Lektion 5 – Objektive

17. August 2009 von  

Was erwartet Sie in Lektion 5?

Diese Lektion verschafft Ihnen einen Überblick über die Flut von Objektiven und erläutert die Unterschiede. Weitwinkel-, Tele-, Makro- und Zoom-Objektive werden beschrieben und Beispiele für ihren optimalen Einsatz gegeben.

Ich sehe was, was du nicht …

Auch wenn manche vielleicht es anders sehen, aber das Objektiv ist der wichtigste Ausrüstungsgegenstand eines Fotografen. Ein gut funktionierendes Objektiv, das zugleich eine hervorragende Schärfe liefert, werden sie spätestens dann zu schätzen wissen, wenn die Qualität ihrer Bilder (Komposition!) sich verbessert, aber nicht die optische Bildqualität.

Ein wirklich gutes Objektiv zeichnet sich durch eine robuste und spielfreie Mechanik aus. Hinzu kommt, dass bei den hochwertigen Objektiven zudem noch spezielle Linsen zum Einsatz kommen, die besonders oberflächenvergütet sind.

Sicher, die Anschaffung eines oder gleich mehrerer Objektive ist kostspielig, aber sind es doch wert, wenn man daran ernsthaft interessiert ist, die bestmöglichen Fotos zu machen.

Ein Blick in einen regulären Händlerkatalog verdeutlicht die heutige Vielfalt: 32 verschiedene Objektive. Für jeden etwas dabei. Für welches sie sich letztendlich entscheiden, hängt davon ab, was sie bevorzugt fotografieren möchten. Ich stelle ihnen nachfolgend die Objektivtypen vor. Nachher kaufen sie noch alle 32 Objektive …

Weitwinkel-Objektiv

Das menschliche Auge sieht wie mit einem 50er Objektiv, also einem Objektiv der Brennweite 50 mm. In der Tat entsprechen Fotos, die mit solch einer Brennweite aufgenommen wurden, dem eigenen Sehempfinden.

Alle Objektive, deren Brennweite darunter liegen, werden als Weitwinkel-Objektive bezeichnet. Eine ganz klassische Brennweite ist z.B. 24 mm.

Weitwinkel-Objektive werden bevorzugt in der Landschaftsfotografie eingesetzt. Aber auch Gruppenaufnahmen lassen sich damit umsetzen.

Weitwinkel eignen sich besonders dann, wenn Sie möglichst viel einer Umgebung mit ins Bild einbeziehen möchten. Allerdings gibt es einen kleinen Nachteil: Je größer der Bildwinkel wird, desto mehr werden in den Randbereichen Linien gekrümmt. Besonders extrem ist dieser Effekt bei den so genannten „Fisheye“-Objektiven (um die 10 mm). Allerdings setzen viele Fotografen diese Verzeichnung auch gerne als gestalterisches Mittel ein. Ein Fisheye sollte aber nicht zwingend auf ihrer Liste ganz oben stehen.

Weitwinkelaufnahme: Flusslandschaft

Weitwinkelaufnahme: Flusslandschaft

Tele-Objektive

Um ein Tier besonders formatfüllend abzulichten oder die Distanz zu einem Sportler zu überbrücken, ohne gleich auf das Spielfeld zu rennen, setzt man ein Tele-Objektiv ein. Die Brennweiten reichen dabei in der Regel von 70 bis 800 mm. Wobei letztere Brennweite Objektive hervorbringt, die fast 5 Kilogramm wiegen und mehrere tausend Euro kosten.

Mit einem „Tele“ holt man sich nicht nur sein Motiv nah ran, man eliminiert auch gleichzeitig störende Elemente links, rechts, vor und hinter dem Hauptmotiv. Denn der Bildwinkel verkleinert sich, je größer die Brennweite wird.

Den Effekt der Verzeichnung, der so typisch für die Weitwinkel-Objektive ist, kann durch ein Tele eliminiert werden. Sollte man vielleicht im Hinterkopf behalten, wenn man sein Hauptaugenmerk auf Architektur gelegt hat. Wer noch einen Schritt weitergehen will, dem seien die PC-Objektive ans Herz gelegt, wenn es gilt, stürzende Linien zu beseitigen. „PC“ steht für das englische Perspective Control (Perspektivenkontrolle) und weist darauf hin, dass mit diesen speziellen Objektiven, die man in sich quer verschieben kann, Linien nahezu parallel dargestellt werden können.

Tele: Uhu

Tele: Uhu

Makro-Objektiv

Der Teufel, nein, die Schönheit steckt oft im Detail. Um kleine Dinge groß raus zu bringen, dafür benötigen sie ein Objektiv, mit dem sie gaaaaanz nah an das Motiv können. Ein echtes Makro-Objektiv lässt sie einen Gegenstand in seiner natürlichen Größe auf den Sensor bannen.

Mittlerweile reichen die Brennweiten bei den „Makros“ von 50 mm bis 200 mm. Auch hier gilt, dass der Bildwinkel umso größer ist, umso kleiner die Brennweite wird. Mit einem 50er Makro können sie z.B. einen Frosch ganz groß fotografieren und haben gleichzeitig noch die Möglichkeit, sein natürliches Umfeld mit ins Bild mit einzubeziehen. Mit einem 200er Makro machen sie die gleiche Aufnahme vom Frosch, aber jetzt würden sie ihn durch den kleineren Bildwinkel freistellen.

Ach ja, bei dem 200er können sie auch mehr Abstand halten. Nicht unwichtig wenn es um Fluchtdistanzen (ab wann z.B. flieht ein Tier) oder gefährlichere Tiere als ein Frosch geht.

Sicherlich eine Frage des Geschmacks, aber auch die des Geldbeutels, denn das 200er Makro wird rund dreimal mehr kosten, als das 50er Makro.

Spinnennetz mit Wassertropfen

Spinnennetz mit Wassertropfen

HINWEIS: Objektive mit einer kleineren bzw. kürzeren Brennweite haben eine größere Schärfentiefe, als Objektive mit größeren bzw. längeren Brennweiten.

Zoom-Objektiv

Die steigende Zahl an Zoom-Objektiven beweist es, sie sind beliebter als je zuvor. Ein Zoom vereint schlichtweg mehrere Festbrennweiten in einem Objektiv. Anstelle eines 24ers, eines 50ers, eines 180ers Makro und eines 300ers (das volle Programm: Weitwinkel, Standard, Makro und Tele), nehmen sie nur noch ein 28-300 Makro-Zoom-Objektiv mit. Ist das nicht fantastisch? Ja und Nein.

Die Vorteile „wiegen“ auf der Hand, denn sie tragen definitiv weniger Gewicht mit sich (4 Objektive = 3200 g oder 1 Objektiv = 400 g). Und die Anschaffungskosten sind auch viel geringer.

Jetzt zum ABER. Obwohl die Qualität der Zoom-Objektive über die letzten 20 Jahre (So lange fotografiere ich schon? – ich muss wohl alt sein…) kontinuierlich verbessert hat, stellen sie doch nur einen Kompromiss dar. Es mag verständlich sein, dass, wenn man noch mehr Linsen hintereinander packt, die Qualität darunter leiden muss. Außerdem steckt noch mehr Mechanik in den Objektiven, die Probleme bereiten kann.

Sie merken schon, ich bin kein allzu großer Fan von Zooms. Die Zoom-Objektive, die wirklich gute Qualität bieten, kosten auch gleich wieder ein Sch*****geld.

Und noch etwas: Wie zuvor schon bei den Blendenwerten, gibt es auch bei den Zooms einen optimalen Einstellbereich – die mittleren Zoombereiche! Das heißt, dass z.B. bei einem 70-300er Zoom die beste Schärfe um die 180 mm zu erwarten ist. Schade eigentlich, es hätte alles so schön sein können.

Ein allerletztes Wort – ganz ehrlich – zum Thema Zoom. Viele Digitalkameras bieten einen „digitalen Zoom“. Dabei ist das Zoomen aber ein rein softwaregesteuerter Prozess. Da dabei keine neuen Pixel hinzugeführt werden, ist die Auflösung der Vergrößerung, nun ja, bescheiden. Netter Werbetrick, aber in der Praxis nicht brauchbar.

Bildwinkel

Bildwinkel

Bildwinkel: Ansitz im Wald

Bildwinkel: Ansitz im Wald

HINWEIS: Die Hersteller bieten unterschiedliche Serien von Objektiven an. Dabei gibt es einmal die Objektive, die sowohl für den Einsatz an einem analogen (35 mm SLR), als auch an digitalen Gehäuse geeignet sind.

Der zweite Typ von Objektiven ist jedoch so berechnet, dass er optimal auf die Sensorgröße abgestimmt ist. Diese Objektive können nur an digitalen SLR angesetzt werden.

Seien Sie gut …

… zu Ihren Objektiven (und Mitmenschen). Befolgen Sie auf das Genauste die Herstellerangaben zu Pflege IIhrer Objektive. Vermeiden Sie starke Verschmutzung (wie z.B. Schlamm – glauben Sie mir, ein Objektiv davon zu befreien ist mehr als lästig…) und reinigen Sie es – wenn nötig – sofort. Blasebalg und Mikrofasertücher sind die erste Wahl. Wenn der Blasebalg versagt, versuchen Sie es mit einer antistatischen Bürste.

Schmierflecken beseitigen Sie mit dem Mikrofasertuch. Beginnen Sie immer in der Mitte der Linse und arbeiten sich in kreisenden Putzbewegungen zum Rand hin vor. Bei hartnäckigeren Flecken hilft manchmal vorheriges Anhauchen (nicht Anspucken, pfui!). Vermeiden Sie aggressive Lösungsmittel.

Wenn gar nichts mehr geht, hilft immer noch der Kundenservice vieler Hersteller.

In der kalten Jahreszeit sollten Sie darauf achten, dass ihre Kamera nicht beschlägt, wenn Sie vom Kalten ins Warme wechseln. Die Feuchtigkeit schadet sonst der Elektronik. Sie können z.B. ihre Objektive und die Kamera in einen von diesen Zip-Lock-Beuteln stecken. Die Feuchtigkeit schlägt sich dann außen am Beutel nieder.

Jetzt Sie! – Aufgaben

Da nicht erwartet werden kann, dass Sie zu Beginn gleich eine vollständige Ausrüstung haben, folgende Übung: Nehmen Sie ein Objektiv bzw. das Objektiv welches Ihnen zur Verfügung steht und versuchen Sie jeweils unterschiedliche Themen damit zu realisieren. Das kann z.B. wie folgt aussehen: Sie besitzen ein Makro-Objektiv. Damit können Sie – genau – einmal Makro-Fotos machen. Aber Sie können sich auch an Landschafts- und Porträtmotiven probieren. Mit einem Standard-Objektiv lässt sich auch noch so einiges umsetzen. Mit einem Tele ist es schwieriger, aber auch nicht unmöglich. Makro-Fotografie wird vielleicht nicht gelingen, aber dafür der Rest …

Lektion 4 – Belichtung

Lektion 6 – Elementares & Nützliches

Fotokurs zum Download
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Kommentare

5 Kommentare zu “Lektion 5 – Objektive”

  1. Karl am 29. Dezember 2010 22:04

    Hallo,

    vielen Dank für diesen super Fotokurs. Mir geht eine Sache ab: Bis zu welcher Brennweite kann man aus der Hand photographieren – und wann sollte man ein Stativ benutzen?

    Ich denke je größere die Brennweite, desto stärker der „Hebelarm“, um welcher die Umgebung durch das Zittern der Hand durchgeschüttelt wird.

    Vielen Dank,
    Karl

  2. Roland1964 am 30. Dezember 2010 10:31

    Hallo,

    als Faustregel kann man sich merken, dass seitens des Objektives die Brennweite gleich der Belichtungszeit noch in der Hand gehalten werden kann ohe dadurch zu verwackeln.
    Im Einzelnen bedeutet das:
    fotografierst Du mit einem 85mm-Objektiv so beginnt die Verwacklung ab einer Zeit länger einer 1/85 sec. (also in der Praxis 1/100 sec.) als längste Zeit. Bei einem 200-mm-Objektiv liegt die Zeit entsprechend bei einer 1/200 sec.
    Allerdings gilt diese Faustregel NUR für analoge oder Vollformat-Digital-Fotografie. Ansonsten musst Du den Crob-Faktor (Beschneidungs- oder landläufig Verlängerungsfaktor) mit einberechnen. Ein 200mm-Objektiv bei einer Canon wird also mit dem Faktor 1,6 wie ein 320mm-Objektiv benutzt. Das bedeuter, dass Du hier als längste Zeit eine 1/500 sec noch in der Hand halten kannst.
    Das wiederum wird oft dann durch die Verwacklungsautomatiken wieder etwas zurück genommen.

    Nicht so einfach 🙂
    Am Besten nimmst Du die gecrobte Brennweite als Zeitvorgabe.

    Gruss
    Roland

  3. Helmut am 6. April 2011 13:40

    Danke für deinen guten Einführungskurs. Ich verwende ihn in der Schule im Gegenstand Medientechnik (Einführung Fotografie).
    Eine Frage zu deinen Fotos. Mir fällt auf, dass deine Fotos selten wirklich weiße Stellen haben (ganz rechts im Histogramm). Machst du das absichtlich?
    Ich neige eher dazu, die Tonwerte dann etwas zu spreizen um mehr Dynamik ins Bild zu bekommen. Wie beurteilst du das? („Du“ passt doch?)…

  4. Rico am 6. April 2011 14:56

    Ich denke, das ist Geschmackssache. Die Bilder hier sind nicht nachbearbeitet. Viele bearbeiten Ihre Fotos am Computer nach, einige machen das ungern …

  5. Stefan am 4. Dezember 2012 10:08

    Super Seite- echt toll !

    Frage wie kann ich die Tiefenschärfe ermitteln ? Im Live wive sehe ich das nicht wirklich oder ? Eine Abblendtaste habe ich leider nicht ( D5000).

    MfG !

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