Die aufsteigende Bilddiagonale

29. Juni 2013 von  

Hallo an Euch,

gestern habe ich die nachfolgende Email erhalten und ich möchte direkt antworten.

„Hallo Glen, wenn Du schreibst, dass Du auch über den Workflows mit Deinen Fotos berichten möchtest, dann würde mich interessieren, womit Du bei der Bildbearbeitung startest. Bildausschnitt? Farbkorrektur? Retusche? Grüße Frank … aus Nieburg“

Ich denke, dass das Thema für viele von Interesse sein wird und daher antworte ich gleich mit einem kleinen Beitrag.

Im ersten Ansatz unterscheide ich Bilder, welche gut genug sind, um diese nicht zu löschen und jene, welche ich unbedingt nachbearbeiten und optimieren möchte. Das hört sich jetzt einfacher an als getan und daher werde ich mein Vorgehen zur Bildauswahl in einem separaten Beitrag erläutern. Nachdem die Auwahl der Fotos erfolgt ist, erfolgt im nächsten Schritt immer die Schaffung der aufsteigenden Bilddiagonale – wenn sinnvoll. Hierbei folge ich dem Denkmuster eines Mitteleuropärs von der linken zur rechten Hirnhälfte oder anders gesagt, von links unten nach rechts oben. Am nachfolgenden Beispiel möchte ich das Prinzip kurz erläutern.

Links das Orginal wie fotografiert und rechts die Nachbearbeitung unter Anwendung der Funktion Spiegelung zur Anpassung der aufsteigenden Bilddiagonalen.

[Bei diesem Foto war die Überlegung den Betrachter vom Tal, vorbei am Baum, auf den Hügel zu führen. Also vom dunklen Tal, hin zum lichten Hügel.]

[Beim Betrachten dieses Fotos sollte man nicht auf die Pfosten stoßen, welche für das Auge eine Barriere bilden. Einfach das Foto gespiegelt und so führen die Pfosten den Betrachter in das Foto von links nach rechts hinein.]

Bilder mit einer aufsteigenden Bilddiagonalen von links unten nach rechts oben wirken auf mich sehr viel harmonischer und leiten meinen Blick auf eine für mich sehr angenehme Art. Aber Vorsicht! Ihr spiegelt die Realität, was bei einigen Motiven keine gute Idee ist. Es gilt auch immer eine Entscheidung zur Aussage eines Bildes zu treffen. Nun hat nicht jedes Bild eine Diagonale zu bieten, welche ich zur Ausrichtung verwenden kann. Hier gehe ich etwas einfacher vor und versuche eine Bildausrichtung zu finden, welche meinen Blick von links nach rechts führt. Die für uns Europäer gewohnte Leserichtung. Eine andere Beschreibung meiner Überlegung ist die, dass ich den Betrachter von Links nach rechts in das Bild hineinführen möchte.

Ich hoffe ich konnte die aufsteigende Bilddiagonale verständlich erklären. Bin auf Eure Kommentare gespannt!

Kommentare

3 Kommentare zu “Die aufsteigende Bilddiagonale”

  1. Rainer Manns am 20. August 2013 07:36

    Hallo an Euch,

    vielen Dank für die verständliche Beschreibung. Habe den Betrag vor ein paar Wochen gelesen und im Urlaub schon beim Fotografieren auf die Bilddiagonale geachtet. Perfekt! Leicht umsetzbar!

    Was ich erst in der Praxis verstanden habe war der Umstand, dass bei der Spiegelung des Bildes auch die wahre Perspektive verändert wird. So stand eine Kirche nicht rechts sondern links herum. Sorgte für Verwirrung beim Betrachter! 🙂

    Tolle Seite – vielen Dank!

    Grüße
    Rainer

  2. Bernd am 21. August 2013 09:00

    Sorry, aber diesen Beitrag finde ich totalen Quatsch. Ein Foto zu türken weil es dann „harmonischer“ wirkt? Wo bleibt da die Realität?

    Siehe auch das erste Beispiel. Da finde ich die „Original“-Version deutlich besser. Der dunkle Waldrand bietet ebenfalls eine aufsteigende Linie, so dass ein Spiegeln nicht notwendig wäre. Auch finde ich ein „schauen in Tal“ wesentlich Harmonischer.

    0 von 5 Sternen!

    Bernd Walther
    Fotograf aus Passau

  3. Andreas Maue am 14. Oktober 2013 15:11

    Ihren Realismus in allen Ehren, Herr Walther.

    Ich fotografiere (auch berufsbedingt) gerne Architektur. Da lässt Ihnen die ‚Realität‘ oft gar keine Chance, die Perspektive so zu wählen, wie Sie es sich für die Komposition wünschen. Das musste sogar unser Auftragsfotograf einsehen, der ursprünglich nur zu ‚out of camera‘-Bildern bereit war und inzwischen in der Nachbearbeitung unpassende Einrichtungsgegenstände genauso verschwinden lässt, wie er auch Bilder spiegelt, weil sich eine Halle z.B. in der einen Richtung fotografieren lässt, in der anderen aber nicht. Damit die Gesamtkomposition wieder stimmt, muss das Bild dann eben gespiegelt werden. Die gesamte Feinjustage erfolgt dann mithilfe der gespiegelten Voransicht.

    Ich finde es gut und richtig, auf die Möglichkeit hinzuweisen. Man sollte durchaus auch damit spielen, denn im gespiegelten Bild entdeckt man manchmal auch Kompositionsschwächen, die einen im Original stören, die man aber wegen der Sehgewohnheit nicht so klar erkennt. (Ich mache das auch gerne mit meinen Skizzen – falsch herum gegen das Licht halten.) Auch unter Malern ist die seitenverkehrte Landschaft (Brücke, Gehöft etc.) ein immer wieder aufgegriffenes Sujet.

    Für Broschüren übrigens, drehen, spiegeln und beschneiden Kommunikationsdesigner die ausgewählten Fotos (bisweilen sinnentstellend) zum Wohle des Gesamtdesigns.

    Allerdings sollte der Hinweis, dass Spiegelungen mit Bedacht vorzunehmen sind und bei Portraits besser vermieden werden sollten, stärker herausgestellt werden. Weil mit dem Spiegeln auch die Beleuchtung ‚kippt‘ und dann sehr merkwürdig wirken kann.

    Zu guter Letzt: Ich hätte das erste Beispielbild auch nicht gespiegelt 😉

    Viele Grüße,
    Andreas Maue

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