Lektion 9 – Landschaftsfotografie

17. August 2009 von  

Was erwartet Sie in Lektion 9?

Die Landschaftsfotografie zieht unter Fotografen sehr großes Interesse auf sich. Kein Wunder, denn da draußen warten wunderschöne Landstriche, Naturgebiete und Szenerien nur darauf, abgelichtet zu werden.

Mit wenigen Schritten werden Sie ihre Landschaftsfotos in Hingucker verwandeln. Die Tipps dazu gibt es hier oder kennen Sie z.B. schon die hyperfokale Entfernung?

Roter Busch vor Eiche

Roter Busch vor Eiche

Nicht nur unendliche Weiten

„…den entscheidenden Prüfstein für den Fotografen – und oft die entscheidende Enttäuschung.“ Das sind die Worte eines der berühmtesten Landschaftsfotografen aller Zeiten (genau, Ansel Adams seine Worte).

Die, die es noch nie versucht haben, denken sicherlich, dass Landschaftsfotografie der leichteste Bereich der allgemeinen Fotografie sei. Man richte nur seine Kamera auf die Bergkette, die Blumenwiese, den Sonnenaufgang und voilá – isch abe eine wunderschöne Bild. Leider ist es nicht so einfach.

Das Hauptproblem besteht darin, dass Kamera und Gehirn nicht dasselbe sehen. Wenn Sie eine Szenerie betrachten und lassen das Auge schweifen, setzt unser Gehirn daraus unwillkürlich einen visuellen Eindruck zusammen.

Besonders den Eindruck von Weite zu vermitteln, scheitert oft an der „Nüchternheit“ der Kamera. Wenn wir mit dem Auge eine Landschaft ansehen, wechseln wir unbewusst zwischen Objekten aus dem Vorder- und Hintergrund.

Wenn wir dem Bildbetrachter einen Bezugspunkt anbieten können, dann kann man ebenfalls räumliche Tiefe erzeugen.

HINWEIS: Besonders wenn Sie mit Weitwinkel-Objektiven fotografieren, versuchen Sie dem Betrachter einen interessanten Gegenstand im Vordergrund anzubieten.

Flusslandschaft mit Bezugspunkt im Vordergrund

Flusslandschaft mit Bezugspunkt im Vordergrund

Unendliche Schärfentiefe

Wie schon in der Makro-Fotografie, spielt die Schärfentiefe eine sehr wichtige Rolle, wenn es um den allgemeinen Bildeindruck geht. Jetzt mag man versucht sein und denken, dass für die größtmögliche Schärfe das Objektiv nur auf Blenden kleiner als f/16 und der Fokus auf unendlich eingestellt werden muss. Dachte ich lange, sehr lange auch, aber es ist nicht der optimale Weg.

Das mit der Blende stimmt bedingt, aber sobald Sie kürzere Verschlusszeiten benötigen, weil sich z.B. die Blätter im Vordergrund doch lieber nicht bewegen sollen, dann müssen Sie umdenken.

Es gibt aber eine sehr feine Sache, die, wenn man sie berücksichtigt, zu schärferen Landschaftsaufnahmen führt: Die hyperfokale Entfernung.

Grundsätzlich liegen vom Schärfentiefebereich bei der Fokussierung auf eine bestimmte Ebene ein Drittel vor und zwei Drittel hinter der Fokusebene. Stellen sie die Kamera auf ∞ ein, verlieren Sie die zwei Drittel hinter der scharf eingestellten Ebene. Die Lösung dafür sieht so aus:

Um den Schärfentiefebereich zu maximieren, fokussieren Sie auf die hyperfokale Entfernung. So erreichen Sie, dass alles, was sich von der Hälfte dieser Entfernung bis zur Unendlichkeit, scharf abgebildet wird.

Zugegeben, das klingt zunächst wie Voodoo, aber es funktioniert. Hier ein Beispiel, wie Sie auch die Tabelle für sich nutzen können.

Sie stehen mit ihrer Kamera und einem 28er Weitwinkel in der Wüste (hoffe, Sie haben genug Wasser) und möchten die Dünenlandschaft fotografieren. Vor Ihnen liegen die Knochen eines Kamels, die Sie unbedingt als Blickfang mit in das Bild integrieren sollten. Nachdem, was Sie oben gelesen haben, können Sie jetzt nicht das Skelett so platzieren, dass es bei der Einstellung auf ∞ scharf ist und hoffen, dass das auch auf den Hintergrund zutrifft.

Anhand der Tabelle sehen Sie, dass für das 28er und bei Blende f/16 ein Meterwert von 1,80 steht. Fokussieren Sie nun mit ihrem Objektiv auf eine Entfernung von 1 Meter 80, wird alles, was sich im Bereich von 90 Zentimetern und unendlich befindet, scharf abgebildet.

Oder ein 50er und Blendenwert von f/32. In der Tabelle nachgeschaut und eine Entfernung von 3 Meter 5 gefunden. Also wird jeder Gegenstand, der sich ab 1 Meter 50 im Bild befindet scharf sein. Natürlich nur, wenn Sie zuvor auf die hyperfokale Entfernung von 3 Meter 5 fokussiert haben. Das Einstellen der benötigten Entfernung ist nicht ganz einfach und erfordert Übung. Zum Glück gibt es (noch) an den Objektiven Skalierungen, die einem das Einstellen der Entfernungen erleichtert.

Drucken Sie sich die Tabelle mit den Werten für die hyperfokalen Entfernungen aus und stecken Sie diese zu Ihrer Fotoausrüstung. Das nächste Mal, wenn Sie dann wieder eine Landschaft fotografieren möchten, nehmen Sie die Tabelle zur Hilfe. Legen Sie erst die Blende fest, suchen Sie den entsprechenden Tabellenwert für die Entfernung und stellen diesen dann über den Fokussierring ein.

Sollte Ihr Objektiv keine Entfernungsangaben besitzen oder diese eher unbrauchbar sein (kommt auch vor), dann müssen Sie improvisieren. Abstände von bis zu 2 bis 3 Metern lassen sich noch gut abschätzen oder vermessen. Bauen Sie Ihr Stativ auf, legen die Blende fest, lesen den Tabellenwert ab und stellen dann auf einen Gegenstand scharf, der sich in der benötigten Entfernung befindet. Oder Sie legen einen Gegenstand (z.B. eine Jacke oder Rucksack) in die gewünschte Entfernung, fokussieren und bevor Sie auslösen, entfernen den Hilfsgegenstand.

Auf einigen Objektiven befindet sich sogar eine Skala für die Schärfentiefe. Das ist eine feine Sache, denn dann bestimmen Sie zuerst die Blende und drehen dann den Einstellring solange, bis das Symbol für Unendlich in Deckung mit der Blendenzahl auf der Schärfentiefenskala ist (unglücklicherweise verzichten offenbar immer mehr Objektivhersteller auf solch eine Skala…).

Hyperfokaldistanzen

Hyperfokaldistanzen

Farben satt

Zwei Sachen könne bei der Landschaftsfotografie wirklich sehr lästig werden: Starker Kontrast und Reflexionen.

Mit Kontrast ist gemeint, dass die Helligkeitsunterschiede zwischen Vor- und Hintergrund so ausgeprägt sind, dass entweder der Vordergrund korrekt, dafür aber der Hintergrund (meistens der Himmel) überbelichtet ist und umgekehrt.

So teuer Ihre Bildbearbeitungssoftware auch gewesen sein mag, auch die kann dort nichts hinzaubern, wo es keine Informationen gibt (starke Über- oder Unterbelichtung ist nun mal nur einfach weiß bzw. schwarz). Aus diesem Grund sollte jeder Landschaftsfotograf eine oder mehrere dieser ND Verlaufs-Graufilter bei sich führen, denn mit denen kann man zu harte Kontraste korrigieren.

Baum im Gegenlicht

Baum im Gegenlicht

Eine weitere Lästigkeit sind kraftlose, ausgewaschene erscheinende Himmel. Besonders um die Mittagszeit, wenn die Sonne hoch steht und der Himmel nicht sehr bewölkt ist, wirken Farben sehr schnell blass.

Um die Farben zu intensivieren, kann man einen Polfilter (zirkular) verwenden. Mit dem erreichen Sie ein Foto, das von dem Farben her auch Ihrem visuellem Eindruck entspricht.

Landschaft mit/ohne Polfilter

Landschaft mit/ohne Polfilter

Klarer Schnitt

Die Lage der Horizontlinie ist definitiv ein weiteres gestalterisches Element und es ist Ihrer Kreativität überlassen, wo Sie den Horizont in ihrem Bild platzieren (so lange Sie an die Grundregeln aus Lektion 1 denken). Aber um Himmelswillen (wie passend), wenn Sie ihre Bildkomposition aufteilen, tun Sie es ganz gerade. Der Schnitt muss einfach perfekt sein.

Der schönste und spektakulärste Sonnenuntergang an der Ostsee wird zur Seekrankheit, wenn der Horizont nicht ganz akkurat gerade ausgerichtet worden ist.

Sollte Ihre Kamera die bereits erwähnte Option von Gitterlinien im Sucherbild haben, dann ist gut. Wenn nicht, auch kein Grund zur Verzweiflung. Ich habe es zwar nicht bei den Ausrüstungsgegenständen in Lektion 6 aufgelistet, denn meine Kamera hat Gitterlinien, aber ist es doch ein sehr nützlich daher kommendes „Gimmick“: Die Wasserwaage. Sie müssen jetzt nicht denken, dass eine ein Meter lange Waage auf Ihre Kamera gebunden werden muss. Nein, es gibt extra kleine Wasserwaagen, die Sie in den Zubehörschuh (eigentlich für ein externes Blitzgerät) stecken können.

Diese Waagen sollten mit zwei Libellen (die mit einer Blase versehenen Flüssigkeiten) für Hoch- und Querformat versehen sein. Wahrscheinlich sogar genauer, gerade bei Situationen mit wenig Licht, als Gitterlinien im Sucher. Muss ich mal testen …

Wasserwaage

Wasserwaage

Sonne & Mond

Sonne & Mond

Leitlinien: Parkallee & Waldweg

Leitlinien: Parkallee & Waldweg

Jetzt Sie! – Aufgaben

Landschaftsaufnahmen setzen nicht nur Wüsten, Seen, Wälder und Gebirge in Szene. Ich bin mir sicher, dass es auch direkt vor Ihrer Haustür Landschaft zu entdecken gibt. Machen Sie eine Aufnahme davon.

Lektion 8 – Makro-Fotografie

Lektion 10 – Portraitfotografie

Fotokurs zum Download

Kommentare

17 Kommentare zu “Lektion 9 – Landschaftsfotografie”

  1. Manfred Dehnell am 24. August 2009 14:38

    Hallo, da habe ich doch eine prima und hilfreiche Website gefunden.
    Sie ist nicht nur für Einsteiger sondern auch für langjährige und erfahrene interessant.
    Danke und auch die Themen sind sehr hilfreich.
    Ich habe eine D300 und habe von einem Freund gehört, dass er seine 40D am PC auf die unterschiedlichen Objektive (Farbdarstellevermögen) eingestellt hat.
    Nun ich weiß, das mein Zeiss die Farben anders wiedergibt, als die verschiedenen Nikonobj.
    Wie kann man das einstellen?
    Mfg
    Manne
    Danke ich freue mich über jeden Hinweis.

  2. john am 20. August 2010 19:05

    Hallo, hoffentlich findet mich hier noch jemand in meiner Unerfahrenheit. Habe in den letzten Tagen etwas geprobt, aber glaube irgendetwas falsch verstanden zu haben. Ich möchte eine bestimmte Schärfentiefe bei z.B. Landschaftsfotos hinbekommen (ausnutzung der hyperfokalen Entfernung) . Wenn ich aber etwas in angenommen 5m Entfernung anfokusiere um dann auf den eigentlichen Ausschnitt zu schwenken bekomme ich doch ein völlig falsch belichtetes Bild, je nach dem was ich anfokusiert habe. Könnte mir bitte jemand auf die Sprünge helfen wo ich geschlafen habe?

  3. Rico am 20. August 2010 20:03

    Hallo John,
    wenn Du auf einen anderen Gegenstand fokussierst, stellst Du gleichzeitig auch die Belichtung auf diesen Gegenstand ein. Beim Umschwenken ist dann ggf. die Belichtung falsch.
    Dazu fallen mir zwei Möglichkeiten ein:

    1. Manueller Fokus, also Entfernung per Hand am Objektiv einstellen (siehe Tabelle oben)

    2. Bei Canon-Kameras (zumindest 400D) gibt es einen Knopf zum Speichern der Belichtungswerte. Dann müsstest Du also die Szene ins Blickfeld nehmen, die Belichtung speichern, auf den Gegenstand in der Nähe schwenken, fokussieren, zurückschwenken und auslösen.

  4. john am 21. August 2010 10:27

    Vielen Dank Rico für deine schnelle Hilfe, werde es wenn ich wieder Zeit habe versuchen auszutesten. Habe auch eine Canon und die sogenannte Sternchentaste habe ich ganz außer acht gelassen.

  5. Vanarne am 8. Februar 2011 19:02

    Hi
    Erst mal herzlichen Dank für die beste Seite im Netz.

    Aber nun meine Frage…
    Wenn ich einen Gegenstand in der Nähe scharf stell wird da wirklich der Rest auch scharf?

  6. Rico am 9. Februar 2011 13:20

    In der Nähe? Der Fokus sollte manuell auf die hyperfokale Entfernung eingestellt werden. Wenn das nicht geht, hilfsweise auf einen Gegenstand fokussieren, der sich in der hyperfokalen Entfernung befindet.

    Probieren geht über Studieren. Man muss es mal ausprobieren und etwas Erfahrung sammeln. Ansonsten ist ja alles im Artikel erklärt. Man muss sich aber etwas damit beschäftigen, das ist kein leichtes Thema.

  7. Günter Lüttich, Stuttgart am 14. Mai 2011 09:16

    Ich danke für die Informationen! Nur hätte ich gerne gewußt, ob sich die Werte der Tabelle auf Vollformat oder auf welchen Cropfaktor bezieht.
    Mit besten Gruß und DankG.Lüttichi

  8. Günter Lüttich, Stuttgart am 2. Juni 2011 07:34

    Ich danke, dass meine anfrage vom 14.05.20011 so promt beantwortet werden konnte.
    mit freundlichen Grüßen
    G.Lüttich

  9. Matthias am 11. Juni 2011 20:35

    @G.Lüttich: ich denke die Tabelle ist für Vollformat (35mm). Man kann das auch selber ausrechnen (http://en.wikipedia.org/wiki/Hyperfocal_distance): mit hyperfokaleEntfernung = Brennweite/(Blendenzahl*UnschärfekreisDurchmesser), beim 35mm-Film beträgt der Unschärfekreis-Durchmesser ca. 0.03mm
    Hier findet man übrigens eine lustige Applikation, die das alles berechnet: http://www.dpreview.com/learn/?/Glossary/Optical/Depth_of_Field_01.htm

  10. Günter Lüttich, Stuttgart am 13. Juni 2011 08:50

    Matthias, ich danke recht herzlichst für die Hinweise und die Mühe, meine Frage zu beantworten!
    Mit besten Gruß
    G.Lüttich

  11. lisa am 13. September 2011 20:42

    Eine tolle Seite und Super Tips. Meine Frage: Kann ich diese Werte Tebelle auch für meine Kamera nehmen? Canon 40 d ist doch ein Vollvormat 50 mm sind 80 mm. Oder muss ich immer 30mm draufrechnen? LG Larita

  12. Eva am 5. September 2012 12:16

    Danke für die tolle Seite.
    Echt KLASSE, das du dir solche Mühe gemacht hast.
    Ich hoffe ich kann die Lektionen bald mal ausprobieren.
    LG Eva

  13. Bekir DARI am 3. Januar 2013 10:50

    DANKESCHÖN UND NOCH MAL DANKESCHÖN!

  14. Horst am 13. Februar 2013 16:40

    Prima Seite hier! 🙂

    Ich habe da auch mal ne Frage:
    Bei 20mm und Blende 8 liegt die hyperfokale Distanz bei 1,80 Meter.
    Was ist denn, wenn ich bei 20mm und Blende 8 nicht die 1,80 treffe, sonders 3 Meter? Verringert sich dann nur das 1/3 vor den 3 Metern und ab den 3 Metern ist es bis „unendlich“ scharf, oder passt dann alles nicht mehr?

    LG
    Horst

  15. admin am 14. Februar 2013 14:34

    Hallo Horst,

    das ist eine wirklich sehr technische, physikalische Frage. Aus meiner Sicht, spielt die hyperfunktionale Distanz in der Praxis keine entschiedene Rolle, da in der Regel auf ein Hauptmotiv scharfgestellt wird. Ein Praxisbezug, für Bilder mit einer gleichbleibende Schärfe über das gesamte Bild, auf allen Ebenen, fällt mir spontan in der hobby- oder semiprofessionellen Fotografie nicht ein. Da mache ich mir mehr Sorgen um das Licht.

    Ich habe an eigenen Objektiven die Skala für eine hyperfokale Entfernung – genutzt habe ich diese Information bisher nicht.

    Hier gibt es noch einen Onlinekalkulator
    http://www.dofmaster.com/dofjs.html

  16. Horst am 15. Februar 2013 12:20

    Prima. Vielen Dank für den Link.

    Mein Hintergrund besteht eigentlich in der „Nachtfotografie“. Nehmen wir mal einen Sternenhimmel über einer Bergkette bei Nacht. Wie will man das fokussieren? Bei einem 16mm Objektiv kriege ich das mal gar nicht hin. letztlich sollen die Sterne ja scharf sein 🙁

  17. Stegemann, Lutz am 15. November 2013 10:38

    Für Günter Lüttich, Stuttgart am 2. Juni 2011 07:34:
    auf http://www.striewisch-fotodesign.de/lehrgang/anmerk/ts_hfd.htm gibt es eine Tabelle für verschiedene Crop Faktoren…
    Viel Erfolg!

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