstattung wirklich schöne Vogelbilder zu bekommen, aber es gibt ja ein paar kleine Tricks. Zum einen bietet es sich an, sein „Motiv“ erst einmal zu studieren. Wo hält es sich bevorzugt auf und welche Gewohnheiten hat das Tier? Ein Tarnnetz kann dabei auch sehr hilfreich sein. Um nicht ständig vor dem Problem zu stehen, dass ein anderes Objekt den Vogel verdeckt, sollte man sehr dicht herankommen und dazu eignen sich ganz besonders Futter- oder Wasserstellen.

KolibriAuch Kameras mit langen Teleobjektiven eignen sich sehr gut. Bei Makroaufnahmen sind Geduld und eine gute Beleuchtung von größter Wichtigkeit. Brennweiten von 300 mm stellen das Minimum dar, sofern der Abstand zum Objekt nicht mehr ist als 3 Meter beträgt. Bei der digitalen Aufnahmetechnik reichen in der Regel sechs bis zehn Megapixel. Mit einer Brennweite von mehr als 1000 mm kann man auch noch den Vogel aus mehreren Metern Entfernung hervorragend fotografieren, jedoch wird dann jeder kleine Windhauch zum echten Problem. Nicht nur das Bild wird extrem vergrößert, sondern auch jede Bewegung wird auf dem Foto sichtbar. Ein Bild mit einem 300 mm Objektiv aus drei Metern Entfernung wird besser sein, als ein Bild aus acht Metern Entfernung mit einem 600 mm Objektiv. Nichts ist besser als die Nähe, die Zeichnungen und die Tiefenschärfe sind sehr viel besser, dass Bild wird eindrucksvoller und brillanter.

Lektion 11 – Portfolio

17. August 2009

Was erwartet Sie in Lektion 11 unserer Fotoschule?

Eigentlich ist die elfte Lektion keine Lektion mehr im eigentlichen Sinne. Vielmehr werde ich hier einige Gedanken zur Fotografie mit Ihnen teilen. Da es aber gut zu den folgenden Überlegungen und Tipps passt, werde ich Sie mit dem Portfolio bekannt machen.

Fotocollage (vier kleine Bilder)

Fotocollage (vier kleine Bilder)

Spielen Sie auf dem größten Spielplatz der Welt

Puh, in den vorangegangenen Lektionen haben Sie viel über technische Details, Komposition und Regeln erfahren. Sicherlich für den Anfang eine Menge, aber keiner verlangt ja auch von Ihnen, dass Sie alles sofort perfekt beherrschen. Wie viel Sie davon für sich umsetzen und dadurch bestimmen, wie schnell Sie sich in der Fotografie weiterentwickeln, hängt von Ihrem eigenen „Rhythmus“ ab. Aber je häufiger Sie die Kamera in die Hand nehmen und Ihre Umwelt ablichten, desto schneller werden Sie in Ihrer Entwicklung zum aufmerksameren Fotografen voranschreiten.

Spielen Sie ruhig mit der Kamera, in dem Sinne, dass Sie auch spontan Bilder machen sollten. Da draußen wartet ein Unmenge an Motiven, man muss Sie nur festhalten. Und zwingen Sie sich nicht zu sehr – sonst bleibt wohlmöglich noch der Spaß auf der Strecke!

„Nach“gedacht

Hier jetzt einige Gedanken, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte:

Dieser Kurs hat Ihnen Regeln beigebracht, die es auch zunächst zu befolgen gilt. Natürlich sind diese Regeln, wie so viele, auch dazu da, um sie gelegentlich zu biegen bzw. brechen.

Gibt es das richtige Motiv? Eindeutig NEIN! Das richtige Motiv ist das Motiv, welches Sie sich ausgesucht haben! Mann kann es vielleicht schlecht umsetzen, aber welches Motiv Sie wählen, sollte ganz allein Ihre Entscheidung sein.

Fotografie hat auch einen künstlerischen Anspruch und über Kunst kann man ja bekanntlich streiten. Sie können bei einem Foto alles richtig gemacht haben (Belichtung, Komposition, etc.) und doch wird es Leute geben, denen das Bild nicht gefallen wird. Zuallererst fotografieren Sie für sich und niemand anderen. Seien Sie daher stolz auf Ihre Fotos. Selbst wenn Sie lange an einem Foto gearbeitet haben und doch z.B. die Schärfenebene nicht optimal liegt… Dann machen Sie eben das nächste Mal besser. Streben Sie immer danach, noch besser zu werden.

Wann immer es geht, verwenden Sie ein Stativ! Entschuldigung, ich konnte aber nicht widerstehen.

Machen sie Fotos, Fotos, Fotos. Das tolle an der digitalen Fotografie ist doch, dass sie langfristig kostengünstiger ist und Sie sich erlauben können, auch viele Bilder wieder zu löschen. Es gibt einige Kameras, die bieten Ihnen ähnliche Kontrolle wie eine SLR, ohne aber gleich so wuchtig und sperrig daherzukommen. Sie sind zwar kein Ersatz für eine SLR, aber Sie werden diese kleinere Variante eher mitnehmen (zum Sportplatz, zum Konzert, zum Shopping, zum Wandertrip, etc.) und Sie werden Fotos machen.

In diesem Zusammenhang sollten Sie auch mit der Kamera „eins werden“. Sie sollten Ihre Kamera intuitiv bedienen können. Das fällt umso leichter, wenn die Kamera bedienerfreundlich ist. Darunter verstehe ich Folgendes: Ich möchte z.B. den ISO-Wert für ein Foto schnell wechseln. Wenn ich jetzt im Handbuch dazu aufgefordert werde, den Knopf A zu drücken, gleichzeitig Knopf B zu bedienen und dann noch mit dem Schneidezahn das Rädchen vorne an der Kamera auf die gewünschte ISO-Zahl zu stellen, dann ist das nicht anwenderfreundlich. Der Idealfall: Ich drücke einen Knopf und stelle an einem zweiten Knopf bzw. Rad den Wert ein. Von Vorteil ist es auch, bei möglichst einem Hersteller zu bleiben. Nicht nur wegen der Objektive, auch weil die Bedienungsfunktionen oftmals gleich oder zumindest sehr ähnlich sind. Dasselbe trifft dann auch oft auf verwendete Symbole und Bezeichnungen zu.

Seien Sie kreativ! Probieren Sie vieles für sich aus. Es gibt keine Grenzen. Dabei ist es legitim sich Anregungen bei anderen zu holen. Sie haben einen Lieblingsfotografen? Dann folgen Sie seinem Beispiel. Dabei sollen Sie ihn nicht kopieren (gleiches Motiv, gleiche Komposition, usw.), sondern sich von dessen Bildbänden etc. inspirieren lassen. Über die Zeit werden Sie wahrscheinlich für sich einen bevorzugten Bereich (Landschaft, Sport, Reisen, etc.), ein bevorzugtes Thema (Menschen, Akt, Tiere, Mode, etc.) und einen bevorzugten Stil (Tele, Makro, Weitwinkel) finden, wobei die Variations- und Kombinationsmöglichkeiten schier unendlich sind. Und wie bereits gesagt, die Motivwahl ist Ihrer Kreativität überlassen!

Sie haben eine kreativen Tiefpunkt erreicht oder glauben, dass Ihre Fotos nicht gut genug sind bzw. schön? Dann schauen Sie sich von Ihnen gemachte Fotos an, von denen Sie wissen, dass sie gelungen sind. Noch besser – hängen Sie diese auf. Machen Sie Abzüge, suchen einen schönen Rahmen aus und erfreuen sich so an Ihrem Werk. Was nützen die guten Fotos, wenn sie keiner betrachten kann? Und für Sie selbst kann es wie ein kleiner Motivationsschub sein.

Sie haben das Foto nicht gemacht, weil das Licht nicht „optimal“ gewesen ist oder sich im Hintergrund ein störendes Objekt befand? Schade, denn ich denke, dass man im Zweifelsfall immer abdrücken sollte. Vielleicht mag am Ende kein Adams, Newton oder Wolfe herausgekommen sein, aber es ist Ihre Szene und Ihr Moment. Wenn Sie nicht gerade Geld mit ihren Bildern verdienen müssen, dann darf man, nein, dann sollte man sich das auch erlauben. Darum geht es doch auch. Wir möchten besondere Momente für uns festhalten, um sie immer wieder erleben zu können. Daher meine Meinung: Abdrücken!

Bevor ich Sie jetzt endgültig ihrer eigenen Kreativität überlasse, eine letzte Sache zum Abschluss dieses Kurses: Das Portfolio. Ein Portfolio ist eigentlich eine Mappe oder ein Bildband voll mit Arbeiten eines Künstlers. Ein Portfolio kann aber auch eine Bilderstrecke sein, die aus Fotos zu einem Thema besteht. Das gibt dem Fotografen die Möglichkeit, sich besonders kreativ mit einer Sache auseinander zu setzen. Ich habe als Beispiel dieses kleine Portfolio zusammen getragen, dass unter dem Titel „Frühstück“ stehen könnte. Mit Portfolios lassen sich auch (Bilder-)Geschichten erzählen, wobei die einzelnen Fotos aufeinander aufbauen. Ich finde, dass das Erstellen eines Portfolios, die kreative Seite besonders fordert (und fördert). Der nervöse Bräutigam in den letzten Stunden vor dem Traualtar, der erste Schultag eines Kindes, der Einzug in ein neues Haus, die verbleibenden Tage eines Menschen vor seinem Tod oder die Restaurierung des Oldtimers, oder …

Portfolio: siehe oben, groß

Portfolio: siehe oben, groß

Jetzt Sie! – Aufgaben

Für den Abschluss dieses Kurses nun eine letzte Aufgabe, bevor ich Sie nun wirklich auf den Spielplatz entlasse. Fertigen Sie ein Portfolio an, dessen Thema in Ihrem unmittelbaren Umfeld zu finden ist. Das kann in ihrem Haus, Ihrer Wohnung oder bei der Ausübung eines Hobbys sein. Das Portfolio sollte mindestens aus drei, aber maximal aus fünf Fotos bestehen. Ich wünsche Ihnen viel Spaß!

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Lektion 10 – Portraitfotografie

17. August 2009

Was erwartet Sie in Lektion 10?

Streng genommen ist ein Porträt das Bild (besonders ab Brust aufwärts) eines Menschen. Ziel ist es, das Wesen bzw. die Persönlichkeit einer oder mehrerer Personen darzustellen. Dabei kann man die Porträtfotografie aber auch problemlos auf Tiere und Skulpturen erweitern.

Die Grundlagen zur Porträtfotografie sind in dieser Lektion zusammengefasst.

Porträt: Mädchenstatue

Porträt: Mädchenstatue

Rembrandts Licht

Einmal abgesehen von der Landschaftsfotografie (oder den vielen schönen Blumen), gehen höchstwahrscheinlich die meisten Kameras jeglicher Art deswegen über den Verkaufstresen, damit Freunde oder Familie im Bild festgehalten werden können.

Wie auch schon zuvor, spielt Licht eine entscheidende Rolle. Der Begriff Fotografie bedeutet ja auch „Malen mit Licht“. Anders ausgedrückt, die Kontrolle über die Lichtführung ist ein Element, welches der Fotograf zu seinem Vorteil nutzen sollte.

Als Erstes ist das natürliche Umgebungslicht zu nennen, also das Licht, welches wir vorfinden, wenn wir uns nur auf die Sonne als Lichtquelle verlassen. Das Licht der Sonne kann sich im Tagesverlauf dramatisch verändern. Nicht ohne Grund sprechen Fotografen auch von der goldenen bzw. magischen Stunde. Das ist die letzte bzw. erste Stunde des Sonnenlichts an einem Tag. Das Licht ist besonders in diesen Stunden sehr warm und kräftig. Auch für Landschaftsfotografen sind diese Stunden sehr interessant.

Um die Mittagszeit ist das Licht der Sonne zu hart und Farben wirken schnell ausgeblichen. Es sei denn, der Himmel ist bewölkt, dann haben sie den besten Diffuser, den man sich vorstellen kann. Man könnte auch von der weltgrößten Softbox sprechen.

Eigentlich sind Softboxen eine Errungenschaft der Studiofotografie, denn durch sie soll das Blitz- oder Studiolicht weicher gemacht werden. Dazu steckt die Lichtquelle in einem Kasten (der Box) und das Licht wird durch den Einsatz eines Diffusers (z.B. Transparentpapier) weicher („softer“) gemacht.

Wolkengefiltertes Licht ist extrem schön und natürlich anzuschauen und durch kein Blitzlicht der Welt zu ersetzen.

Sollte aber so gar keine Wolke am Himmel sein, können sie in schattige Bereiche ausweichen und wenn nötig die zu porträtierende Person mit einem Reflektor aufhellen.

Eine besondere Form der Lichtführung, die bewusst Regeln bricht, ist bei vielen als Rembrandt-Licht bekannt.

Der niederländische Maler Rembrandt Harmenszoon van Rijn nutzte in vielen seiner Gemälde eine ganz besondere Art der Lichtführung, bei der sich die Lichtquelle weit links (oder rechts) vom Hauptmotiv befindet. Da es keine weiteren Lichtquellen oder reflektierende Oberflächen gibt, wird nur eine Seite der gemalten Person beleuchtet. Die andere Seite verschwindet nahezu im Dunkeln.

Porträt Rembrandt & Goldhelm

Porträt Rembrandt & Goldhelm

Diese Seitenbeleuchtung ist in der Porträtfotografie weit verbreitet und beliebt, denn sie kann dramatische Effekte erzeugen.

Zu der Verwendung von Blitzgeräten sind bereits in der vierten Lektion ein paar Zeilen geschrieben worden. Versuchen sie weitgehend den Einsatz eines Blitzgerätes zu vermeiden. Lernen sie zuerst mit dem vorhandenem Licht zu arbeiten! Ist meistens auch das schönere Licht.

Porträt: Mädchen mit Buch

Porträt: Mädchen mit Buch

Ruhig mal mehr als nur Brust

Ok, das klassische Porträt zeigt nur rund ein Drittel einer Person, wobei der Schwerpunkt natürlich auf dem Gesicht liegen sollte. Aber es gibt ein erweiterte Variante der Porträtaufnahme: Das „Umfeld-Porträt“.

Ein Umfeld-Porträt zeichnet sich dadurch aus, dass nicht nur die Einzelperson gezeigt wird, sondern auch ein charakteristischer Teil seines alltäglichen Umfelds. Das kann bei einem Arbeiter einer Whisky-Fabrik eine Halle mit Fässern oder ein Raum mit den kupfernen Brennblasen sein. Der Reiter im Stall, ein Leser in der Bibliothek oder der Winzer im Weinberg, oder… Es gibt unendliche Möglichkeiten. Der Vorteil dieser Umfeld-Porträts liegt in ihrer Aussagekraft, denn ein Umfeld kann sehr viel über die porträtierte Person erzählen.

HINWEIS: Machen Sie probeweise aus ihren Porträtaufnahmen schwarz/weiße Bilder. Nicht selten kann das Fehlen von Farbe einem Porträtfoto einen interessanten abstrakten Charakter geben und so die Bildwirkung zusätzlich verstärken.

Porträt: Hund mit Mädchen

Porträt: Hund mit Mädchen

Porträt: Hund in der Kutsche – Nah & Umfeld

Porträt: Hund in der Kutsche – Nah & Umfeld

Das optimale Objektiv

…für Porträtaufnahmen ist das Objektiv, mit dem Sie ein gutes Porträt machen können. Entschuldigung, ganz kleiner Scherz, denn es gibt kein explizites Porträt-Objektiv.

Wollen Sie gezielt nur klassische Porträts aufnehmen, dann empfiehlt sich ein mittleres und lichtstarkes Tele. Ich bevorzuge dabei Brennweiten zwischen 100 und 200 mm. Wunderbar um eine gewisse Distanz zu waren und um den Hintergrund wegen der geringeren Schärfentiefe auszublenden.

Haben Sie jedoch mehr Interesse an der Umfeld-Porträtfotografie kommt ein gemäßigtes Weitwinkel daher. Mein Vorschlag wären Brennweiten um die 35 mm (±10 mm). Selbstverständlich können Sie auch mit einem Tele Umfeld-Porträtfotos gestalten, Sie sollten nur ausreichend Platz zum Zurückgehen haben.

Aufs Korn genommen

Eine sehr reizvolle Form der Porträtfotografie ist das Fotografieren nur mit dem vorhandenen Umgebungslicht. Vielfach als available light photography bezeichnet. Um überhaupt noch Fotos machen zu können, greifen z.B. die Reporter-Fotografen auf sehr schnelle, meistens schwarz-weiße Filme zurück. Diese Filme haben (hatten) ISO-Werte von z.B. 1600, 3200 usw. und zeigen eine deutliche Körnung. Diese kann, wie ich finde, aber sehr zum Bildausdruck beitragen.

Wenn Sie ihre Digitalfotos körniger haben möchten, sollten Sie nicht die ISO-Werte an Ihrer Kamera raufschrauben. Sie erhalten mehr Rauschen, aber nicht unbedingt den erwünschten Körnungseffekt. Fotografieren Sie wie bisher bei kleinen ISO-Werten und fügen erst später den gewünschten Grad an Körnung hinzu.

Umfeldporträt: Fliegenfischer – farbig vs. b/w

Umfeldporträt: Fliegenfischer – farbig vs. b/w

Tierporträt: Wisente

Tierporträt: Wisente

Porträt: Jungenstatue

Porträt: Jungenstatue

Jetzt Sie! – Aufgaben

Zum Aufwärmen ein Porträt von einer Statue, die IIhnen besonders gefällt. Ob Sie sich dabei für ein klassisches Porträt oder für ein Umfeldfoto entscheiden sei Ihnen überlassen.

Für diese Lektion möchte ich Sie natürlich auch bitten, dass Sie ein Porträtfoto im Rembrandtstil machen. Wenn möglich ein lebendes Objekt.

Erstellen Sie ein farbiges Porträt und wandeln Sie es in ein s/w-Foto um. Es ist Ihnen freigestellt, ob Sie evtl. einen Tönung und / oder Körnung zufügen möchten.

Lektion 9 – Landschaftsfotografie

Lektion 11 – Portfolio

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Lektion 9 – Landschaftsfotografie

17. August 2009

Was erwartet Sie in Lektion 9?

Die Landschaftsfotografie zieht unter Fotografen sehr großes Interesse auf sich. Kein Wunder, denn da draußen warten wunderschöne Landstriche, Naturgebiete und Szenerien nur darauf, abgelichtet zu werden.

Mit wenigen Schritten werden Sie ihre Landschaftsfotos in Hingucker verwandeln. Die Tipps dazu gibt es hier oder kennen Sie z.B. schon die hyperfokale Entfernung?

Roter Busch vor Eiche

Roter Busch vor Eiche

Nicht nur unendliche Weiten

„…den entscheidenden Prüfstein für den Fotografen – und oft die entscheidende Enttäuschung.“ Das sind die Worte eines der berühmtesten Landschaftsfotografen aller Zeiten (genau, Ansel Adams seine Worte).

Die, die es noch nie versucht haben, denken sicherlich, dass Landschaftsfotografie der leichteste Bereich der allgemeinen Fotografie sei. Man richte nur seine Kamera auf die Bergkette, die Blumenwiese, den Sonnenaufgang und voilá – isch abe eine wunderschöne Bild. Leider ist es nicht so einfach.

Das Hauptproblem besteht darin, dass Kamera und Gehirn nicht dasselbe sehen. Wenn Sie eine Szenerie betrachten und lassen das Auge schweifen, setzt unser Gehirn daraus unwillkürlich einen visuellen Eindruck zusammen.

Besonders den Eindruck von Weite zu vermitteln, scheitert oft an der „Nüchternheit“ der Kamera. Wenn wir mit dem Auge eine Landschaft ansehen, wechseln wir unbewusst zwischen Objekten aus dem Vorder- und Hintergrund.

Wenn wir dem Bildbetrachter einen Bezugspunkt anbieten können, dann kann man ebenfalls räumliche Tiefe erzeugen.

HINWEIS: Besonders wenn Sie mit Weitwinkel-Objektiven fotografieren, versuchen Sie dem Betrachter einen interessanten Gegenstand im Vordergrund anzubieten.

Flusslandschaft mit Bezugspunkt im Vordergrund

Flusslandschaft mit Bezugspunkt im Vordergrund

Unendliche Schärfentiefe

Wie schon in der Makro-Fotografie, spielt die Schärfentiefe eine sehr wichtige Rolle, wenn es um den allgemeinen Bildeindruck geht. Jetzt mag man versucht sein und denken, dass für die größtmögliche Schärfe das Objektiv nur auf Blenden kleiner als f/16 und der Fokus auf unendlich eingestellt werden muss. Dachte ich lange, sehr lange auch, aber es ist nicht der optimale Weg.

Das mit der Blende stimmt bedingt, aber sobald Sie kürzere Verschlusszeiten benötigen, weil sich z.B. die Blätter im Vordergrund doch lieber nicht bewegen sollen, dann müssen Sie umdenken.

Es gibt aber eine sehr feine Sache, die, wenn man sie berücksichtigt, zu schärferen Landschaftsaufnahmen führt: Die hyperfokale Entfernung.

Grundsätzlich liegen vom Schärfentiefebereich bei der Fokussierung auf eine bestimmte Ebene ein Drittel vor und zwei Drittel hinter der Fokusebene. Stellen sie die Kamera auf ∞ ein, verlieren Sie die zwei Drittel hinter der scharf eingestellten Ebene. Die Lösung dafür sieht so aus:

Um den Schärfentiefebereich zu maximieren, fokussieren Sie auf die hyperfokale Entfernung. So erreichen Sie, dass alles, was sich von der Hälfte dieser Entfernung bis zur Unendlichkeit, scharf abgebildet wird.

Zugegeben, das klingt zunächst wie Voodoo, aber es funktioniert. Hier ein Beispiel, wie Sie auch die Tabelle für sich nutzen können.

Sie stehen mit ihrer Kamera und einem 28er Weitwinkel in der Wüste (hoffe, Sie haben genug Wasser) und möchten die Dünenlandschaft fotografieren. Vor Ihnen liegen die Knochen eines Kamels, die Sie unbedingt als Blickfang mit in das Bild integrieren sollten. Nachdem, was Sie oben gelesen haben, können Sie jetzt nicht das Skelett so platzieren, dass es bei der Einstellung auf ∞ scharf ist und hoffen, dass das auch auf den Hintergrund zutrifft.

Anhand der Tabelle sehen Sie, dass für das 28er und bei Blende f/16 ein Meterwert von 1,80 steht. Fokussieren Sie nun mit ihrem Objektiv auf eine Entfernung von 1 Meter 80, wird alles, was sich im Bereich von 90 Zentimetern und unendlich befindet, scharf abgebildet.

Oder ein 50er und Blendenwert von f/32. In der Tabelle nachgeschaut und eine Entfernung von 3 Meter 5 gefunden. Also wird jeder Gegenstand, der sich ab 1 Meter 50 im Bild befindet scharf sein. Natürlich nur, wenn Sie zuvor auf die hyperfokale Entfernung von 3 Meter 5 fokussiert haben. Das Einstellen der benötigten Entfernung ist nicht ganz einfach und erfordert Übung. Zum Glück gibt es (noch) an den Objektiven Skalierungen, die einem das Einstellen der Entfernungen erleichtert.

Drucken Sie sich die Tabelle mit den Werten für die hyperfokalen Entfernungen aus und stecken Sie diese zu Ihrer Fotoausrüstung. Das nächste Mal, wenn Sie dann wieder eine Landschaft fotografieren möchten, nehmen Sie die Tabelle zur Hilfe. Legen Sie erst die Blende fest, suchen Sie den entsprechenden Tabellenwert für die Entfernung und stellen diesen dann über den Fokussierring ein.

Sollte Ihr Objektiv keine Entfernungsangaben besitzen oder diese eher unbrauchbar sein (kommt auch vor), dann müssen Sie improvisieren. Abstände von bis zu 2 bis 3 Metern lassen sich noch gut abschätzen oder vermessen. Bauen Sie Ihr Stativ auf, legen die Blende fest, lesen den Tabellenwert ab und stellen dann auf einen Gegenstand scharf, der sich in der benötigten Entfernung befindet. Oder Sie legen einen Gegenstand (z.B. eine Jacke oder Rucksack) in die gewünschte Entfernung, fokussieren und bevor Sie auslösen, entfernen den Hilfsgegenstand.

Auf einigen Objektiven befindet sich sogar eine Skala für die Schärfentiefe. Das ist eine feine Sache, denn dann bestimmen Sie zuerst die Blende und drehen dann den Einstellring solange, bis das Symbol für Unendlich in Deckung mit der Blendenzahl auf der Schärfentiefenskala ist (unglücklicherweise verzichten offenbar immer mehr Objektivhersteller auf solch eine Skala…).

Hyperfokaldistanzen

Hyperfokaldistanzen

Farben satt

Zwei Sachen könne bei der Landschaftsfotografie wirklich sehr lästig werden: Starker Kontrast und Reflexionen.

Mit Kontrast ist gemeint, dass die Helligkeitsunterschiede zwischen Vor- und Hintergrund so ausgeprägt sind, dass entweder der Vordergrund korrekt, dafür aber der Hintergrund (meistens der Himmel) überbelichtet ist und umgekehrt.

So teuer Ihre Bildbearbeitungssoftware auch gewesen sein mag, auch die kann dort nichts hinzaubern, wo es keine Informationen gibt (starke Über- oder Unterbelichtung ist nun mal nur einfach weiß bzw. schwarz). Aus diesem Grund sollte jeder Landschaftsfotograf eine oder mehrere dieser ND Verlaufs-Graufilter bei sich führen, denn mit denen kann man zu harte Kontraste korrigieren.

Baum im Gegenlicht

Baum im Gegenlicht

Eine weitere Lästigkeit sind kraftlose, ausgewaschene erscheinende Himmel. Besonders um die Mittagszeit, wenn die Sonne hoch steht und der Himmel nicht sehr bewölkt ist, wirken Farben sehr schnell blass.

Um die Farben zu intensivieren, kann man einen Polfilter (zirkular) verwenden. Mit dem erreichen Sie ein Foto, das von dem Farben her auch Ihrem visuellem Eindruck entspricht.

Landschaft mit/ohne Polfilter

Landschaft mit/ohne Polfilter

Klarer Schnitt

Die Lage der Horizontlinie ist definitiv ein weiteres gestalterisches Element und es ist Ihrer Kreativität überlassen, wo Sie den Horizont in ihrem Bild platzieren (so lange Sie an die Grundregeln aus Lektion 1 denken). Aber um Himmelswillen (wie passend), wenn Sie ihre Bildkomposition aufteilen, tun Sie es ganz gerade. Der Schnitt muss einfach perfekt sein.

Der schönste und spektakulärste Sonnenuntergang an der Ostsee wird zur Seekrankheit, wenn der Horizont nicht ganz akkurat gerade ausgerichtet worden ist.

Sollte Ihre Kamera die bereits erwähnte Option von Gitterlinien im Sucherbild haben, dann ist gut. Wenn nicht, auch kein Grund zur Verzweiflung. Ich habe es zwar nicht bei den Ausrüstungsgegenständen in Lektion 6 aufgelistet, denn meine Kamera hat Gitterlinien, aber ist es doch ein sehr nützlich daher kommendes „Gimmick“: Die Wasserwaage. Sie müssen jetzt nicht denken, dass eine ein Meter lange Waage auf Ihre Kamera gebunden werden muss. Nein, es gibt extra kleine Wasserwaagen, die Sie in den Zubehörschuh (eigentlich für ein externes Blitzgerät) stecken können.

Diese Waagen sollten mit zwei Libellen (die mit einer Blase versehenen Flüssigkeiten) für Hoch- und Querformat versehen sein. Wahrscheinlich sogar genauer, gerade bei Situationen mit wenig Licht, als Gitterlinien im Sucher. Muss ich mal testen …

Wasserwaage

Wasserwaage

Sonne & Mond

Sonne & Mond

Leitlinien: Parkallee & Waldweg

Leitlinien: Parkallee & Waldweg

Jetzt Sie! – Aufgaben

Landschaftsaufnahmen setzen nicht nur Wüsten, Seen, Wälder und Gebirge in Szene. Ich bin mir sicher, dass es auch direkt vor Ihrer Haustür Landschaft zu entdecken gibt. Machen Sie eine Aufnahme davon.

Lektion 8 – Makro-Fotografie

Lektion 10 – Portraitfotografie

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Lektion 8 – Makro-Fotografie

17. August 2009

Was erwartet Sie in Lektion 8 zur Makro-Fotografie?

Kleines ganz groß – mit einem Makro-Objektiv an der Kamera kann man sich auf Entdeckerreise begeben. Obwohl schon kurz in Lektion 5 beschrieben, geht diese Lektion noch mal etwas tiefer ins Detail (im wahrsten Sinne des Wortes). Tipps und Hinweise sollen Sie für einen Einstieg in die schöne Welt der Nahaufnahmen begeistern.

Blattadern

Blattadern

Je größer das Kleinste, desto fantastischer

Sie interessieren sich also für die Makro-Fotografie, sonst hätten Sie wohl nicht so weit gelesen. Finde ich gut, denn mir persönlich macht das Fotografieren von Details am meisten Spaß. Die Suche nach neuen Motiven ist wie eine kleine Forschungsreise, bei der man nur die Augen offen halten sollte.

Um mit der Makro-Fotografie zu beginnen, bedarf es nicht gleich einer aufgeblasenen Ausrüstung. Ein Kameragehäuse, das eine Abblendfunktion hat, evtl. Spiegelvorauslösung (bei SLR-Kameras), Optionen der Fernauslösung und einen großen Sucher (nicht nur wichtig für Brillenträger), sollten vorhanden sein.

Bei der Brennweite können Sie frei wählen, wobei Sie die jeweiligen Vor- und Nachteile (siehe Lektion 5) für sich abwägen sollten. Wenn ich mich für nur ein einziges (Makro)-Objektiv entscheiden müsste, würde ich eine Brennweite um die 105 mm wählen. Ich finde, diese Brennweite lässt noch die meisten Variationen zu und es gibt sie noch in Lichtstärken von 2.8.

Auf die Gefahr hin penetrant zu wirken, aber Sie brauchen – na? – genau, ein Stativ! Und natürlich einen Stativkopf etc. Das Stativ sollte Ihren Bedürfnissen angepasst sein. Werden Sie viel im Wald oder grundsätzlich in der freien Natur unterwegs sein, wo sich viele interessante Motive bodennah befinden werden, dann sollte die Beine des Stativs sich entsprechend weit spreizen lassen (85°-90°).

Lassen Sie sich nicht auf umgedrehte Mittelsäulen oder ähnliche Spielereien ein, denn damit ist das Arbeiten sehr unbeholfen, es sei denn, Sie stammen aus einer Akrobatenfamilie.

Kurze Wege zu besseren Makros

Wie für jede andere Fotografie auch, gelten die „Regeln“, welche schon in den ersten beiden Lektionen behandelt worden sind.

Eine der größeren Herausforderungen in der Makro-Fotografie ist das Fokussieren und Einstellen des Schärfentiefebereichs. Denn ja näher Sie sich mit ihrer Kamera auf ein Motiv zu bewegen, desto schmaler wird der Bereich für die Schärfentiefe. Entweder legt man die Schärfe dann auf einen wichtigen Ausschnitt oder versucht die Schärfentiefe zu erweitern.

Um die Schärfentiefe zu maximieren, sollten Sie nicht Blenden größer als f/16 verwenden. Versuchen Sie zusätzlich die Sensorebene so auszurichten, dass diese parallel zur Motivebene steht. Bei den von mir verwendeten Gehäusen ist sogar markiert, auf welcher Höhe sich die Film- bzw. Sensorebene befindet. Ist sehr hilfreich, wenn man u.U. den genauen Abstand zwischen Sensorebene und Motiv benötigt.

Sollte es nicht möglich sein, das Objekt vollständig scharf darzustellen, konzentrieren Sie sich auf einen vorderen Teil, denn dieser wirkt dann plastischer, da er vor einem komplett unscharfen und verwischt wirkenden Hintergrund steht.

Rote Beeren

Rote Beeren

Licht auf die kleinen Dinge werfen

Die Makro-Fotografie setzt, da sie meistens mit sehr kleinen Blendenöffnungen arbeiten, viel Licht voraus. Wenn Sie sich mit Ihrer Kamera vor die Haustür wagen, dann können Sie auf die Unterstützung der Sonne hoffen.

Das Gute bei der Makro-Fotografie ist, dass Sie wirklich nur einen sehr kleinen Ausschnitt betrachten. Sollte sich das Motiv in sehr grellem Sonnenlicht befinden, können Sie mit einem Diffuser das Licht streuen und es wirkt dadurch weicher. Als Diffuser können Sie z.B. einem sehr dünnen weißen Stoff nehmen, den Sie zwischen Sonne und Objekt halten.

Ein „Streuvorsatz“ ist auch bei dem Einsart eines oder mehrerer Blitzgeräte hilfreich. Normalerweise ist das abgegebene Licht ganz gerade nach vorne raus. Das kann aber zu harten Schlagschatten führen. Um diesen Effekt zu minimieren können Sie entweder durch einen Diffuser hindurch fotografieren oder nutzen entsprechende Blitzaufsätze.

Ein Blitzgerät wird dann zwingend, wenn Sie z.B. kleine Tiere in ihrer Bewegung einfrieren wollen. Aus der Tabelle in Lektion 3 ist ersichtlich, dass Sie sehr kurze Verschlusszeiten für solche Aufnahmen brauchen. Bei Blenden kleiner als f/11 undenkbar. Also: Blitz her. Dieser, wenn es kein Ringblitz ist, sollte so weit wie möglich von der Kamera positioniert werden.

Da ein Foto wesentlich durch die Art der Lichtführung bestimmt wird. Großflächige Beleuchtung schafft diffuses und gleichmäßiges Licht, wohingegen eine punktförmige Ausleuchtung zu scharfen Kanten und deutliche Schatten.

Blitzbeleuchtung: Rinde

Blitzbeleuchtung: Rinde

Blitzbeleuchtung: Rinde optimiert

Blitzbeleuchtung: Rinde optimiert

In der Makro-Fotografie setzen viele Blitzhaltesysteme (Makro-Blitzschienen) ein, bei denen zwei Blitzgeräte ganz individuell positioniert werden können. So ein Set besteht aus einer Kameraplatte, an der entweder Stangen oder flexible Arme angebracht sind und auf die zwei kleine normale Blitzgeräte gesteckt werden. Die Kommunikation zwischen den Blitzgeräten und der Kamera wird dabei durch Spiralkabel sichergestellt.

Da man das Licht wesentlich besser „modulieren“ kann, für viele sicherlich die besser Alternative zum Ringblitz.

HINWEIS: Um eine plastische Ausleuchtung zu erreichen, sollte bei Einsatz von zwei Blitzgeräten, deren Blitzstärke unterschiedlich eingestellt sein.

Blitzbeleuchtung: Rinde optimiert

Veilchen abstrakt

Taschenuhr, Detailansicht

Taschenuhr, Detailansicht

Jetzt Sie! – Aufgaben

Für die Makro-Lektion habe ich zwei Aufgaben:

1. Machen Sie eine Makro-Aufnahme (Überraschung!). Aber setzen Sie einen Alltagsgegenstand in Szene. Rücken Sie einen Gegenstand des täglichen Lebens ins Blickfeld, wie man ihn so wahrscheinlich noch nie wahrgenommen hat.

2. Kreative vor! Machen Sie ein abstraktes Foto. Dabei sollte das Objekt nicht zwingend zu erkennen sein. Form und Farben zählen. Beachten Sie bitte nur die Regeln aus Lektion 1 und 2.

Lektion 7 – Pixel, Schärfe & Speicherformate

Lektion 9 – Landschaftsfotografie

Fotokurs zum Download

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